Was aus Suzukis erster Intruder alles werden kann, offenbart dieser Stealthfighter. Dahinter steckt ein Kämpferherz, das niemals aufgibt
Die Zukunft begann in der Vergangenheit. Als Flash Gordon den Weltraum eroberte, trieben ihn nur Pinselstriche und Hollywood-Feuerwerk an. Juri Gagarin war dann schon ein Fliegerheld aus Fleisch und Blut, den die Sowjetunion an der Spitze einer umgebauten Interkontinentalrakete in die Schwerelosigkeit schoss.
Held für die Ewigkeit
Und Neil Armstrong wurde mit einem dreistufigen Monstrum von der Höhe der ägyptischen Pyramiden zum Mann im Mond. Helden für die Ewigkeit, die auch in ferner Zukunft nie altbacken, sondern jung und mutig wirken werden. Und sieht diese Maschine aus, als wäre ihr Konzept über 30 Jahre alt?

Was hätte aus der seligen Intruder, dem ersten wahren Eindringling ins US-Imperium, nicht noch alles werden können. Doch die Sorge ums Weltklima ließ ihren luft-/ölgekühlten Vergaser-Motor viel zu früh sterben, weil solche Technik angeblich nicht zukunftstauglich ist. Dabei jagt inzwischen BMW mit der HP2 Sport über 130 Pferde aus weniger luftgekühltem Verbrennungsraum, und KTM beatmet in seiner 950er Enduro deren 98 durch Vergaser.
Kein altes Eisen, diese Intruder
Da sollten doch die 60 Tiere aus der 1400er auch nicht zwangsläufig als Umweltschweine geboren werden. Die alte Trude könnte noch immer ein Preisbrecher gegen XVS 1300 und Konsorten sein. Dass ihr luftiger V-Twin trotz der späteren, wässrigen M 1800 keineswegs zum alten Eisen gehört, beweist die C 1500.

Leider orientierte sich deren Design am Barock von US-Wohnzimmersofas, statt Harleys V-Rod Paroli zu bieten. Wie selbst die noch zum Starfighter mutieren kann, zeigten die No Limit Customs von Holger Schnell. Und genau deren Linie hatte es Tomy angetan, als er seinen Stealth-Jäger ersann.
Ein Unfall als Antrieb
Dass seine Suzuki Intruder einen solchen Neustart aufgrund dramatischer Umstände erfahren würde, war allerdings nicht zu ahnen: Auf einem Rastplatz überfuhr ein Lastwagen beim Ausparken den neben ihm stehenden Tomy samt Motorrad, zerquetschte ihm linken Unterschenkel und Fuß. Die eigentlich unvermeidliche Amputation konnte nur mit großen Mühen verhindert werden, und dass er heute wieder schalten kann, grenzt an ein medizinisches Wunder. Eine Schaltwippe ermöglicht nun den Gangwechsel stets von oben nach unten.

Denn Motorradfahren wollte Tomy wieder, da gab’s nie Zweifel. Während er monatelang in der Klinik lag, halfen die befreundeten Biker seiner Familie, und Volker Löhning begann die Wiederbelebungsmaßnahmen am Motorrad. Da die Rastenanlage samt Aufnahmen eh fällig war, konnte der Berliner Bikerschmied gleich noch das Rahmenheck kürzen, um die NLC-Formteile nach den notwendigen Modifikationen ihrer neuen Bestimmung zuzuführen.
Fahrwerk auf der Höhe der Zeit
Legend-Air-System hinten und Marzocchi-Gabel vorn bringen das angejahrte Chopper-Fahrwerk auf die Höhe der Zeit, unterstützt von drei modernen Wave-Bremsscheiben, mit der hinteren als mittig liegender Perimeter-Bremse. Klassische Raddurchmesser von jeweils 18 Zoll erden dabei das Flugboot, verbinden es mit traditionellen Technikdaten.

Und wie so oft, täuscht die finale saubere Optik mit innenliegenden Leitungen über die Teufel im Detail hinweg, die vor der Fertigstellung massenhaft zu vertreiben waren. Die abschließende Fahrbarkeit konnten sie natürlich nicht verhindern, zumal in Tomys Fall die Funktionalität aller Komponenten oberste Richtlinie ist.
Info | biker-schmiede.de











