Typisch deutscher Dragstyle, V2, nix Neues, gähn! »Halt!«, flüstert das Umbau-Orakel, »schaut genau hin«. Suzuki TL 1000, mit Turbolader … broaaaaarrrrrr
Ein winzig kleines Bildchen im Mail-Posteingang unserer Redaktion, ein kurzer Blick drauf und ein schnelles Abwinken: »Püh, wieder mal ein Walz-Bike, kein Interesse.« Dann die Augen feste zusammenkneifen, nochmal genau hinschauen und das Rätselraten beginnt. »Was zum Teufel ist das für ein Motor?«
Schnelle Einigkeit: Eine Suzuki TL 1000 ist die Basis
Nach ein paar Minuten sind sich alle zusammengetrommelten Experten einig, Suzuki TL 1000, eigentlich ein zweifelsfreier Supersportler. Wir können uns nur an wenige Umbauten auf dieser Basis erinnern, und schon gar nicht an einen solch lupenreinen Dragstyler. Wo verdammt kam diese Mail nochmal her, aus Schweden?

Der Absender weist einen Peter Ojanperä als Verursacher aus, niemand kennt den Mann. Einige Recherchen später wissen wir mehr und können euch den Mann vorstellen, mitsamt seinem Turboracer selbstredend.
Wieso denn dieser Motor?
Im westlichen Schweden, nah an der Grenze zu Norwegen, lebt Peter, der gelernte Maschinenbauer mit dem Hang zu sportlichen Moppeds. Nicht ohne Erfolg fährt er in früheren Jahren Motocross-Rennen, bis ein schwerer Unfall ihn aus der Bahn wirft und die Sportlerkarriere beendet. Den Bikes bleibt er treu und nennt viele verschiedene Motorräder sein Eigen, und immer sind sie sportlicher Natur.

Irgendwann entsteht der Wunsch nach einem eigenen Custombike – eins, das ein bisschen „heißer als diese alten Milwaukee-Kisten ist“, grinst Peter. Ein V-Motor soll es fürs erste Mal trotzdem unbedingt sein, allein wegen des Sounds. »Eine 950er KTM wäre ideal gewesen, aber für mich zu teuer. Ducatis sind auch cool, aber haben keinen V-Twin.«
Wartungsarm, Kraftvoll und Solide
Und so entscheidet sich Peter nach einigem Überlegen für den wassergekühlten Vau der TL 1000 S. Der Japaner ist wartungsarm, kraftvoll und solide – eine Entscheidung der Vernunft. Was für Suzuki seinerzeit im Super-GAU endete – die TL wurde von Suzuki nur wenige Jahre lang produziert und verkaufte sich nach diversen Rückrufaktionen schlecht – ist für unseren Schweden ein Glücksfall.

Bei ebay kauft er den Motor, »das hat mir sicher 4000 Euro gegenüber einem Kauf in Schweden direkt gespart«, ist sich Peter sicher. Auch alle anderen Umbauteile, abgesehen von den selbst gebauten, wird er in den nächsten Monaten im Internet ersteigern, aus aller Herren Länder treffen die Parts nach und nach in Schweden ein. Der Kostenrahmen bleibt dadurch überschaubar, denn Peter hat keinen festen Job, hält sich als Autolackierer über Wasser.
Alles nach links?
Doch schon bei den ersten Schritten am eigenen Umbau driften Wunsch und Realität ein bisschen auseinander. »Ich hätte gerne alles auf der linken Seite verbaut … also Antriebsriemen, Auspuff und Bremsen, alles eben«, erzählt er. Den Wunsch begräbt er schnell – der Dragstyler wäre zu linkslastig geworden, in Kombination mit dem fetten 330er im Heck ein unkontrollierbares Gefährt. »Naja, deshalb ist der selfmade Auspuff rechts, passt ja auch.«
Selfmade-Rahmen im Walz-Look
Den passenden Rahmen für sein flaches Eisen baut Ojanperä komplett selbst, mit 38 Grad Rake und nicht ohne dabei auf ein Vorbild aus Deutschland zu schielen: »Ich mag den alten Hardcore-Style von Marcus Walz. Ich konnte ihn mal auf einer Show in Schweden treffen und mit ihm reden, ein netter Typ. Und es ist ja schon lustig, wie oft ich drauf angesprochen werde, ob mein Bike von ihm ist. Nö, ist alles von mir«, Peter ist sichtlich stolz.

Kann er auch, zumal er die kompletten Metallarbeiten an der »Starholk« selbst erledigt, auf denkbar einfache Weise, ohne Maschinen und Zipp und Zapp. Pures Metall, Stück für Stück mit dem Hammer bearbeitet, auf Holzstücken, die als simpler Amboss dienen. Das Ganze in seinem Wohnzimmer, stundenlang.

Nur wenn er mit einem Teil wirklich zufrieden ist, findet es den Weg ans Mopped. So baut Peter allein den Bugspoiler fünfmal neu, bis er passt – Sisyphos hätte seine wahre Freude an dem Kerl gehabt. Und erst an der Präzision des Hobbyschraubers. Der Rahmen hat rundum den exakt gleichen Abstand zum Motor, der übrigens als letztes Teil ins Chassis montiert wird.
Die cleane Suzuki TL 1000
Da ist das Verbauen anderer Teile schon fast Genuss, zumal sich das meiste davon auf einen Hersteller vereint. Räder, Bremsen, Gabel, Fußrasten und einige weitere Parts stammen allesamt von Yamahas R1. »Es macht das Ganze einfacher, wenn ich mal Ersatzteile brauche oder irgendwas anderes ist, noch dazu ist es natürlich auch günstiger, alles aus einem Topf zu nehmen«, erklärt uns Peter, der auf aufwändiges Finish für den Dragstyler verzichtet hat.

»Wisst ihr, Airbrush und Chrom, das ist mir zu viel Altherren-Custom. Ich brauch’s ganz clean.« Dann doch lieber ein i-Tüpfelchen der besonderen Art – in der zweiten Umbauphase genehmigt sich der Schwede einen Turbolader, gekauft bei Ebay, verbaut fürs ganz große Angasen.



















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