Zwei Österreicher bauen aus einer Norton Commando einen Langgabler. Das Ergebnis ist opulent und ein Meilenstein im europäischen Chopperbau.
»Könnt ihr mir mal zwei Kotflügel und einen Tank für meine Norton bauen?«, hatte Walter ursprünglich beim renommierten Blechmann, damals noch »Blech und Drüber«, in Österreich angefragt. Walter war sichtlich stolz auf sein Rolling Chassis mit 850er-Commando-Motor, ahnte jedoch, dass es noch ein weiter Weg sein würde, bis aus dem Teilehaufen ein ansehnliches Motorrad entstanden ist. Schnell machten der Blechmann aus dem Burgenland – mit bürgerlichem Namen Bernhard Naumann – und sein Team Nägel mit Köpfen und überzeugte den Norton-Owner davon, ein atemberaubendes Unikat aus der verlotterten Basis zusammenzuschrauben.
Eine seltene Gelegenheit
»Die Gelegenheit, sich an einer Norton ans Schaffen zu machen, kommt schließlich nicht alle Tage«, freuten sie sich. So entwickelten die Handarbeiter die Idee, eine Mischung aus englischem Café Racer und amerikanischem Chopper zu kreieren. Ganz nach alter englischer Tradition entschieden sie sich für Aluminium als bevorzugtes Material. Der Custom-Starrrahmen wurde verkürzt und im Heckbereich für einen schmaleren Reifen umgeschweißt.

»Am Ende blieb so gut wie nichts vom eigentlichen Rahmen über, er erhielt eine komplett neue und auf das Konzept abgestimmte Form«, erklärt Bernhard die ersten Schritte. Die Halterungen für die Ritzelbremse sowie die Fußrastenanlage wurden am Fahrgestell befestigt, Seitenständer und Fußbremsmechanik wurden im Haus designt und gefertigt. Der unterhalb des Sitzes montierten Feder, die aus einem alten Trekking-Bike stammt, wurde mehr Spannung verliehen.
Leichtmetall in Form
Auffällige Gestaltungsmerkmale der Hardtail-Norton sind außerdem der Tank und der Sitzhöcker: »Von vorne nach hinten beginnend haben wir zunächst das Alu für den Tank in seine vorgesehene Form von Hand getrieben. Der Racinghöcker, der gleichzeitig als Öltank fungiert, war das nächste handgefertigte Anbauteil.«
In mühevoller Kleinarbeit kreierten die Österreicher auch sämtliche auf dem Batteriekasten befindlichen Kühlrippen. »Ohne Zuhilfenahme von CNC-Maschinen«, geben sie sich stolz.

Da die vorhandene Telegabel keine guten Fahreigenschaften erwarten ließ, entschlossen sich die Burschen, eine eigene Gabel zu bauen. Die Gabelbrücken und Gabelschenkel der Parallelogramm-Konstruktion sind eigens gefräste Eigenentwicklungen. Den eingebauten Bitubo-Gabelstoßdämpfer kürzten sie um vier Zentimeter. Auch bei sämtlichen Details wie den Lampengehäusen für Front- und Heckscheinwerfer, Tank- und Öldeckel sahen die Blechkünstler Handlungsbedarf.
Extrem handwerklich, extrem aufwändig
Sogar das Spiegelgehäuse samt Halterung ist von Hand gestaltet. Alle Leitungen sind aus Kupfer gefertigt, mit Messingfittings verbunden, gelötet und poliert. Gas- und Bremsseile wurden teilweise in den Rahmen integriert. Eines der vielen Highlights stellt der sichtbare Teil der Bremsanlage – mit aufwändig konstruierten Umlenk- und Führungsrollen – dar. Der englische Paralleltwin durfte weitgehend im vorhandenen Zustand bleiben.

Mit seiner drehmomentorientierten Ochsencharakteristik und dem satten Langhub-Schlag benötigte der 828-ccm-Gleichläufer nur Zuwendung bei der Optik. Zwischen Motor und Rahmen sollte sich zudem schwungvoll eine selbstgebaute Niro-Auspuffanlage schlängeln. Den Lederapplikationen nahm sich eine Bekannte des Hauses an. Für das Drechseln und Zuschneiden sämtlicher Holzteile war ein befreundeter Tischler zuständig.
Eine Norton für die Ewigkeit
Über den in Perlmutt-Braun lackierten Rahmen und die Alu-Teile brachten die Jungstars feine Blattgold- und Linierarbeiten auf. »Und den Schlussgedanken am Heck – ‚…gute Nacht John Boy‘«. Schließlich heißt das Bike »Walton«.
Aber halt, natürlich ist der Name auch ein neckisches Wortspiel: »Walton ergibt sich aus dem Vornamen des Besitzers Walter und dem Hersteller des Motors Norton. Alles klar?«

Info | Blechmann




















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