Zum 100-jährigen von Moto Guzzi 2021 gönnte Stefan Bronold sich ein Racebike im besonders hübschen Jubiläumskleid
Cento Anni, einhundert -Jahre, ein würdiger Name für ein Motorrad, das bereits im Guzzi-Jubiläumsjahr 2021 entstand, aber erst spät zu der Bestimmung fand, für die es gebaut wurde. Wir erinnern uns, es gab da ein bisschen viel Pandemie und ein bisschen wenig Action. Auch am Glemseck, Stefan Bronolds Racer-Heimat, wurden keine Rennen gefahren und so konnte sich der bayerische Tüftler auf den Bau eines Siegers konzentrieren. Wie das geht, weiß er von früheren Umbauten.
Der gute alte Tonti-Rahmen
Genau wie bei seinen Kundenbikes, entsteht auch diese Radical Guzzi aus einem alten Tonti-Rahmen – der passenden Hommage an die große Guzzi-Historie – und einem Motor, der die moderne Komponente des Umbaus übernimmt und klarstellt, wie Stefan seine Aufbauten angeht.

»Im Prinzip brauche ich für jeden Neuaufbau zwei Guzzis, eine alte für den Rahmen, eine neue für den Motor.« Das ganze wird komplettiert mit Neu- und Eigenbauteilen, da macht der Experte keine Kompromisse. Und immerhin, jede Radical Guzzi, die die Schwarzenberger Manufaktur verlässt, hat eine Straßenzulassung. Wie gesagt, keine Kompromisse.
Moto Guzzi mit 1700 KUBIK
Der ursprüngliche 1200er Motor ist das Herzstück eines Sprintbikes, alle Arbeiten an ihm übernimmt Stefan selbst. Sein erstes »MGR 1200«-Bike hatte er bereits 2016 gebaut, limitiert in Kleinstserie. Serienmäßige 1151 Kubik lassen sich auf 1380, 1502 oder, wie in diesem Fall, gar 1700 Kubik erweitern.

Aufgebohrte Zylinder, Schmiedekolben, scharfe Nockenwelle, Flachschieber-Vergaser und eine neue Kurbelwelle dürfen es sein. Und parallel zum Hubraum wächst auch die Leistung, von ehemals 123 PS ist nichts übrig, 164 Pferdchen springen nun über die Achtelmeile, das Drehmoment liegt bei knapp über 200 Newtonmetern – bei gerade noch 168 Kilo Leergewicht.

Aber was sagt der Kardan des Achtventilers zu soviel Power, wollen wir wissen. Kaum vorstellbar, dass er den Kräften standhält. »Doch, tut er«, weiß Stefan, »zum einen sind die Guzzi-Kardanwellen von Haus aus eh notorisch überdimensioniert, zudem verbaue ich ein anderes Getriebe – mit sechs statt fünf Gängen, verstärkt und verstiftet, da passiert nix.«
AUCH DIE OPTIK PASST
Leistung ist das eine, Optik das andere, und tatsächlich muss auch die im Hause Bronold stimmen. Nicht zu modern, um den alten Baumeistern Respekt zu erweisen, klare Linien, keine Schnörkel. Aber auch schön leicht das alles, um auf der Strecke zu bestehen.

Tank und Sitzbank werden aus Alu selbstgeklöppelt, die 17-Zoll-Räder bestehen aus ultraleichtem Carbon. Aufgezogen werden Michelin-Reifen, die sowohl für die Straße als auch für den Racetrack taugen. Die Elektrik bleibt minimal, Scheinwerfer, Rücklicht, ansonsten nicht viel, »überhaupt, weniger bringt hier umso mehr.« Mit einer Ausnahme, die Lackierung darf im Guzzi-Jubeljahr eine besondere sein.

Die 100-jährige Geschichte des Herstellers bringt Airbrusher Herbert Franz mit der Pistole auf die braungoldene Grundfarbe, die eine gewisse Patina verströmt. Und so erhebt sich Carlo Guzzis Heimstatt auf dem Tank mit den Knieeinschlüssen und vom Heckfender grüßen die alten Helden aus der Rennhistorie der Italiener.
Moto Guzzi – Grande FINALE
So gerüstet, macht sich Stefan samt seiner Familie auf ans Glemseck, im Herbst 2022 durfte dort wieder gesprintet werden. In zwei Rennklassen tritt die »Cento Anni« an, unter anderem in der für die Motorräder mit Straßenzulassung.

Hier fährt sie einen zweiten Platz ein. Im »International Sprint« sind die Bronolds dann endgültig entfesselt und racen zwischen Nitro-Harley und 300-PS-Kawa zum Sieg. »Ich hab’s ja schon gesagt, manche nehmen uns mit der Guzzi nicht ganz so ernst«, grinst Stefan, »ein ziemlicher Fehler!«
Info | radicalspeedshop.com






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