Norton Commando 850 – The Walton

Zwei Österreicher bauen aus einer Norton Commando einen Langgabler. Das Ergebnis ist opulent und ein Meilenstein im europäischen Chopperbau.

»Könnt ihr mir mal zwei Kotflügel und einen Tank für meine Norton bauen?«, hatte Walter ursprünglich beim renommierten Blechmann, damals noch »Blech und Drüber«, in Österreich angefragt. Walter war sichtlich stolz auf sein Rolling Chassis mit 850er-Commando-Motor, ahnte jedoch, dass es noch ein weiter Weg sein würde, bis aus dem Teilehaufen ein ansehnliches Motorrad entstanden ist. Schnell machten der Blechmann aus dem Burgenland – mit bürgerlichem Namen Bernhard Naumann – und sein Team Nägel mit Köpfen und überzeugte den Norton-Owner davon, ein atemberaubendes Unikat aus der verlotterten Basis zusammenzuschrauben.

Eine seltene Gelegenheit

»Die Gelegenheit, sich an einer Norton ans Schaffen zu machen, kommt schließlich nicht alle Tage«, freuten sie sich. So entwickelten die Handarbeiter die Idee, eine Mischung aus englischem Café Racer und amerikanischem Chopper zu kreieren. Ganz nach alter englischer Tradition entschieden sie sich für Aluminium als bevorzugtes Material. Der Custom-Starrrahmen wurde verkürzt und im Heckbereich für einen schmaleren Reifen umgeschweißt.

Mekka der Motorradwelt: Am Strand von Daytona feierte die Norton einst Premiere

»Am Ende blieb so gut wie nichts vom eigentlichen Rahmen über, er erhielt eine komplett neue und auf das Konzept abgestimmte Form«, erklärt Bernhard die ersten Schritte. Die Halterungen für die Ritzelbremse sowie die Fußrastenanlage wurden am Fahrgestell befestigt, Seitenständer und Fußbremsmechanik wurden im Haus designt und gefertigt. Der unterhalb des Sitzes montierten Feder, die aus einem alten Trekking-Bike stammt, wurde mehr Spannung verliehen.

Leichtmetall in Form

Auffällige Gestaltungsmerkmale der Hardtail-Norton sind außerdem der Tank und der Sitzhöcker: »Von vorne nach hinten beginnend haben wir zunächst das Alu für den Tank in seine vorgesehene Form von Hand getrieben. Der Racinghöcker, der gleichzeitig als Öltank fungiert, war das nächste handgefertigte Anbauteil.«
In mühevoller Kleinarbeit kreierten die Österreicher auch sämtliche auf dem Batteriekasten befindlichen Kühlrippen. »Ohne Zuhilfenahme von CNC-Maschinen«, geben sie sich stolz.

Wackelvorrichtung: Die sauber gearbeitete Parallelogramm-Gabel ist eine Eigenkonstruktion

Da die vorhandene Telegabel keine guten Fahreigenschaften erwarten ließ, entschlossen sich die Burschen, eine eigene Gabel zu bauen. Die Gabelbrücken und Gabelschenkel der Parallelogramm-Konstruktion sind eigens gefräste Eigenentwicklungen. Den eingebauten Bitubo-Gabelstoßdämpfer kürzten sie um vier Zentimeter. Auch bei sämtlichen Details wie den Lampengehäusen für Front- und Heckscheinwerfer, Tank- und Öldeckel sahen die Blechkünstler Handlungsbedarf.

Extrem handwerklich, extrem aufwändig

Sogar das Spiegelgehäuse samt Halterung ist von Hand gestaltet. Alle Leitungen sind aus Kupfer gefertigt, mit Messingfittings verbunden, gelötet und poliert. Gas- und Bremsseile wurden teilweise in den Rahmen integriert. Eines der vielen Highlights stellt der sichtbare Teil der Bremsanlage – mit aufwändig konstruierten Umlenk- und Führungsrollen – dar. Der englische Paralleltwin durfte weitgehend im vorhandenen Zustand bleiben.

Tacho in der Fahrradlampe

Mit seiner drehmomentorientierten Ochsencharakteristik und dem satten Langhub-Schlag benötigte der 828-ccm-Gleichläufer nur Zuwendung bei der Optik. Zwischen Motor und Rahmen sollte sich zudem schwungvoll eine selbstgebaute Niro-Auspuffanlage schlängeln. Den Lederapplikationen nahm sich eine Bekannte des Hauses an. Für das Drechseln und Zuschneiden sämtlicher Holzteile war ein befreundeter Tischler zuständig.

Eine Norton für die Ewigkeit

Über den in Perlmutt-Braun lackierten Rahmen und die Alu-Teile brachten die Jungstars feine Blattgold- und Linierarbeiten auf. »Und den Schlussgedanken am Heck – ‚…gute Nacht John Boy‘«. Schließlich heißt das Bike »Walton«.
Aber halt, natürlich ist der Name auch ein neckisches Wortspiel: »Walton ergibt sich aus dem Vornamen des Besitzers Walter und dem Hersteller des Motors Norton. Alles klar?«

Anzeige
DM 1/26
Vor allem mit extrem schmalen Reifendimensionen setzt sich die »Walton« vom Rest der Customwelt ab

Info | Blechmann

Anzeige
CB 1/26



Modell Norton Commando 850
Baujahr 2010

Motor
Typ Zweizylinder-Viertakt, ohv-Zweiventiler
Hubraum 829 ccm
Bohrung x Hub 77 x 89 mm
Zündung Boyer Elektronik
Vergaser Amal, Ansaugstutzen Blech & Drüber
Auspuff 2-in-2 Blech & Drüber
Getriebe Viergang mit Handshifter
Sekundärtrieb Kette
Leistung 55 PS bei 6200/min
Drehmoment 56 Nm bei 5000/min
Vmax 170 km/h
Fahrwerk
Rahmen Blech & Drüber-Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, starres Rahmenheck
Gabel Blech & Drüber VA
Räder vorn 3.00 x 21, hinten 40-Speichen-Felge mit 2,75 x 21
Bremsen vorn Grimeca-Trommelbremse, hinten Ritzel-Bremse hydraulisch mit Nissin-Bremszylinder
Zubehör
Tank Blech & Drüber
Heckfender, integrierter Öltank Blech & Drüber
Lenker Blech & Drüber
Startnummern Blech & Drüber
Scheinwerfer Shifter
Rücklicht Shifter
Armaturen Alu Blech & Drüber
Kennzeichenhlt. seitl. Blech & Drüber
Metrie
Leergewicht 210 kg
Radstand 1610 mm

Beitrag veröffentlicht

in

von

Fotos: Carsten Heil
Fotos sind urheberrechtlich geschützt

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x