Beim Royal Enfield Busted Knuckles Build Off 2023 feierte sich dieser 650er Twin von Thomas Bläsing als Strandkönig
Die Brandenburger Seenlandschaft inspirierte Thomas zu seinem Beach Cruiser, mit dem er nach einem harten Arbeitstag entspannt in die Feierabendsonne surft. Die anregende Woge spülte ihn sogar von der Spree bis an den Atlantik nach Biarritz, wo sein drahtiger Paradiesvogel beim »Royal Enfield Busted Knuckles Build Off« glänzte.

Mit dem jährlichen Umbauwettbewerb animieren die Inder nämlich ihre Händler, sich die Knöchel wundzuschrauben. So siegte 2022 ein Straßenrenner aus Neuseeland – und 2023 nun dieser Strandläufer aus Fürstenwalde. »Bläsing aus Fürstenwalde konnte die Jury nur schwer aussprechen«, erzählt der Gewinner schmunzelnd. »Gleich zwei deutsche Umlaute sind für andere Sprachen eine Herausforderung.«
Den Charakter der Royal Enfield Interceptor freilegen
Anders als beim vollverschalten Vorjahressieger wollten Thomas und seine helfenden Mitstreiter den markanten 650er Zweizylindermotor sichtbar lassen, um dessen Wiedererkennungswert zu bewahren und lieber den lässigen Charakter der Maschine freizulegen. Auch ihr günstiger Listenpreis von unter 8.000 Euro sollte sich in einem bezahlbaren Custombike für Normalverdiener widerspiegeln – freilich ohne Abstriche in handwerklicher Ausführung und Optik.

Nachdem ihre Vision skizziert, technisch beschrieben und samt einer Fotocollage eingereicht war, beurteilten führende Leute im Royal Enfield UK Technology Centre das Vorhaben. »Aus allen eingesandten Vorschlägen wurden im Dezember 2022 die sieben europäischen Finalisten gewählt«, erläutert der stolze Erbauer. »Kurz vor Weihnachten erhielten wir die Bestätigung, dass Royal Enfield die Realisierung unseres Entwurfs unterstützt.«
MOTORRAD-STRIP UNTERM TANNENBAUM
Über die Feiertage wurde die Interceptor zerlegt, ihre Neugestaltung begann direkt am Objekt, »indem wir die vorgesehenen Formen auf Pappe zeichneten, probierten und anpassten, verwarfen und neu zeichneten«, erklärt Thomas. Während Metallbildner Dirk Wohlgemuth aus Bad Saarow alle Blecharbeiten, wie Tank, Schutzbleche, Bugspoiler oder Lampenmaske, Stück für Stück aus Aluminium formte, modifizierte Mechanikermeister Thomas die Motorradtechnik, von den Michelin-Sohlen bis zu Barracuda-Griffen.

Allerdings verzögerte sich der Fortschritt aufgrund der Feiertage spürbar. Erst im Februar lagen alle über die vielen Eigenleistungen hinaus erforderlichen Teile parat – und im April sollte das Gerät schon fertig sein. »Das war hartes Brot neben dem Alltagsgeschäft im Laden«, erinnert sich Thomas.
Fürstenwalde ganz oben
»Wir mussten ja noch unseren örtlichen Pulverbeschichter Steve Borstel und Lackierer Stephan Weißenfeld aus Berlin mit ins Boot holen. Nachdem alles organisiert war, hat der Bau an sich aber natürlich Spaß gemacht. Im Mai erhielten wir die Einladung zum Finale einen Monat später auf der Artride beim Wheels and Waves in Biarritz, wohin wir die Maschine rund 2000 Kilometer im Bus transportierten. Die anderen Finalisten kamen aus London, Rom, Bilbao oder Marseille – und wir aus Fürstenwalde. Dass am Ende unser Custombike die Fachjury überzeugte, macht uns echt stolz.« Das südländische Publikum haute aus den Sandalen, dass ausgerechnet die Preußen ein solch farbenfrohes Fahrzeug präsentierten.
AUSZIEHEN FÜRS BADETUCH
Wie vorgesehen, zeigt sich sein Motor praktisch unverändert, atmet lediglich durch kurze Ansaugtrichter sowie Schalldämpfer von SC Project etwas freier und dank Dynojet entsprechend abgestimmt. Der ausgeräumte Rahmen wirkt jetzt durch sein frisches Heck luftig wie eine Brise vom Atlantik. Dazu stützt sich die Originalschwinge mittels aufgeschweißter Rohrkonstruktion gegen ein direkt angelenktes Monofederbein, während vorn die gekürzte Gabel pulverbeschichtete Tauchrohre trägt.

Der gewählte Zahnriemenantrieb zum Hinterrad beschert angenehme Wartungsarmut. Dagegen finden sich die neuen Alufußrasten weiterhin an gewohnter Position, denn für vorverlegte Füße gibt’s die Sonnenliege. Nicht umsonst verfügt der Strandkreuzer doch über einen ausziehbaren Badetuchhalter am Heck! »Den Sitz habe ich im Stil eines Surfbretts der 50er-Jahre aus heimischer Buche und Akazie gefertigt«, betont Thomas. »Also zwei Dutzend Holzschichten selbst verleimt, gefräst und stundenlang mit der Hand geschliffen. Erst zum Schluss wird die kleine Rücklicht-Blinker-Kombination eingebaut.«
Royal Enfield mit Modifizierter Elektrik
Die von ihm modifizierte Elektrik beinhaltet außerdem Miniblinker vorn, LED-Scheinwerfer, MMB-Instrument und das überm Getriebe versteckte Zündschloss, bewahrt aber natürlich alle Funktionen, wie das ABS. Nur wer ganz genau hinschaut, bemerkt auch die Wasserzeichen in der Lackierung, die mit ihrem leichten Metallic-Effekt so fein glitzert wie der Sand von Palolem.

An die indische Traumküste könnte der Beach Cruiser dank ordnungsgemäßer Straßenzulassung und der abenteuertauglichen Reifen auf eigener Achse reisen. Doch jetzt rollt der Twin für unsere Fotosession erstmal wie eine grollende Brandung an den naheliegenden Scharmützelsee. Vor der Strandbar klappt einfach die Seitenstütze aus, wohingegen im Wettbewerbsmodus ein Heckständer den sportlichen Charakter des Wellenreiters verkörpert.
Ab nach Goa
So wie beispielsweise im September am Glemseck oder in Bad Salzuflen auf der CUSTOMBIKE-Show. Im November dazwischen ging’s für Gewinner Thomas sogar zum Royal Enfield Motoverse Festival nach Goa. Nach getaner Arbeit von Brandenburg bis Goa zu surfen – was für eine perfekte Welle.
Info | Motorrad Bläsing
























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