»Fahrt mal nach Frankreich, da geht richtig was«, hatten sie gesagt. Wir wollten es natürlich genau wissen und stießen bei der zehnten Ausgabe des »Punta Bagna« auf ein Treffen, wie es lässiger kaum sein kann

Zugegeben, das kleine Örtchen Valloire in der französischen Region Auvergne-Rhône-Alpes ist in erster Linie wohl Skifahrern und Radsprintern ein Begriff. Stolz sind sie in der 1000-Seelen-Gemeinde vor allem, wenn die Tour de France hier Station macht, wie in diesem Sommer. Als wir Ende Juni im Dorf ankommen, hängt das Zielbanner schon groß über der Hauptstraße und die Läden sind vorbildlich tourgeschmückt. Und dann ist da noch dieses Dauerbollern von hunderten Harleys, Tag und Nacht, ab Donnerstag bis in den Sonntagabend hinein.

Es ist Punta-Wochenende in Valloire, sämtliche Hotels und Ferienwohnungen sowie der örtliche Campingplatz sind vollbesetzt mit Bikern. Wer kein Zimmer mehr gefunden hat, schläft direkt bei seinem Bike auf einer der vielen Wiesen rund ums Dorf, Ärger gibt es deswegen keinen. Ein Vorgeschmack darauf, wie entspannt es hier zugeht.


Choppers, Mountains, Rock ‘n’ Roll, Custombike Magazine

Angefangen hatte das Punta Bagna im gleichnamigen Ort in den Alpen als kleiner Run unter Freunden. Der Name ist geblieben, die Lokalität hat sich geändert. Manu, einer der Veranstalter, erklärt uns die Vorzüge von Valloire: »Das komplette Dorf ist hier involviert, der Bürgermeister und das Tourismusbüro stehen voll hinter dem Event, die Polizei macht keinen Ärger.«

Und so wird auch die komplette Fläche des Ortes fürs Treffen genutzt. Neben der »Main Street« mit ihren Ständen von Customizern und fliegenden Mopedhändlern, der großen Bühne, Bar und Essensbuden finden wir es klasse, dass die Mopeds hier überall parken dürfen. Direkt vor den Restaurants, zwischen Kirche und Käseladen, auf dem Marktplatz – jeder findet einen Platz für seine Karre.


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Die Biker kommen vor allem natürlich aus Frankreich und dem angrenzenden Italien, aber auch Deutsche, Belgier oder Osteuropäer sind da und finden es genauso geil wie wir. Wir treffen ein paar Jungs aus Dresden, 1400 Kilometer haben sie auf ihren Karren abgerockt, pennen neben ihren Bikes auf einer Verkehrsinsel, »was schon etwas von Freiheit hat«, freuen sie sich. Überhaupt sind alle Mopeds, in der Überzahl Oldschool-Harleys, auffällig vollgepackt, als sie hier ankommen. Biketransporter, Vans oder Trailer bilden die absolute Ausnahme.

»Es geht uns ums Fahren«, erklärt Manu, »auch bei den Bikes in der Show hier.« Es ist wohl ein Novum, dass nur an der ausgetragenen Bikeshow teilnehmen darf, wer den Run hoch auf den Col du Galibier mit seinem Motorrad schafft. Am Samstagmorgen sammeln sich etwa sechzig Motorräder, die dabei sein wollen, 2600 Meter geht es nach oben auf den Berg, auf engen Serpentinenstraßen. Um elf Uhr ist der Startschuss, ein paar Kisten sind direkt raus, wollen sich nicht ankicken lassen, saufen ab.


Der eigentlich sicher geglaubte Bikeshow-Sieger, der französische Designer und Bikebuilder Nicolas Chauvin, ist einer der Pechvögel, dessen brandneuer, unglaublicher Umbau den Dienst versagt – disqualifiziert. Dafür schlängeln sich andere den Berg nach oben, darunter extreme Langgabler, Starrrahmen, Vollcustoms und richtig alte Vorkriegskisten. Als sie wieder zurück sind, werden sie gebührend gefeiert, dürfen ihre Karren zum endgültigen Bikeshow-Voting ins große Zelt fahren.

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Tatsächlich ist die Qualität der Motorräder, sowohl in der Show als auch auf den Parkplätzen, extrem gut. Wir haben schon viele Events gesehen und stellen das Punta Bagna am Ende völlig überzeugt auf eine Stufe mit einer viel gehypten Born Free Show, eben mit dem großen Unterschied, dass die Karren hier in Frankreich fahren und nicht nur Showzwecken dienen, großen Respekt dafür!

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Am Abend holen wir uns eine Flasche Wein an der Bar und lauschen den Punkvibes von Agnostic Front, vor der Bühne gibt es Burnouts, auch gern mal während die Bands spielen. Wir vermissen Attitüde und Gehabe, die unsere Customwelt teilweise zeigt, überhaupt nicht und geben uns dem Laisser-faire der französischen Szene hin.

Drei Tage lang zeigt uns das Punta Bagna, wie schön und entspannt ein Treffen sein kann. Wir empfehlen einen Besuch des Events aus vollem Herzen, am besten verbunden mit einem Urlaub in den französischen Alpen mit ihren allerbesten Motorradstrecken. Dass wir sicher wiederkommen werden, wussten wir übrigens schon am Montagfrüh, als wir Valloire verlassen haben. Ein absolutes »Must-do« für jeden, dessen Herz für Custombikes und Chopper schlägt.


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Info | www.punta-bagna-valloire.com