Bekannt sind Thomas und Dany Habermann für radikale Hignecker. Mit dieser Oldschool-Harley beweisen sie dagegen ihre Vintage-Künste.
Heraklit, ein Philosoph, der 535–475 vor Christus in Ephesus lebte, soll den Ausspruch geprägt haben: »Alles ist im Fluss.« Und er traf mit seinen Worten voll ins Schwarze. Denn – so interpretierte ihn ein Jahrhundert später der Grieche Platon – nichts wird wieder wie es war, alles fließt und nichts bleibt; es gibt nur ein ewiges Werden und Wandeln.
Alles im Fluss, das gilt auch für Motorräder
»Er vergleicht die Dinge mit dem Strom eines Flusses, und dass man nicht zweimal in denselben Strom hineinlaufen kann.« Platon wie auch Heraklit hatten die Natur der vergänglichen Dinge begriffen. Ohne Zweifel gilt das auch für Motorräder.

Selbst perfekte Restaurierungen sind immer auch Erneuerungen und Wandlungen. Nichts wird wieder wie es war. Wer sich mit den Idealen von früher intensiv beschäftigte und somit genau weiß, wie die einzelnen Bauteile einst erschaffen waren, versucht bei einer Reanimierung erkannte Fehler auszuklammern.
Habermann, ein alter Hase
Er wird Verschlissenes ausbessern, erneuern oder gleich gegen ähnliche Brocken mit optimierter beziehungsweise ähnlicher Funktion tauschen. Und genau das führt uns zu Dany und Thomas Habermann. Die Zwei sind im schwäbischen Erbach-Ringingen ansässig und als Hersteller von Custombike-Rahmen bekannt.

Die Habermanns fertigen sowohl eigene Serien als auch Baureihen für andere bedeutende Custom-Shops. So war es für manchen vielleicht verwunderlich, als von ihnen das Bike aufgebaut wurde, dessen Rahmen so gar nichts mit ihren eigenen Produktlinien zu tun hatte. Die Habermann Oldschool hat ihren Ursprung nämlich als ein sogenanntes »Basket Case«, Kisten voll mit Teilen eines irgendwann mal angefangenen, aber nie zu Ende gebauten Custombikes.
Totalrestaurierung
Thomas Habermann hatte einen Bruder, dem nur ein viel zu kurzes Leben gewährt war. Dessen guter Freund, Andreas Beißwenger, kaufte die zerlegte Harley, denn er wollte, dass der Klassiker tatsächlich mal auf die Räder kommt. Die erste komplette Sichtung brachte die Erkenntnis, dass sowohl eine Totalrestaurierung nötig war als auch die Hilfe von Freunden und Fachleuten.

Und hier kamen die Habermanns in Erinnerung und dann mit ins Spiel. Ihnen wurden die Teile einer Harley-Davidson FL Panhead übergeben, deren Motor beispielsweise in allen Teilen so ausgelutscht war, dass sich eine Restaurierung nicht gerechnet hätte. Also wurde für das alte Fahrgestell ein neuer S&S-Motor in Pan-Shovel-Bauart bestellt, weil der da auch reinpasst und weil die Kerle im Chopper-Bau auch früher schon ausgelutschte Panheads gegen Shovel-Motoren tauschten.
Kein Klimbim
Nach diesem Tausch hieß es vorrangig, das Erscheinungsbild eines Bobbers anzupeilen, den Schraubern sonst aber ziemlich freie Hand zu lassen. Nur eines galt unausgesprochen: Klimbim und Schnickschnack zur Effekthascherei hatten an diesem Moped nichts zu suchen. Alle Teile sollten primär funktionell und vor allem auch straßentauglich sein.

Im Custom-Chrome-Katalog fand sich ein Tank von Cole Foster, einem Hot-Rod- und Bike-Schrauber aus Salinas in Kalifornien. Dieser Tank ließ sich in leicht abgewandelter Form auf dem Serienrahmen anbringen. Öltank und Primärriemenabdeckung entstanden gleich aus zurechtgeschnittenen, in Form gebrachten Blechstücken.
Bremse in erprobter Bauart
Nach einer Sitzprobe bogen die Habermanns den weit zurückreichenden Lenker und integrierten ihn in der oberen Springergabelhalterung. Integration war auch der Anhaltspunkt bei der Bremsenauswahl. Hinten beißt nämlich die Bremszange auf das Kettenblatt; eine schon seit Jahrzehnten erprobte Bauart, die sogar mit TÜV-Gutachten lieferbar ist.

»Alles fließt und steht nicht still«, und das müssen auch die angebauten Teile veranschaulichen. Wie beispielsweise solche Auspuffrohre, die sich, wie nach dem Fahrtwind ausgerichtet, zum Fahrzeugheck schlängeln. Oder auch die am Fender angeschweißten Kotflügelhalter, welche sich einer imaginären Beschleunigungskraft entgegenstemmen, um dann, obwohl nach hinten gebogen, den Fender trotzdem festzuhalten.
Back to Basic
Das sind gewachsene Regeln, die sich in der Geschichte des Customizings in Jahrzehnten immer weiter verfeinerten. Regeln, an die sich Profis halten. Aber wer, um im Business vorne zu bleiben, ständig alles bis auf die Spitze treiben muss, der hat dann auch mal seine Freude, wenn er wieder einmal »nur so wie früher« arbeiten soll.

Die Definition, wie weit man in die Vergangenheit geht, ist die Sache des Auftraggebers oder des Ausführenden. Old School ist keinesfalls, wenn man möglichst viel unfertigen Schrott ans Bike nagelt, dies dann mit hässlicher Farbe bepinselt oder rosten lässt. Old School braucht auch keine Teufelsschwänzchen an der Sissybar, keine Eisernen Kreuze, keine Würfel und keinen mit Totenschädel verzierten, ellenlangen Handschalthebel.
Oldschool geht auch dezent
Old School kann, wie beim Sattel und bei den Griffen geschehen, dezent unauffällig und gerade durch die jahrhundertealte Kunst des Lederpunzierens dem Old-School-Thema mehr verbunden sein als ein Malteserkreuz-Rücklicht, welches – zugegeben – auch seinen Platz in der Historie der Custombikes hat.













Ein sehr gelungenes Projekt, gefällt mir
Ein ganz tolles Teil.Wenn der Preis stimmt?
Womit muss man denn rechnen?
Liebe Grüße
Udo