Show me your Garage – Schöner Wohnen zwischen den Cruisern

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Selten ist wohl der Ausdruck von der Garage als Wohnzimmer so zutreffend, wie in der Werkstatt dieser drei Freunde

Als wir in Ausgabe 1/2007 die Serie »Show Me your Garage« begonnen haben, stand Dirk Mangartz’ Vorwort zum neuen Thema unter der Überschrift: »Schöner Wohnen«. Die hier gezeigte Garage könnte kaum treffender sein für diese Unterkunft. Sie steht in einer langen Reihe von Garagen, wie sie für Ostdeutschland so typisch sind, und mit dem Rolltor öffnet sich der Zugang zu gepflegter Gemütlichkeit und öligem Schrauberwahn gleichermaßen.

Die Wohnzimmer-Garage

Hier lungern keine der sonst üblichen drallen Kalendergirls auf vergilbtem Papier, die im Tanga sinnentleert einen Schlagbohrer halten, oder aufgepumpte Pin-ups, die Harley-Tanks mit Silikon polieren. Hier prangen romantisch fotografierte Sattelzüge an weißem Rauputz, ordentlich im Glasrahmen aufgehängt, und spiegeln ebenso den beruflichen Werdegang des Eigners wider, wie die Reihe Modelllastwagen vor dem anspruchsvoll gebrushten Custom-Tank. Gewonnene Pokale diverser Bikeshows zeugen von der sauberen handwerklichen Arbeit des heutigen Anlagenbauers, die sich zweifellos in der Renovierung der Garage fortgesetzt hat.

Wohnzimmer mit drei Motorradparkplätzen

Die bietet neben Heizung und der üblichen Grundausstattung mit Werkzeug und Kaffeemaschine noch den kombinierten Komfort von Büro und Wohnstube. Aufgerüstet mit Beamer, Computer und einer anständigen Musikanlage, deren Boxen beidseitig der bequemen Sitzgarnitur thronen, lässt sich der Raum mit unterschiedlichen Beleuchtungsoptionen illuminieren. »Hier können wir auch mal laut Musik hören und Party machen, ohne die Leute zu stören«, erklärt Marko, der die Garage gemeinsam mit einem Freund vor vier Jahren aufmöbelte.

Japancruiser nach vorn

Der ist inzwischen weggezogen, doch dafür ist der junge Tobias dazu gekommen. Der Kfz-Mechaniker fuhr zunächst Honda VT 600, bevor er sich vor einem Jahr eine 1400er Trude aus dem Netz fischte. Denn Marko setzt schon lange auf den zuverlässigen Japan-Chopper, den er Schritt für Schritt umstrickte.

Fröhliche Familie: Bei Besuch von Vater und Tochter treffen sich drei Generation in der WG

Schließlich uferten seine Wünsche so aus, dass er auch die professionelle Hilfe der Biker Schmiede Berlin in Anspruch nahm, die unter anderem den Rahmen modifizierte und ein komplett neues Heck schuf. Das arbeitsteilige Vorgehen des letzten Winters bezeugt beispielsweise der Lack, dessen Grundlagen in Berlin gelegt wurden, das Airbrush gestaltete aber Marko. So steht »Morpheus«, namentlich bekannt als Rebellenführer aus dem Science-Fiction-Film »Matrix«, nun vollendet auf den glänzenden Bodenfliesen.

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Eine ernsthafte Werkstatt

Komplett selbst geschraubt in der gemeinsamen Garage wurde dagegen das schwarze Flacheisen von Tobias. Die Einzelteile der einst barocken Intruder verteilten sich vergangenes Frühjahr in der ganzen Hütte. Und die während der Bauarbeiten entstandenen Fotos dokumentieren das zweite Wesen der Wohnstube, die eben auch ernsthafte Werkstatt ist.

Technik statt Titten: In der WG haben Trucks und Custombikes Priorität

»Custombikes und die Umbauerei sind das Verbindende zwischen uns«, verdeutlicht Marko. »Denn Tobi ist zehn Jahre jünger als ich, und ohne Motorräder wären wir uns kaum begegnet. Unterschiedliche Wohnorte, andere Arbeit, verschiedene Freizeitgestaltung oder Musikgeschmack – wo hätten wir uns über den Weg laufen sollen?«

Prioritäten setzen

Außer einmal an der Tankstelle beim Spritfassen, und so fragte Marko den jungen Honda-Fahrer, ob er nicht in die WG – sprich Wohngarage – einziehen möchte. Wollte er, und ist inzwischen sogar in die Nähe der Garage umgezogen. Man muss Prioritäten setzen.

Gewonnene Showpokale bezeugen das Niveau der Custombikes

Der Dritte im Bunde ist Normen, dessen gerade fertiggestellte Yamaha XV 1600 in gewisser Weise den bisherigen Höhepunkt der Schraubergemeinschaft darstellt. Dieses perfekt durchgestylte Custombike stellen wir demnächst gesondert vor. So wird es in den nun wieder längeren Nächten nicht mehr so arbeitsintensiv werden, wie in der zurückliegenden Schraubersaison.

Keine Langeweile

Doch Langeweile kommt deswegen bestimmt nicht auf: »Im Winter sind wir weiter mit den Maschinen aktiv, drehen die Heizung auf und holen uns den Sommer auf die Leinwand. Das ist geil!« In dem schweren Sofa sinkt man automatisch in die natürliche Kinohaltung. Nur, dass hier die Custombikes direkt vor den Füßen zwischen erster Reihe und Projektionsfläche parken.

Werkzeug und Laptop teilen sich eine Ecke. Letzterer dient weniger zum Chiptuning als zur Unterhaltung

Da erleben die drei Freunde dann nochmal die Fahrt nach Faak oder begleiten mit ihren Choppern das legendäre Hollywood-Trio auf seinem Easy Ride nach New Orleans. Doch selbst ohne bewegte Bilder gibt’s genug Animation: Mit das Schönste am Motorradfahren ist doch, zu stehen: Mit ’nem Bier in der Hand die Maschinen mit zärtlichen Blicken streicheln.

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Fotos: SHS, Marko
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