Artikel speichern

0

Atemberaubende Landschaften, endlose Wildnis und traumhafte Offroad-Strecken sind Kriterien, die einen Trip mit dem Motorrad unbezahlbar erscheinen lassen. Die Mongolei beweist wider Erwarten das Gegenteil und schickt drei Jungs auf ein Abenteuer, an das sie sich noch lange erinnern werden.

Das Ziel steht fest, Pläne werden geschmiedet. Die erste Recherche zu Motorradvermietungen in der Mongolei ist zäh und demotivierend. Schnell stößt man bei der Suche im Internet auf horrende Preise von in Europa ansässigen Unternehmen, oftmals kann man die Bikes nur in Verbindung mit einem Guide mieten. Und das kam nicht nur aus finanziellen Gründen für uns auf keinen Fall in Frage. Das Mitreisen eines Veranstalters oder gar eines Servicemobils zerstörte unsere idyllische Vorstellung des Mongolei-Abenteuers nämlich mal direkt. Genauere Recherche führte uns dann auf eine ungenauere Fährte. 

Riecht nach Abenteuer – Mit dem Motorrad durch die Mongolei

Die Internetpräsenz der gefundenen Vermietung war nicht gerade vertrauenserweckend. »Cheke Tours« hieß das Ganze, kein Buchungsformular, keine besonderen Konditionen, keine Anzahlung, aber nur zwölf Euro am Tag für eine 150-ccm-Enduro der Marke »Shineray«, uns unbekannt, in der Mongolei allgegenwärtig. Das klang nach dem gesuchten Abenteuer, machen wir. Ein kurzer Mailkontakt mit der Vermieterin, eine formlose Bestätigung und der Mongolei-Trip wurde endgültig besiegelt.

Die Hälfte aller Mongolen lebt in der Hauptstadt Ulan-Bator, umgeben von hässlicher Industrie und hohen Schornsteinen

Fehlte nur noch ein passender Flug und die Zusammenstellung des Equipments. Tatsächlich stellte die Flugbuchung eine kleine Herausforderung dar. Die Mongolei ist kein Land, dass vom Tourismus überrollt wird, auch nicht im Sommer. Immerhin, am Ende flogen wir für 700 Euro von Frankfurt auf direktem Weg nach Ulan-Bator, die mongolische Hauptstadt. Die Frage des Equipments nahm uns zum größten Teil die Tatsache ab, dass alles, was wir mitnehmen wollten ja auch auf das Motorrad gepackt werden musste.

Nur Grönland hat noch weniger Einwohner pro Fläche

Außerdem hilft beim Packen eine genaue Recherche über die Mongolei. Das Land ist knapp viereinhalb mal so groß wie Deutschland, aber es leben nur drei Millionen Menschen dort. Das macht die Mongolei zu einem Land mit extrem geringer Bevölkerungsdichte – nur Grönland hat noch weniger Einwohner pro Fläche. Und es bedeutet, dass man in diesem Land weitestgehend auf sich allein gestellt ist und im Notfall für sich selbst sorgen muss.

Die Motorradvermietung besteht aus ein paar Jurten

Außerdem gehört die Mongolei zu den ariden Gebieten dieser Erde, hier gibt es mehr Verdunstung als Niederschlag. Trotz der Trockenheit und der zunehmenden Versteppung ist das Wetter sehr extrem. So kann es sein, dass tagsüber bei 35 Grad und gnadenlosem Sonnenschein geschwitzt wird, während man sich gegen Abend einen sicheren, windgeschützten Schlafplatz suchen sollte, da Gewitter sehr örtlich und intensiv auftreten. Und nicht selten muss der Motorradhelm des Tages gegen eine abendliche Wollmütze getauscht werden, Lagerfeuer sind ebenfalls ratsam.

Mongolei mit dem Motorrad – Gute Planung muss sein!

Die Tatsache, dass die Mongolei aufgrund des langen und vor allem harten Winters nur von Mai bis September als Urlaubsziel attraktiv ist, sorgt außerdem dafür, dass es kaum eine Tourismus-Infrastruktur gibt, geschweige denn Campingplätze oder sonstige Unterkünfte außerhalb der wenigen Städte. So landet in unserem Reisegepäck – Motorradtaschen und Drybags – Folgendes: Zelt, Schlafsack, Werkzeug, Kanister, Regenkombi und ein komplettes Kochgeschirr, weil wir kaum einen hochkulinarischen Urlaub erwarten. Und dann geht es los.

Und dann fährt man raus aus der Stadt und findet sich im weiten Nichts wieder, auf sich allein gestellt

Bepackt mit Motorradtaschen und bekleidet mit Motorradschuhen und -jacken stehen wir am Frankfurter Flughafen. Wir kommen uns vor wie Außerirdische, der Flughafen die Basis, die Mongolei der ferne Planet. Das Terminal für unser Ziel befindet sich am anderen Ende, das Gate in der letzten Ecke, der Wartebereich ist nicht mal zu fünfzig Prozent besetzt. Touristen? Fehlanzeige, inklusive uns sind wir nur eine Handvoll Europäer am Gate. 

Die Hälfte der gesamten Bevölkerung wohnt in Ulan-Bator

Gelandet – die Infrastruktur des Chinggis Khaan International Airport ist nur halb so imposant wie dessen Name. Große Flugzeuge auf kleine Landebahn in einer viel zu groß geratenen Hauptstadt. Ungefähr die Hälfte der gesamten Bevölkerung der Mongolei wohnt hier in Ulan-Bator, zwischen Wüstensand und Feinstaub. Die Idylle der wilden Natur lässt sich nur schwer hinter den hohen und ungeschönten Schornsteinen der dominierenden Industrie vermuten.

Flussdurchquerungen werden ebenso zum Standard …

Die Hektik einer asiatischen Großstadt bleibt jedoch aus, ebenso die große Spanne der sozialen Schere einer Metropole dieser Größe, alles eher einfach und miteinander anstatt komplex und kontrovers. Die Sonne verschwindet hinter dem hügeligen Horizont und die ersten Eindrücke und Erfahrungen weichen einer ersten Nacht auf fernem Kontinent. Der Morgen und der erste Tag auf zwei Rädern stehen uns bevor. 

Die Geschäftigkeit einer Großstadt lässt auf sich warten

Der Morgen startet ruhig und langsam in Ulan-Bator, die Geschäftigkeit einer Großstadt lässt hier bis in den späten Vormittag auf sich warten. Die Motorradvermietung erreichen wir via Taxi, ein Steinwurf von der Innenstadt entfernt. Ein paar Hochseecontainer stehen hier, umgeben von einigen Jurten. Ein provisorisch angebrachter Werbebanner signalisiert, dass wir richtig sind bei »Cheke Tours Rental«. Das Erscheinungsbild vor Ort ist ehrlich und gibt die Eindrücke der Internetpräsentation unverfälscht wieder, der Empfang herzlich, aber bodenständig.

… wie die brennende Sonne und das Übernachten in freier Natur

Die Motorräder auf dem Hof passen dazu. Das Angebot, die Bikes zunächst auf Herz und Nieren zu überprüfen nehmen wir an, nachdem wir den Mechaniker beobachtet haben, wie er das Ventilspiel mit seinem Fingernagel eingestellt hat. Der Mietvertrag ist ebenso simpel wie direkt. Ein einseitiges Dokument weist neben den üblichen Daten darauf hin, dass jeglicher Schaden oder jede Panne selbst behoben werden muss – einen Onroad Service gibt es hierzulande nicht, ADAC-Mitglieder dürfen sich da schon mal wieder auf Zuhause freuen. Die Miete zahlen wir auf Wunsch in Euro und im Voraus. Der Reisepass bleibt als Kaution zwischen Yakfell und Motorradhelmen in der Jurte. Und dann sind die Motorräder bepackt und die Verträge unterschrieben, das Abenteuer kann beginnen. 

Raus aus dem chaotischen Habitat der sesshaft gewordenen Nomaden

Geplant haben wir eine Rundtour in Richtung Khuvsgol See nahe der russischen Grenze im Norden der Mongolei, Infos dazu gab es auf der Seite von Cheke Tours. Zündschlüssel drehen, Kickstarter treten, die 150-Kubik-Nomadenenduros gehen mit Fallenlassen des Fußes auf den Kickstarter an. Die erste Devise lautet, erst mal raus aus dem urbanen, chaotischen Habitat der sesshaft gewordenen Nomaden. Wir folgen den ruß-bläulichen Abgaswolken, die die Lkws hinter sich herziehen, raus aus der Stadt.

Als die Ölablassschraube sich verabschiedet, ist Improvisation gefragt. Der kleine Laden kann kaum helfen, die Hilfsbereitschaft der Menschen brennt sich trotzdem ins Gedächtnis

Es scheint ewig zu dauern, bis wir Hinter einem Hügel, über den eine der letzten asphaltierten Straßen verläuft, endlich die Mongolei sehen, die wir erwartet hatten. Samtgrüne, flache Anhebungen so weit das Auge reicht, und ebenfalls die ersten Schotter- und Geröllpisten. Vorbei an ausgetrockneten Seen, hindurch durch dichtbewachsene Birkenwälder erreichen wir unseren ersten Schlafplatz in der Wildnis bei Jargalant.

Atemberaubende Aussicht bei Lagerfeuer und Lagerbier

Unweit eines Nomadenstamms im Tal schlagen wir unseren Schlafplatz auf einem Hügel auf, atemberaubende Aussicht genießen wir bei Lagerfeuer und Lagerbier. Die Idylle hält jedoch nicht lange an – ein Gewitter zieht auf, ungeschützt fegt der Wind um das Zelt, Blitze donnern in die Umgebung. Schnell wird uns klar, dass dies erste und letzte Mal war, dass wir unser Zelt auf einem ungeschützten Hügel aufgestellt haben. Nachdem sich das Gewitter gelegt hat, legen auch wir uns ab und schlafen in völliger Stille ein.

Letzte Rettung: Ein Brunnen mitten im Nirgendwo bringt das dringend benötigte Wasser

Erholt starten wir in den nächsten Tag, mittlerweile sind wir nicht mehr allein. Ein Nomade und sein Nachwuchs sind zu Besuch, setzen sich grinsend und stillschweigend neben uns, sie scheinen sehr amüsiert über unser Aussehen und Equipment zu sein. Es wird übrigens nicht der einzige Besuch dieser Art bleiben. Die Mongolen sind äußert herzlich und gastfreundlich, allerdings stellt sich die Kommunikation als außerordentlich schwierig heraus. Zeichen und irrwitzige Gestikulation ersetzen aufklärende Gespräche. 

Besser nicht ohne GPS mit dem Motorrad durch die Mongolei

Es geht weiter gen Norden, die Landschaft wechselt binnen einem Tag und mit jeder Anhebung, die wir überqueren: Steppe, Wald, Wüste, Sumpf, Steppe. Eines ist jedoch allem gemeinsam: Freiheit, so weit das Auge reicht! Die Wege können wir mittlerweile nur noch vermuten, ohne GPS wären wir aufgeschmissen. Die Navigation vollbringen wir im Seefahrerstil – GPS-Richtung mit der Karte koordinieren, Objekt am Horizont anpeilen und dann quer durch, immer der Nase nach. Die Sonne steht am Zenit, Schatten Fehlanzeige.

Auch heute noch haben Jurten in der Mongolei eine große Bedeutung; nicht nur die Nomaden, sondern auch Teile der städtischen Bevölkerung leben für einen Teil des Jahres darin

Flussüberquerungen sind wahrer Spaß und Segen zugleich. Auch unser Lager schlagen wir an diesem Abend an einem Fluss, nahe der Siedlung Lun, auf. Ein atemberaubender Sonnenuntergang am Lagerfeuer leitet eine sternenklare, ruhige Nacht ein. Am nächsten Morgen werden wir vom Galoppieren einer Pferdeherde geweckt, ein Nomade treibt diese unweit an unserem Zelt vorbei. Er selbst sitzt auf einem Motorrad und navigiert die Tiere durch den Fluss. Am anderen Ufer angelangt stoppt er, zieht seine Stiefel aus, kippt literweise das Wasser heraus und fährt weiter, nachdem er uns noch freundlich winkt. Nach einem Kaffee starten auch wir in den Tag.

Kein Verkehr, keine falsche Richtung, nur unendlich viele Möglichkeiten

»Der Weg ist das Ziel«, erstmals erleben wir tatsächlich, was diese Redewendung bedeutet – querfeldein, ein Offroad-Paradies, kein Verkehr, keine falsche Richtung, nur unendlich viele Möglichkeiten. Über unzählige Hügel hinweg, die Freiheit im Blick und im Rückspiegel unsere Staubwolken. Vorbei an Tierherden, von Hunden verfolgt, die Ihr Territorium verteidigen und unsere Fahrkenntnisse fordern, gelangen wir immer tiefer in die Wildnis der menschenleeren Mongolei. Diese Idylle hält mehrere Tage an, bis es dann passiert: Die erste Panne haben wir unweit unseres letzten Tankstop.

Momente wie diesen werden die drei Abenteurer sicherlich nicht vergessen

Der Tank ist voll, die Ölwanne leer, Rauch steigt aus dem Getriebeblock. Sofort halten wir an und wundern uns über das verflüchtigte Öl trotz täglicher Kontrolle. Ein Blick unter das Motorrad klärt uns jedoch über das Malheur auf, das wir nie vermutet hätten. Am Motorrad hat sich tatsächlich die Ölablassschraube verabschiedet. Allerdings dreht der Motor noch und weist Kompression auf. Eine Ersatz-Ablassschraube, geschweige denn eine Schraube in dieser Größe haben wir jedoch nicht dabei. Weil es eine Tatsache ist, dass wir hier keine Hilfe finden, konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: Reparatur, egal wie!

Improvisation ist gefragt – Ölablassschraube aus Holz

Nach Brainstorming und Ausfindigmachen verschiedener in Frage kommenden Utensilien finden wir tatsächlich eine Lösung. Wir drehen ein geschnitztes Holzstück umwickelt von hitzebeständigem Kunststoffband in die Ablassöffnung, einen weiteren Keil klemmen wir zwischen Rahmenrohre und Motorblock, um das Herausfallen zu verhindern. Nach einem plötzlichen, massiven Hagelschauer, der uns zwingt unsere Helme aufzusetzen, füllen wir Öl nach und stellen fest, dass wir weiterfahren können. 

Das allabendliche Lagerfeuer gehört zum angenehmen Pflichtprogramm

Regen und Hagel haben aus den staubigen Wegen eine reine Schlammschlacht mit rutschigem Untergrund und tiefen Pfützen gemacht, untermalt von einem Regenbogen über den Horizont gelangen wir nach ein paar Stürzen in die nächste Siedlung. Es ist spät abends und wir stehen vor verschlossenen Türen, als wir uns nach Ersatzteilen erkundigen. Allerdings sind Öffnungszeiten in der Mongolei keine feste Tatsache.

Tolle Erfahrungen mit sehr netten hilfsbereiten Menschen

Schnell spricht sich unser Anliegen herum und zehn Minuten später öffnet uns der Eigentümer des Ladens die Türen zu dem gut sortierten Ersatzteilhandel – eine weitere tolle Erfahrung mit sehr netten hilfsbereiten Menschen, die Ölablassschraube ist nun nebensächlich geworden, macht nichts, denn die gibt es beim Händler sowieso nicht. Wir bauen unser Zelt in einem Nadelwald an einem eiskalten Bach auf, das sibirisch angehauchte Landschaftsbild deutet daraufhin, dass wir uns mittlerweile schon sehr weit oben im Norden befinden. Es nieselt, das Feuer geht aus, wir kriechen früh in unsere warmen Schlafsäcke. 

Tankstellen sind rar. Wenn man eine findet, heißt es volltanken und Kanister füllen

Auf dem Weg zu unserem Ziel im Norden, dem Khuvsgol See, durchqueren wir weiterhin eine Vielzahl von Flüssen, der Charme der Wildnis nimmt stetig zu, Steinadler begleiten uns am blauen Himmel und werfen Schatten über uns, Herden kreuzen unsere Wege. Bei Pausenstopps hören wir nichts bis auf den Ton, den der Wind der Landschaft gibt. Wir haben schon seit Tagen keine Menschen mehr gesehen, die verblassenden Fahrbahnspuren belegen das. Wir orientieren uns mittlerweile nach Himmelsrichtung und via unserem entdeckten Landstreicher-GPS: Immer den Telegrafenmasten nach.

Zeit für einen amtlichen Platten

Die Tanknadel neigt sich, der Hunger steigt, ungefähr noch zwei Stunden sind es zu unserem Ziel. Mehr als Zeit für einen amtlichen Platten. Eine Reifenpanne ist eigentlich nichts Großes, zumal wir genügend Werkzeug dabei und Ersatzschläuche von der Vermietung mitbekommen haben. Leider müssen wir feststellen, dass die allerdings nicht die richtigen sind, wieder heißt es improvisieren – ohne den richtigen Ersatzschlauch und ohne Flickzeug. Unsere Lösung besteht aus Hylomar und Panzertape, das sollte bis zum See reichen.

Sowas nennt man wohl endlose Weiten. Die meisten Straßen kennen Asphalt nur vom Hörensagen …

Wir fahren in die Abenddämmerung hinein. Steile Anstiege, die nur mit Anlauf und Druck auf der Hinterachse zu bezwingen sind, stellen unsere letzte Etappe dar. Einer von uns bleibt plötzlich stehen, wie versteinert. Motor aus, nein, es ist keine weitere Panne, sondern ein Wolf. Unweit von uns entfernt am Waldrand sehen wir ihn und er uns. Unmöglich ihn auf die Linse zu bekommen, macht er sich auf die Flucht über die grüne Wiese zurück in den Wald. Der Tag scheint perfekt zu sein, das ist er auch. Wir haben den See im Blick, im Sonnenuntergang überqueren wir das enorme Flussdelta und gelangen nach vielen Tagen das erste Mal wieder auf asphaltiertenm Boden. Wir haben unser Ziel erreicht und übernachten in einer Jurte mit Holzofen direkt am See. 

Mit dem Motorrad durch die grandiose Natur der Mongolei

Die Schönheit des nächsten Morgens, nach einer kalten Nacht im Norden der Mongolei, überspielt die Tatsache, dass wir uns nun wieder aufmachen nach Ulan-Bator. Wir packen unsere treuen Benzinponys und fahren in Richtung Süden durch die etwas größere Stadt Mörön, um dort unseren Proviant aufzufüllen. Schnell sind die asphaltierten Straßen wieder vergessen und das weite Land hat uns wieder. Mächtige Naturschauspiele begleiten uns und zeichnen sich wie Gemälde an den Horizont.

Tagsüber brennt der Planet. Die schwer beladenen Möppchen spenden etwas Schatten beim Rauchen

Endlos erscheinende Sumpflandschaften stellen unser Fahrkönnen wieder einmal in Frage – nicht enden wollende Buckelpisten überprüfen unsere Fahrwerke und unzähliges Steckenbleiben im Moor unsere Geduld. Nach einigen angsteinflößenden Fahrten über seichte Moorgebiete, deren grasbewachsene Oberfläche an ein Wasserbett erinnert, erreichen wir unseren Schlafplatz unter ewig alt erscheinenden Tannen. Das bereits schon Pflicht gewordene Lagerfeuer schenkt uns neben der Mahlzeit ausreichend Wärme unter einem atemberaubenden, von Sternschnuppen übersähten Firmament. 

Keine Nomadensiedlung oder Jurte weit und breit

Nach einer Bilderbuchnacht machen wir uns auf in Richtung Süden und immer weniger Nomaden kreuzen unsere Wege. Die Sonne brennt den ganzen Tag über unbarmherzig auf uns herunter, der Tank ist voll, aber unsere Wasserreserven werden knapp. Keine Nomadensiedlung oder Jurte weit und breit. Mitten in der Landschaft bemerken wir kleine Aufbauten, die in der verlassenen Umgebung keinen Sinn ergeben. Unser Neugier leitet uns zu einem dieser zunächst mysteriösen Gemäuer und klärt uns über ihre Funktion auf – Grundwasserbrunnen!

Fast geschafft: Jochen, Adrian und Axel vor den Mauern des Klosters »Erdene-Zuu«. Am Ende ihrer Reise bleiben Stolz und Erstaunen über das Erlebte

Ein Seil, an dessen Ende ein aufgeschnittener Kanister befestigt ist, gibt uns das Wasser, das unsere Körper unbedingt verlangen. Vom Tag geprägt schlagen wir unser Camp nahe einem Fluss auf, kochen auf dem Lagerfeuer unser Abendessen, trinken die im Gegensatz zum Wasser vorhandenen eineinhalb Literflaschen Bier und gehen früh schlafen. Der Sonnenaufgang weckt uns und unsere Motorräder bringen uns in zivilisiertere Gegend und zu einer Kultur, die – dem Kommunismus geschuldet – rar gesät ist.

Einblick in die kulturelle Geschichte und Religion der Mongolei

Wir besuchen das größte, älteste und zumindest teilweise vom Kommunismus verschonte Kloster »Erdene-Zuu«. Imposante Architektur und ehrfurchtsgebietende Klostermauern geben uns einen Einblick in die kulturelle Geschichte und Religion der Mongolei. Das eher unspektakuläre, aber nicht uninteressante, nahe gelegene »Mongolian-Monument« erinnert an das mongolische Reich unter dem bekannten Herrscher Dschingis Khan, das bis in die Türkei reichte und größer als das römische Reich war. 

Und dann geht es zurück in die Zivilisation – mit schweren Herzen und vielen Eindrücken

Der letzte Tag in den Weiten der Mongolei bricht an und wir lassen uns die Trauer darüber nicht anmerken. Auf dem Weg in die Hauptstadt fahren wir vorbei an ausgetrockneten Salzseen, die uns das Gepäck abschnallen lassen, um unsere Fahrkünste auszuprobieren. Flache, freie Flächen bescheren uns einen wunderschönen Abschluss unseres Motorradabenteuers. Auf der letzten Etappe werden wir nochmals von einem starken Sandsturm auf die Probe gestellt und erreichen abends die Stadtgrenze, an der wir auf einem Hügel die letzte Nacht am Lagerfeuer mit einem tollen Ausblick einleiten, um am nächsten Morgen die Motorräder zurückzubringen. 

Wir satteln unsere Pferde ab und laufen grinsend Richtung Taxi

Schweren Herzens biegen wir in das Viertel aus Hochseecontainern und Jurten ein und fahren die letzten Meter in den Hof der Vermietung. Ein unbeobachteter Klopfer auf den Tank mit der flachen Hand beim Absteigen signalisiert, welch emotionale Bindung zu unseren Motorrädern aufgekommen ist. Wir sind erstaunt und stolz darüber, was für eine tolle Zeit wir auf und mit den Krädern hatten und manövrieren sie in den Hof von Cheke Tours. Wir satteln unsere Pferde ab, legen unser Gepäck über die Schultern und laufen grinsend Richtung Taxi, das uns zum Hotel bringt. Am nächsten Morgen geht unser Flieger Richtung Deutschland. 

 

Adrian Gloss