Für manche ist das Fahren Nebensache. Wenn sie nichts zu schrauben haben, werden sie unglücklich. Die Geschichte einer Suzuki M 1800 R.
Im Prinzip war das Bike fertig umgebaut, und Bernd konnte lässig Kilometer abreißen. Kaum verständlich für den Otto-Normal-Biker, dass das Moppet stattdessen wieder auf die Bühne kam und sich neuen Modifikationen unterziehen musste. Aber es scheint bei Bernd eine Sucht zu sein, an seiner Suzuki M 1800 R ständig irgendwas zu modifizieren oder es sogar wieder komplett umzubauen.
Suzuki M 1800 in Weiß
Um die Änderung für ungeübte Augen sichtbar zu machen, musste auf jeden Fall die Lackierung erneuert werden. Ansonsten hätten wohl die meisten gefragt: »Was hast du denn gemacht, die Karre ist ja immer noch schwarz?« Somit stand das krasse Gegenteil auf dem Plan, nämlich die Grundfarbe Weiß.

In diesem Zusammenhang konnten auch die störenden Falznähte am Tank eliminiert werden. Wegschneiden, neu verschweißen und dann neu beschichten wäre enorm aufwendig gewesen. Deshalb wurde der saubere Übergang vom Lackierer mit Aluspachtel hergestellt.
300er im Heck, die Neunziger lassen grüßen
Durch die Umkolorierung diverser Verkleidungsteile wurden optisch die Relationen neu gesetzt. Natürlich trägt an diesem Effekt auch die komplette Heckänderung ihren gravierenden Anteil. Auf jeden Fall ist sie hauptverantwortlich für die Harmonisierung der Proportionen.

Durch den voluminösen Vorbau schreit das Heck förmlich nach einem Megaschluffen. Obwohl ja schon ein 280er drin steckte, sollte es doch ein wenig mehr sein, und so wurde beschlossen, einen 300er zu verbauen. Zur Realisierung dieser Vorgabe musste entweder ein ganz neues Rad her oder das vorhandene verbreitert werden.
Aufgeblasene Felgen
Die Entscheidung fiel zugunsten der Suzuki-Felge, da Bernd das Design an sich gefällt. Für die geplante Verbreiterung mussten zunächst die die alten Schüsseln abgedreht werden. Dabei wurde darauf geachtet, dass die Maße in der Schwinge im fertigen Zustand inklusive Reifen gehalten werden konnten.

Bei den neuen Felgenschüsseln wählte Bernd welche mit glattem abgerundetem Rand. Damit es vorn auch optisch wieder passt, wurde auch diese Felge um ein Zoll auf 4,5“ aufgeblasen. Außerdem entfernte er von den Radsternen alle aufgebrachten Bezeichnungen.
Aufwendige Bremsanlage
Die Idee für die Perimeterbremse war zu dieser Zeit schon geboren. Laut der eigenen Vorgaben sollten die Bremszange sechskolbig und gut versteckt sein. Alles Überflüssige am Bremssattel wurde weggeschnitten, damit dieser sich hinter Schwinge und Kardan verstecken konnte.

Die sechs Halterungen für die Braking Wave-Scheibe erodierten sie, also schnitten sie mit einem stromaufgeladenem Draht aus. Nach diesem Arbeitsgang folgte die Herstellung der Befestigungen in der Felge. Die Löcher wurden auf der CNC-Fräse gleichzeitig mit denen in die Felge gebohrt, anschließend schnitt die Maschine gleich die entsprechenden Gewinde.
Hammer und Flex
Nach Fertigstellung der hinteren Radeinheit mussten noch Fender und Sitz hergestellt werden. Zugunsten starker Beschleunigungen wurde der Rahmen hinter dem Tank abgesenkt, so dass der Fahrer eine Rückenstütze erhält. Der letzte eigene Akt war dann die Herstellung des Fenders nach alter Väter Sitte aus Blech mit Hammer und Flex.

Außer Haus folgte schließlich noch die neue Farbgebung mit dem Airbrush. Und jetzt ist das Bike fertig … und Bernd hat nichts mehr zu schrauben. Gegen eine entsprechende Honorierung würde er sich deshalb von diesem Custombike trennen, denn es kribbelt ihm schon wieder in den Fingern.
















