Britischer Samen trägt im tropischen Klima Früchte. Wir fassen Die Fortpflanzung von Royal Enfield von England nach Indien zusammen.
Royal Enfield zählt zu den ältesten Motorradmarken der Welt. Die Firma erwächst bereits im 19. Jahrhundert aus der Waffen- und Fahrradproduktion. Albert Eadle Manufacturing Company in Redditch und die Royal Small Arms Factory in Enfield fusionieren und firmieren ab 1893 als Royal Enfield. Schon für die Fahrräder entsteht damals der Slogan »Made like a gun«. Später wird das ergänzt durch »goes like a bullet« für die Krafträder.
DIE MOTORRADSTORY BEGINNT 1901
Das erste Motorrad erscheint 1901 mit Minerva-Motor, und neben leichten Dreirädern versucht man sogar Automobile. Erfolgreicher laufen jedoch die V2-Motorräder ab 1909. Die zugekauften Aggregate werden mit einer hauseigenen Gangschaltung ergänzt, bevor das Werk ab 1913 selbst V-Motoren baut. Im Ersten Weltkrieg liefert Royal Enfield erfolgreich Militärgespanne. Ab 1919 folgen auch wieder Zivilversionen.

Ab 1927 entstehen schließlich moderne Einzylinder, die in die erste Bullet mit 250, 350 und 500 ccm münden. Aus deren 1936er Evolution formen Chefingenieur Ted Pardoe und Konstrukteur Tony Wilson Jones nach Ende des Zweiten Weltkriegs eine wegweisenden Maschine: Dank vorderer Telegabel und Hinterradschwinge mit ölgedämpften Federbeinen fährt Royal Enfield der Starrrahmenkonkurrenz meilenweit voraus. Sportdirektor Jack Booker lässt die Konstruktion für den Trial-Sport adaptieren, wo die Klettermaxe 1952 sowohl das British Experts als auch das Scottish Six Days Trial gewinnen.
Royal Enfield – DER WEG NACH INDIEN
Die gute Geländegängigkeit überzeugt auch die indische Regierung auf ihrer Suche nach einem Behördenkrad. Royal Enfield wird seit 1949 von Sundaram Iver und seiner Firma Madras Motors importiert, so dass zur Erfüllung des Staatsauftrags das Werk »Enfield India« entsteht, das ab 1956 die 350er in Lizenz produziert. Während im Mutterland eine drastische Schrumpfkur den Niedergang nicht bremsen kann, fertigt Enfield India munter weiter.

Als 1967 das Stammwerk in Redditch schließt und die Marke 1970 stirbt, frischen die Inder mit der Konkursmasse ihre Produktionsanlagen auf. Und bald beginnen nostalgische Europäer damit, den fabrikneuen Oldtimer in umgekehrter Richtung zu importieren, obwohl Leistungshungrige besonders die skurrile Diesel-Enfield nur milde belächeln. Immerhin wird 1988 die 500er Bullet für den Export wiederbelebt.
ENDGÜLTIGE WIEDERAUFERSTEHUNG
1994 schluckt der finanzstarke Fahrzeughersteller Eicher-Goodearth die Motorradfirma, das beschleunigt ihr Schicksal. Konzernchef Vikram Lal formt nun Enfield Motors Ltd. und er darf nach einem 1999 gewonnenen Rechtsstreit die Motorräder endlich wieder Royal Enfield nennen. Im Jahr darauf übernimmt sein Sohn Siddhartha Lal die Leitung und eröffnet gleich mal eine neue Fabrik.

Frische Motoren mit Benzineinspritzung erfüllen ab 2008 alle Abgasnormen in Asien, Europa oder Amerika. Und Schlag auf Schlag geht’s weiter: 2013 steigert ein zweites Werk in Oragadam die Produktion. 2015 eröffnet ausgerechnet in Milwaukee die erste Auslandsniederlassung. 2016 beginnt mit der Enduro Himalayan eine Modelloffensive 2017 zieht der Hersteller ins neue Technologiezentrum im englischen Leicestershire. In Chennai brummt da schon eine dritte Fabrik. Dazu erscheinen quasi am laufenden Band neue Modelle, zum Beispiel auf Basis neu entwickelter 350er Einzylinder-Motoren.
Royal Enfield – eine Echte Motorradgröße
Royal Enfield unterhält inzwischen Dependancen in Großbritannien, Brasilien Thailand, den USA und neuerdings auch Deutschland. Der Hersteller vertreibt seine Motorräder in über 80 Ländern, von Argentinien bis Zypern, und verkauft fünf Mal so viele Motorräder wie BMW.
Info | Royal Enfield




















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