Heute im Praxistest von Frau Reuter: Allerlei Dinge für harte Chopperfahrer, clevere Bastler und Männer, die Urlaub genießen wollen.
Guten Tag, ihr kleinen Hasen. Keine Frage: Es ist Sommer, wir sitzen mit einer Rotweinflasche unter einem Baum und bestaunen unseren Feuerstuhl, der leise knisternd im Halbschatten steht. So und nicht anders hat ein anständiger Urlaub auszusehen. Bestenfalls lässt sich die Weinflasche durch eine Bierdose ersetzen. Als Hauptnahrungsmittel zählt für diese Zeit des Jahres – neben den Alkoholika – ausnahmslos Fleisch, am besten leicht angebrannt. Was natürlich außerdem zu einem erholsamen Motorradurlaub gehört, ist etwas Lektüre.
EIn Mann, ein Buch
Nachdem schwedische Krimis mittlerweile so OUT sind wie Sackherpes, gilt es, den Kopf mit kurzweiligem Stoff zu versorgen, der ganz nebenbei dem Leser auch noch etwas fürs Leben mitgibt. Und da hab ich einen ganz großen Kracher ausfindig gemacht: »Ein Mann Ein Buch«. Dieses absolut empfehlenswerte Werk hat das Zeug, euch die nächsten fünfzig Jahre durchs Leben zu begleiten. Die drei Autoren Augustin, von Kaisenberg und Zaschke haben alle Register gezogen, uns echten Männern da Hilfestellung zu geben, wo auch wir, die wir eigentlich schon alles wissen und können, ins Straucheln geraten würden. Auf über 400 Seiten erfahren wir hochverständlich, wie man z.B. im Notfall eine Boeing 747 landet oder ein alte Fliegerbombe entschärft. Wie man einen Kater los wird, wie man Priester wird, eine Kneipe aufmacht oder starke Blähungen vermeidet.
Passt in jede Packtasche
Die Recherchen zu diesem durchaus handfest lehrreichen Machwerk dürften nicht unerheblich gewesen sein – in den Bereichen, die mir geläufig waren, konnte ich nichts falsches finden. Dieses Buch, das übrigens sehr schön und stabil gebunden ist und in jede Packtasche passt, kann unter Umständen euer Leben verändern. Nach der Lektüre, die auch ein Baumschüler nach den Sommerferien geschafft haben sollte, hat sich der eigene Horizont doch um einiges geweitet. Natürlich ist das Motorrad als wichtigstes Männerfortbewegungsmittel kaum erwähnt, was darauf zurückzuführen ist, das Christian Zaschke, einer der drei Autoren und frecher Sportjournalist der Süddeutschen Zeitung, es nach zehn Jahren immer noch nicht geschafft hat, sich ein anständiges Motorrad anzuschaffen.
Kaum Fragen offen
So fehlte ihm natürlich die nötige Praxistauglichkeit und Erfahrung zum Thema. Die beiden andern Autoren scheitern schon am Laufrad. Mit großer Erwartung wird man trotzdem immer wieder zum Buch greifen und garantiert nicht enttäuscht werden – auf allein dreieinhalb Seiten wird beschrieben, wie man einer Frau einen Drink spendiert, ohne gleich eine geschallert zu kriegen. Und ebenso akribisch wird das Problem des Beendens einer Beziehung behandelt.

Dieses Buch lässt kaum Fragen offen und gehört zu den wenigen Druckwerken, die wirklich jeden Pfennig wert sind, den man dafür bezahlt hat. Außerdem kann man damit am Tresen mördermäßig auf die Kacke hauen, wenn man seinen Kumpels daraus vorliest. Für mich das Buch des Jahrzehnts!!! Erschienen ist es einst in der Edition Süddeutsche Zeitung und ist gebraucht für ein paar Euro noch gut erhältlich.
Teleskopiges Spiegel-Set
Soviel zum Thema Weiterbildung. Kommen wir zur nützlichen Hardware: Mein Freund Schoppe hat mir passend zum Urlaub wieder eine Wundertüte zugesteckt, die ein heiteres Sammelsurium von Nützlichkeiten enthielt. Darunter war auch dieses herrliche Spiegelset mit Teleskophandgriff. Nicht nur Hobbygynäkologen und Tresorknacker wissen den Wert eines solchen Sets zu schätzen, auch wir Getriebebastler und Schrauben-ins-Kurbelwellenghäuse-fallen-Lasser haben schnell den Nutzen dieses günstigen Werkzeugs erkannt.

Drei auswechselbare Spiegel mit unterschiedlicher Größe und Form lassen uns komfortabel unter die Ölwanne blicken oder – wenn man die Magneten anwendet – fahrlässig verlorengegangene Muttern aus dem Ölbad fischen. Die Magneten haben eine Haltekraft von rund einem Pfund, die Handgriffe sind aus gefrästem Aluminium. Am Ende des einen Handgriffes ist noch ein extrem schmaler Notspiegel befestigt, das Ding ist wohl ideal fürs Bordwerkzeug. Viel Material fürs Geld, würde ich sagen! Mein Set ist von AmPro, gibt’s aber von verschiedenen Herstellern für um die 20 Euro. Ganz nebenbei ist das auch ein ideales Gastgeschenk in Drittweltländern und auf Rockerparties.
Sitzgelegenheit mit Näpfen
Zum Schluss sei euch das Sitzpad von »AllesLeder« wärmstens ans Herz gelegt. Bevor ich das meiner treuen Leserschaft vorstellen konnte, musste ich es erst mal ein halbes Jahr testen. Gottseidank! Als ich meinen Starrrahmenchopper fertig hatte und mein Sohn den Wunsch äußerte, auf diesem heißen Bock mitfahren zu dürfen, um bei seinen Kumpels angeben zu können, war ich gezwungen, eine Soziusmitfahrmöglichkeit zu ersinnen. In Ermangelung eines richtigen Soziussitzes empfahl mir Fotzen-Malte (wir erinnern uns: Das Orinoko-Vogelnest aus dem Hause Speedmonsters) dieses praktische Saugnapfsitzpad.

Nun bin ich stets ein kritischer Verbraucher und traue solchen Saugnapfspinnereien eigentlich nicht. Weil ich nun definitiv dagegen war, irgendwas auf meinen Heckfender zu schrauben, blieb mir aber nichts anderes übrig, als Maltes Lösung in Anspruch zu nehmen. Auf gut lackierten Flächen hält ein solches Sitzpad astrein – allerdings lässt mit einiger Zeit die Saugkraft nach, weil Luft unter die kleinen Näpfe gerät. Darum ist es durchaus möglich, dass euch so ein Teil während der Fahrt abhanden kommt. Darum und weil ich Mattlack bevorzuge, habe ich mein Pad mit einem Gepäckgummi gesichert, wie das Foto zeigt – und was auch die seltsame Einschnürung in der Mitte meines Sitzpads erklärt.
Feste Montage empfohlen
So sieht das eben aus, wenn man das Sitzkissen ein halbes Jahr lang samt Haltegummi am Bock hat. Ich denke trotzdem, diese Lösung ist besser, als mein Schutzblech anzubohren. Natürlich ist meines recht spartanisch, für kleine Bengels und junge Chicas ist das jedoch ausreichend. Meine Frau hätte da vor zwanzig Jahren auch noch klaglos draufgesessen. Heute müsste ich befürchten, dass das Teil auf Nimmerwiedersehen in ihrem Arsch verschwindet. In dem Fall empfiehlt sich also doch die feste Montage.
Echte Handarbeit
Die Verarbeitungsqualität ist hervorragend und nicht mit Fernostware zu vergleichen. Die Saugnäpfe sind wirklich fest mit der Grundplatte vernietet und der Lederbezug ist sauber vernäht und wasserdicht, wohl weil darunter eine Kunststofffolie ist. Der Sitzkomfort ist auch langfristig außerordentlich gut, wenn der Hintern die passende Größe hat. Hergestellt werden diese feinen Dinger von Knut Höger, Martinistr. 6 in 20251 Hamburg. Tel. 040-46 881736. Am Telefon lässt sich auch sehr schnell klären, welche Breite ihr für euer Schutzblech braucht – oder für den Arsch eurer Alten. Ich mag mein Sitzkissen nicht mehr missen, war eine gute Investition, sagt auch mein Sohn, der darauf schon 350 Kilometer am Stück gesessen hat.

So … mehr hat der blöde Reuter nicht im Sack, mir bleibt nichts anderes als euch einen erholsamen Urlaub zu wünschen. Dass ihr mir ja vorsichtig fahrt! Und Herr Zaschke, das alte Mehlauge, soll sich mal endlich irgendein beschissenes, altes Motorrad kaufen. Vielleicht gibt’s dann ja bald eine Lebenshilfe für Motoradfahrer.








