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Motorradfahrer ist Keanu Reeves schon immer, aber wir wurde er zum Motorradproduzenten mit seiner eigenen Marke Arch? Der Schauspieler im Interview.

CB: Woher kommt deine Liebe zu Motorrädern?
Reeves: Diese Liebe ist tatsächlich einfach durch das pure Fahren entstanden. Ich liebe Motorräder wirklich und Motorradfahren ist eines der besten Dinge, die du tun kannst, um deinen Kopf frei zu bekommen. Meine Leidenschaft für Motorräder begann übrigens in Deutschland. Als ich Zweiundzwanzig war, drehte ich einen Film in München. Da war ein Mädchen, das heizte immer auf seiner Kawasaki rum und ich fragte, ob ich mal fahren dürfte. Als ich zurück in Los Angeles war, kaufte ich mein erstes Motorrad, klar, eine Kawasaki.

Keanu Reeves: »Fünf Jahre Entwicklungzeit an der Arch KRGT-1«

Wie ist die ARCH Motorcycle Company entstanden?
Ursprünglich wollte ich nur ein Motorrad umbauen lassen. Ich hatte eine Harley Dyna, die ich auch mochte. Aber ich hatte Lust auf einen größeren V-Twin und einen dickeren Hinterreifen. Eigentlich optisch wie bei einem Cruiser, aber trotzdem mit gutem Handling. Ich hatte keine Lust drauf, mein Bike mit Riesenaufwand in die Kurven zu drücken, wollte aber trotzdem auch längere Strecken gut zurücklegen können. Na ja, auf jeden Fall kam ich so zu Gard Hollinger, seinerzeit schon ein recht bekannter Customizer. Er baute mir die Dyna letztlich nach meinen Wünschen um, ich war begeistert. Dazu verstanden wir uns prima und so kam die Idee, einen eigenen »American Performance Cruiser« zu bauen, die Dyna war quasi der Prototyp dafür. Nach fünf Jahren Entwicklungs- und Bauzeit konnten wir unser erstes Modell, die KRGT-1, schließlich präsentieren.

Keanu hat eine große Garage mit vielen Bikes aller möglichen Stilrichtungen. So muss es sein

Das ist mittlerweile acht Jahre her, wie hat sich Arch seitdem entwickelt?
Wir haben mittlerweile drei Modelle in unserem Portfolio, wobei man uns natürlich nicht mit einem großen Hersteller vergleichen kann. Wir produzieren unsere Bikes nur auf Bestellung, unser Modell »Method  143« zum Beispiel ist auf dreiundzwanzig Exemplare limitiert. Wir sind also nichts anderes als eine klassische Handwerksmanufaktur, über zweihundert Teile an jedem unserer Bikes kommen aus unserer eigenen Produktion.

Wie müssen wir uns eure Entwicklungsarbeit vorstellen? Achtet ihr auf mehr Handling und Leistung oder Ästhetik?
Natürlich auf alles, wir wollen ja auf der einen Seite Gewicht sparen und Leistung optimieren, aber eben auch ein individuell designtes Motorrad anbieten. Allerdings ist unsere Werkstatt klein genug, um absolut flexibel zu sein und immer wieder verschiedene Designs auszuprobieren und anzupassen.

Kaputtmacher – Keanu Reeves ist der perfekte Testfahrer für Arch

Wer testet eure Teile, bevor sie für Kundenmotorräder eingesetzt werden?
Wir haben immer ein paar Bikes, die ausschließlich Testzwecken dienen, es müssen mittlerweile 100000 Meilen oder mehr sein, die wir schon zurückgelegt haben. Und viele davon gingen auf meine Kappe. Komischerweise bin ich gut darin, Dinge kaputt zu machen. Nicht absichtlich, aber eben oft. Wenn etwas nicht funktioniert, zum Beispiel die Elektrik in einem frühen Entwicklungsstatus, dann garantiert bei mir. Mein Partner Gard meint, dass ich deshalb der beste Testfahrer bin, den man haben kann.

Arch 1S mit Einarmschwinge. Den elend lange Radstand hat sie mit der KRGT-1 gemein. Das Heck glücklicherweise nicht

Eure Entscheidungen, was verbaut wird, basieren also letztlich auf dem, was funktioniert und nicht dem, was kommerziell am interessantesten ist?
Definitiv! Wir hatten einige Anfragen von Herstellern, die gern mit uns zusammen gearbeitet hätten, sicher auch wegen meinem Namen. Aber wir haben uns für das entschieden, was funktioniert und was das Beste für unsere Motorräder ist. Nehmen wir als Beispiel unsere Auspuffanlagen. Wir haben einiges probiert, aber der beste Auspuff für uns kam seinerzeit von Yoshimura aus Japan oder für die »Method 143« von SC Project aus Italien. Ähnlich war es bei den Reifen. Wir haben so viele ausprobiert, aber letztlich funktioniert Michelin für uns am besten – auch wenn andere Firmen uns Geld bezahlen wollten, damit wir ihre Reifen montieren.

Die Frage ist doch, was ist jemandem reines Handwerk wert?

Was macht die Arch-Bikes so teuer, immerhin liegt der Nettopreis eurer KRGT-1 bei 85.000 Dollar?
Viel Geld, das ist richtig. Aber die Frage ist doch, was ist jemandem reines Handwerk wert? Jedes Motorrad wird von uns auf Bestellung in einer Bauzeit von mehreren Monaten handgefertigt. Viele Teile dafür haben wir selbst über lange Zeit entwickelt, getestet und produziert. Die restlichen Parts kommen von namhaften Herstellern. Tatsächlich finde ich den Preis für unsere Motorräder absolut angemessen.

Das neueste Bike von Arch, die Method 143

Fährst du, neben deinen Arch-Bikes, auch andere Motorräder?
Ja, sicher. Ich habe schon unzählige Bikes besessen, vom Chopper bis zum Sportbike bin ich alles gefahren. Geblieben sind aber immer die Norton Commandos, von denen ich ein großer Fan bin. Meine liebste ist meine schwarze 1973er Commando 850 MKA2. Dazu besitze ich die grüne Ducati 998 aus meinem Film »Matrix Reloaded«. Und ich habe eine Kawasaki Ninja, mit der ich gerne auch mal auf der Rennstrecke fahre. Dazu kommen ein paar Suzukis, eine 750er BMW, eine 84er Shovelhead und mein Guzzi-Racer. Ja, doch, ich bin schon motorradverrückt.

Info | archmotorcycle.com

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.