Zum zehnten Mal fand das Punta Bagna in Valloire in den französischen Seealpen statt. Grund genug für unsere Schrauberfreunde der Customizers East, sich mit neun Bikes auf einen Roadtrip zu wagen. Für uns haben sie ihre Reise dokumentiert

2014 waren wir schon einmal beim Punta Bagna, die Erfahrungen damals durchweg positiv und Grund genug, die Jubiläumsausgabe des Events anzusteuern. Für uns bedeutet das erst mal Vorbereitung, selbstgeschweißte Gepäckträger montieren und die mehr oder weniger umgebauten Bikes beladen, 2500 Kilometer wird der Trip nach Frankreich und zurück lang sein. Die Starrrahmenquote liegt bei dreißig Prozent, für die gesamte Strecke ist eine gute Woche eingeplant, Motto: Neun Mann, neun Bikes, no Baggers, no Trucks, no Trailers, no Escorts – los geht’s.

Das Motto ist klar: Neun Mann, neun Bikes, no Baggers, No Trucks, no Trailers, No Escorts. Bordwerkzeug und mitgebrachte Ersatzteile sind sorgsam ausgewählt, damit der 2500-Kilometer-Trip zum Vergnügen und nicht zur Qual wird.


Die erste Etappe führt uns vom bayerischen Hof ins österreichische Dornbirn, es ist die bisher heißeste Woche des Jahres. Ausstaffiert mit unseren Lederjacken starten wir, morgen schon werden die Jacken an die Sissybars gewickelt, ab dann fahren wir nur noch im Sweater. California Feeling, die Digitalanzeige am Straßenrand zeigt vierzig Grad.

Noch in Deutschland gibt es die erste Panne – Lampenhalter abgerissen. In einer Metallbauschmiede finden wir Hilfe, der Meister fertigt einen neuen Halter, will gerade mal zehn Euro dafür. Nicht akzeptabel für uns, wir legen Trinkgeld obendrauf und setzen unsere Reise fort. Und weil wir im Laufe der Fahrt mit weiteren lockeren Lampen, meist größeren Durchmessers, zu tun haben, wird der Spruch von unserem Member Nobbi zum Running Gag: »Solche Pempel haben an der Springer auch nichts zu suchen.«


Am nächsten Morgen geht es in die Schweiz, furchtbar teuer, das ist allgemein bekannt. Für die Plörre aus dem Kaffeeautomaten sind fünf Franken fällig, dafür entschädigt die wirklich einzigartige Bergwelt. Auf kleinen Passstraßen geht es nach Italien, bei wieder fast vierzig Grad zurück auf die Autobahn, vorbei an Turin, nördlich weiter nach Frankreich, Valloire als Ziel fest im Kopf. Ab Turin nimmt die Dichte an Harleys, Choppern und Custombikes merklich zu, das Punta-Bagna-Treffen ist längst kein Insider mehr.

In St. Michel, am Fuße des Berges mit dem Abzweig nach Valloire angekommen, setzen wir uns erst mal in eine Kneipe. Bei einem Panaché und Café au Lait schauen wir uns an, wer und was so alles den Berg hochfährt. Es macht den Eindruck, dass Tausende unterwegs zum Treffen sind. Und dann schließen auch wir uns an und fahren die gefühlten einhundert Serpentinen hinauf ins kleine Städtchen Valloire. Oben ist es schon richtig voll, Motorräder überall – und doch ist hier alles extrem entspannt.


Wir beziehen unser Quartier und kaufen Bier und Frühstück im örtlichen Supermarkt. Abends geht’s auf die Main Street des Treffens. Das Bikeshow-Zelt ist gut gefüllt, einige echte Knaller sind unter den Kisten. Später gibt’s New-York-Hardcore mit Agnostic Front, weitere richtig gute Livebands das ganze Wochenende über – und das alles for free. Wir können uns nicht erinnern, wo es sowas sonst noch gibt. Am Samstag lassen wir es uns nicht nehmen und fahren den über 2600 Meter hohen Col du Galibier hinauf.

Leider wird die Freude des Aufstiegs etwas getrübt, unzählige Radsportler und deren Begleitfahrzeuge sind unterwegs, vermutlich trainieren alle schon für die Tour de France, der Col de Galibier ist in diesem Jahr einer der zu überquerenden Alpengipfel. Außerdem unterwegs – unzählige Wohnmobile und natürlich Motorräder aller Art, Ruhe gibt es hier nicht. Vermutlich hätten wir es wie die W&W-Crew machen sollen, die sind morgens um fünf auf den Gipfel gefahren, aber dafür sind wir leider doch zu faul. Immerhin, die Abfahrt ist wesentlich cooler und entspannter.

Sonntagmorgen ist der Kopf verkatert, unsere Ferienwohnung müssen wir trotzdem grundreinigen. Der Heimweg soll uns durch Frankreich und später über den Schwarzwald wieder nach Hause führen. Nach einer traumhaften Fahrt durch den Jura verabschiedet sich ein Kupplungszug, kann aber zum Glück mit mitgeführten Schraubnippeln und einem scharfen Seitenschneider repariert werden.

Überhaupt hatten wir ein recht ansehnliches Ersatzteilarsenal dabei: Belt-Drive-Riemen, Zündspule, Zündung, Batterie(n), Zündkabel, Pannenspray, Kettenschlösser und allerlei sonstiges Kleingedöns. Die beste Reparatur ist immer noch die, die man selbst erledigen kann – und ehrlich, keiner von uns fährt gerne mit dem ADAC nach Hause!


Die Reparaturen hielten sich in Grenzen, einen neuen Lampenhalter gab’s vom örtlichen Handwerker

An meiner eigenen Shovelhead gibt’s zum Abschluss noch ein abgerissenes Massekabel mit gleichzeitigem Durchbrennen der H4-Birne und dem damit verbundenen schlagartigen Aus auf der Autobahn. Auch dieses Problem kann mit unseren »Bordmitteln« einwandfrei gefixt werden. Bis auf »kein Sprit mehr, Moon-Eratztank hilf«, bleiben wir aber von weiteren Vorkommnissen verschont – nun ja, bis auf den Nagel im Hinterreifen, der einen kurzen Schreckmoment, aber keinen Luftverlust zur Folge hat.

Auch die Regenkombis können wir bis zum Schluss in den Packtaschen lassen, wir hatten schlicht eine Woche pures Sommerfahrfeeling erwischt. Ein rundum geiler Trip nach dem alten Swingermotto »nichts muss, alles kann« geht zu Ende. Wir wären sofort bereit, es wieder zu tun.

Info | www.customizers-east.de

Customizerkurt
Kustomizerkurt bei

Kurt Goller, Jahrgang 1965, schreibt als »Kustomizerkurt« für die CUSTOMBIKE. Der Zweiradmechanikermeister arbeitet im Hauptberuf bei SSCycle und steht auf alte Motorräder mit Charakter. So befindet sich eine 1977er Harley-Davidson Shovelhead FXE ebenso in seinem Besitz, wie eine 1991er EVO-Softail und eine 1994er Kawasaki ZR 550.