Wie eine Suzuki GSX 600 F eine Lösung für sparsame Schrauber und ein Beispiel für lohnende Schwarzarbeit sein kann.
Ist dir der Hartz nicht als würzige Rolle, sondern als finanzielles Fiasko begegnet, drücken die Alimente, oder treibt dich die Gesundheitsreform in eine Bonitätskrise? Egal wo die Kacke dampft, wenn das ganze Übel auch noch in einem alten Joghurtbecher im Stall gipfelt, heißt’s Adieu schöner Traum vom geilen Umbau. Es sei denn, dein Becher heißt GSX-F, und du hast keine Angst vor schwarzen Lack, um aus dieser Konfektionsware ein echtes Einzelstück zu basteln.

Das Mauerblümchen unter den Sporttourern bewuchert seit 1988 heimischen Asphalt. Mit der GSX setzte Suzuki den ersten Joghurtbecher in die Welt, dessen Haltbarkeitsdatum nie abzulaufen scheint. Das solide Stück ging bis vor wenigen Jahren noch neu über die Ladentheke.
Suzuki GSX als Alternative zur Bandit
Zugegeben, gegenüber der Bandit, dem kultigen Zugpferd von Suzuki, führt die GSX ein hässliches-Entlein-Dasein, kann aber mit fast 30.000 derzeit zugelassenen Maschinen, inklusive der nahezu baugleichen 750er, durchaus eine eigene Sympathie-Gemeinde verbuchen. Wundern tut das nicht, ist die GSX doch ein echtes Brot-und-Butter-Motorrad mit Garantie auf prächtige Ersatzteilversorgung. Dazu ist der 600er-Motor fast unkaputtbar.

Folglich ist der Markt für die GSX groß, gute gebrauchte Exemplare sind schon ab 1500,- Euro zu ergattern. Lediglich die Optik, die mit dem Charme einer dynamischen Weißblechdose daherkommt, sorgt dann eher für Verdruss.
Striptease
Genug der Lästerei. Die GSX-Treiber müssen wahrlich keine Schamesröte aufwallen lassen, verfügen sie doch über ein solides Bike, das als Umbaubasis der Bandit nicht nur das Wasser reichen kann, sondern durch eine aggressivere Rahmenoptik und mehr Kawumm im Köcher die vielleicht bessere Option bietet. Wofür die hier gezeigte Evolution vom Sporttourer zum Tourenfighter das beste Beispiel ist.

Und da bei dieser Schwarzarbeit Sparen das Gebot der Stunde hieß, wurde hier vor allem an einem gespart: an der Verkleidung. Der Striptease verpasste dem muffigen Alltagshobel nicht nur eine elegante Linie, die Enthüllung von Technik und Fahrwerk lassen ihn auch kraftvoller auftreten. Der Clou an der Sache ist, dass von wenigen Zubehörteilen abgesehen, der Umbau weitestgehend auf Basis der Originalteile vonstatten ging.
Eigenständige Formen
Durch das Verkürzen oder auch Weiterführen vorhandener Linien wurde der Uniform der Urform ein kräftiger Strich durch die Rechnung gemacht. Die daraus resultierende eigenständige Formgebung macht die Schwarzarbeit so markant und das Endergebnis zu einer wohltuenden Abweichung vom pestigen Baukastensystem. Was den maroden Privatfinanzen entgegenkommt: Für diesen Effekt sind lediglich ein paar Glasfasermatten, Spachtel und Geduld vonnöten.

Auch die Alugimmicks, wie die Flügel, die die Formgebung abrunden und kleine Detailhighlights setzen, stellen keine monetäre Bedrohung dar. Das Material stammt vom Schrottplatz und wurde in schweißtreibender Handarbeit zurechtgedengelt. An einen völligen Verzicht auf Zubehörteile war nicht zu denken, was sich schon allein beim Betrachten der aufdringlichen Original-Funzeln von selbst versteht.
Alles wesentlich smarter
Dass man aber nicht direkt zu teuren Designstücken grapschen muss, sondern aus weniger sogar mehr machen kann, ist hier gekonnt vorgeführt. Die DE-Leuchten sind geschickt ins Gesamtkonzept eingefügt und verpassen dem Humpen im wahrsten Sinne des Wortes ein neues Gesicht. Auch der Allerwerteste kommt jetzt wesentlich smarter daher.

Das Rücklicht wurde leer gerupft, zum Verkleidungsteil degradiert und darf jetzt als Halter für die LED-Kerzen seinen Dienst antreten. Wie unschwer zu erkennen, wurde an einem freilich nicht gespart: an schwarzem Lack. Das ist einfach und schön, aber keineswegs einfarbig – immerhin gibt’s die Varianten matt und glänzend.
Zubehör gibt es zuhauf
Und sollte die monetäre Öde mal ein Ende finden, kann man es optisch und technisch noch mal richtig krachen lassen. Egal ob dicke Pelle in breiterer Schwinge, Zubehörauspuff oder Umbau zum Einsitzer – Varianten gibt’s reichlich. Auch die des Motortunings – sämtliche luft-/ölgekühlten Aggregate dieser Baureihe bis hin zum 1200er-Motor finden im Rahmen Platz.















