So, wie es derzeit ausschaut, wird es 2020 kein Dirtquake geben. Das englische Driftevent hatte in den letzten Jahren viele Fans gefunden, aber unterm Strich reichlich Miese gemacht. Deshalb zogen die Veranstalter nun die Reißleine und sagten das diesjährige Dirtquake-Event ab …

Traurig traurig, denn wir können dem Event einen verdammt hohen Spaßfaktor bescheinigen. Doch lest selbst, wie es auf unserem letzten Trip nach England war.

Hat wirklich jemand Bock auf 20 Stunden Autobahn, um ein paar Irre im Kreis fahren zu sehen. Klar, wir – also auf nach England zum Dirtquake. Typisch englischer Humor und untypisch englisches Wetter, die Voraussetzungen für einen Trip auf die Insel hätten nicht besser sein können. Wir hängen uns an den gelben Bus der Jungs von W&W aus Würzburg und gondeln Richtung King’s Lynn und die dortige Norfolk Arena. Immerhin hatte uns Thomas, alter Dirttracker und W&W-Rennexperte versprochen, dass wir ordentlich was zu sehen bekommen auf dem Dirtquake, dieser einzigartigen Rennveranstaltung für Freunde gepflegter Schmutzstrecken. Die Kollegen vom Sideburn Magazine hatten die Sause angezettelt und nur in England ist das Ding wirklich original, der amerikanische Ableger des Events kam erst letztes Jahr ins Spiel.


 

Dirtquake – ein schmutziges, aber massiv unterhaltsames Dirtbike-Event

Beim Dirtquake wird in vier Klassen gefahren: »Chopper«, »Street Tracker«, »Ladies« und – unsere liebste Kategorie – »ungeeignete Straßenmaschinen«. Markengebunden ist innerhalb der Klassen aber nichts mehr, von der BSA-Antiquität bis zur aufgeputschen Vespa fährt alles mit, was zwei Räder hat.

Auf dem Dirtquale nimmt man alles nicht so genau

Und weil unser Freund Thomas mit der alten Panhead, die schon auf der PanAmericana im knietiefen Schlamm gesteckt hatte, fahren wollte, erlaubten sich die W&W-Mannen, rechtzeitig noch eine weitere Rennklasse auszurufen, die »Harley Class«. Auf dem Dirtquake nimmt man alles nicht so genau, ihr merkt es schon. Und vor allem nehmen sich alle Beteiligten nicht wirklich ernst, oder wie sollen wir Programmpunkte wie Motorrad-Limbo, Moped-Seilziehen oder Kinder-Fahrradrennen sonst erklären. Ganz zu schweigen von den Comedy-Moderatoren oder den zahlreichen Verkleidungen, in denen hier die Strecke geentert wird.


 

Eine klassische Steilwandshow gehört zu englischen Events quasi zwingend dazu. Davor baut sich gerade die Harley-Klasse zum Start auf

Und dann gehts ab. Nach einer kurzen Parade aller Fahrer wird endlich Dreck gefressen, die Harleys dürfen als Erstes. So brettern mehrere Evo Sportster, eine aufgebohrte Flathead, drei Eisenkopf-Sportster und eine Starrrahmen-Shovelhead volle Pulle im Kreis, unter großem Jubel der bunt gemischten Zuschauerschar, für die diese hochverdichteten drei Stunden Lärm und Staub ganz klar beste Familienunterhaltung sind.

Auch gestandene TT-Fahrer am Start

Die anderen Klassen stehen dem Vergnügen, das die Harleyjungs verbreitet haben, dabei in nichts nach. Das Dirtquake ist einfach nur ein massiver Spaß, der sogar gestandene TT-Fahrer wie Guy Martin auf den Plan ruft. Der war mit einer bissigen Evo-Sportster mit dezent verlängerter Gabel angetreten und holt sich am Ende den Harley-Klassensieg.


Unerschrockener Dirttracker: Thomas Weigl von W&W

Ein paar Stürze gab es übrigens auch, alle gingen glimpflich aus – mal abgesehen von einem ausgekugelten Finger, einer gebrochenen Rippe und einem Schneidezahn, der beim sportlichen Handschuhausziehen im Handschuh blieb statt im Kiefer. Dazu mag die eine oder andere Bierstarre nach den Rennen gekommen sein.

Die Panhead steht normalerweise im W&W-Museum

Und Thomas? Der hat sich wacker geschlagen und erreicht einen fünften Platz – mit einer Maschine, die normalerweise im W&W-Museum zu Hause ist. Er überlegt schon, mit was er beim nächsten Mal an den Start gehen soll, »Hm, das dekorative Servicar macht den Eindruck, als wolle es mal dringend einen echt wilden Ritt erleben.«

Aber das ist ja jetzt alles leider Geschichte …

 

Info | dirtquake.com