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30 Mofas und Mopeds zierten die Sonderausstellung auf der CUSTOMBIKE-SHOW 2019 in Bad Salzuflen. Unter dem Motto »Halbstark« sind wir mit 50 Kubik in die Vergangenheit geknattert.

Es gibt die Theorie, dass der Plastikroller mit Variomatik mindestens zwei bis drei Motorradfahrergenerationen auf dem Gewissen hat. Wer auf einem hässlichen Viertakt-Spacescooter seine motorisierte Zweiradkarriere beginnt, will mit Erreichen der Volljährigkeit nämlich vor allem – ein Auto. Wen hingegen mit 15 oder 16 Jahren stets eine sinnliche Fahne verbrannten Synthetiköls umwehte, wer mit Hand- oder Fußschaltung die Freuden des manuellen Gangwechsels kennengelernt und womöglich den erhabenen Moment einer geglückten Frisieraktion erlebt hat, der ist normalerweise für immer angefixt. Der macht mit achtzehn den Motorradlappen und will mehr vom köstlichen Nektar der Freiheit und der Dynamik auf zwei Rädern kosten. Das haben anscheinend auch die Fahrzeughersteller geschnallt und bieten mittlerweile wieder reichlich flotte Schaltmopeds an. Nur mit der Synthetikölfahne ist’s leider vorbei, weil dem Zweitakter ja schon vor vielen Jahren der Gemischhahn abgedreht wurde.

» … und dann sind wir vor den Bullen abgehauen!« Wer seine Öhrchen aufsperrte, konnte auf der Halbstark-Sonderausstellung jede Menge glorreiche Mofa- und Moped-Geschichten aufschnappen. Vom nächtlichen Feilen an Ein- und Auslässen, gedrehten Seitenständern und Z-Lenkern, der unendlichen Suche nach der ultimativen Vergaserbedüsung, dem Auspuff-Ausbrennen und der Behandlung von Versicherungskennzeichen mit Öl und Dreck, damit nach der Flucht vor der Rennleitung auch ja kein Hausbesuch anstand. Das waren Zeiten … Und diese waren in Ost und West augenscheinlich ähnlich. Nachvollziehbar auch an den Exponaten der Ausstellung, die eben nicht nur aus Kreidler-, Hercules-, Zündapp- und Puch-Mopeten bestand, sondern auch feinstes Federvieh aus Suhl zeigte. Schwalbe und Spatz natürlich, aber auch herausragende Umbauten auf Basis von S50- oder SR2-Simsons.

Als wir die Halbstark-Nummer planten, waren wir nicht sicher, ob das werte Publikum kleine 50-Kubik-Customs schätzen würde. Doch egal, mit wem wir im Vorfeld darüber sprachen – es begann stets zu sprudeln. Rängdängdäng. Und da unser Boss seine Karriere als Verleger in den 60er Jahren mit dem Verkauf von selbstgeschriebenen Kreidler-Frisieranleitungen begann, war die Sache geritzt. Nur ein Zahnarzt, der erst mit fünfzig seinen Lappen gemacht hat, wird den Zauber des blauen Nebels nicht verstehen können.

Während für uns der Abstecher in die 50-Kubik-Welt ein schönes Nostalgie-Träumchen ist, sind andere auf dem Trip hängengeblieben. Norbert Edinger beispielsweise, der mit seiner Moped-Garage die Szene am Leben erhält. Er hat nicht nur ein riesiges Ersatzteillager und lässt nicht mehr lieferbare Brocken nachfertigen, sondern besitzt auch ein allumfassendes Archiv an Original-Dokumenten, technischen Daten und Werbematerialien der deutschen Mofa- und Moped-Hersteller. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle, dass wir uns durch das ganze Material wühlen durften. Und viel Spaß auf dem kleinen Ausflug, der dich im Juli vom Hockenheimring ans Nordkap führen wird. Mit zwei Kumpeln auf Zündapp Bergsteiger mal eben knapp 3500 Kilometer abreißen, wird bestimmt eine zähe, arschmordende Angelegenheit (way-to-nordkap.de).

Hängengeblieben sind auch die Kobras, dank einer zehnteiligen TV-Reportage sicherlich Deutschlands bekanntester Mofa-Club. Die Herrschaften haben uns einige Möppchen für die Ausstellung zur Verfügung gestellt und importierten kistenweise Pilsss mit nach Bad Salzuflen. Ein supersüffiges Eigengebräu, dessen drei s für den Zischlaut der Kobra steht. Ssstößchen! Und nu? Hat uns das Ganze so viel Laune gemacht, dass wir noch mal nachlegen werden. Auf den CUSTOMBIKE SUMMER DAYS (17. bis 19. Juli) in Mannheim wird’s aber nicht nur coole Möppchen zu sehen geben, im Gegensatz zu Uflen wird auch gefahren. Und gezeltet. Und geslowraced. Und bis in die Nacht unter freiem Himmel musiziert.

Info | www.custombike-show.de