Wie aus der Vollblut-Enduro Honda XL 500 ein hübscher Flat Tracker wurde, überschaubares Umbau-Budget inklusive
Die Sache mit den finanziellen Obergrenzen ist nicht so unklug. Viel Geld kann man heute in Motorräder versenken, und wenn einer irgendwann mal ein Zweirad zur Ikone erkoren hat, folgen recht schnelle steile Preisanstiege auf den gängigen Verkaufsplattformen. So wurden in den letzten Jahren Motorräder, die einem früher hinterhergeschmissen wurden, zu teuren Perlen … und manch japanischer Softchopper in Gold aufgewogen.
Manche Trauben hängen zu hoch
Kultig ist auch Yamahas XT 500, die erste Großserien-Enduro mit Einzylinder-Viertaktmotor und für nicht wenige ein feuchter Rabaukentraum. Indes, diese Traube hing für Gordon zu hoch, zu irrwitzig hat sich die Preisspirale hier in den letzten Jahren nach oben gedreht.

1.000 Euro hatte er sich als Limit für sein Basisfahrzeug gesetzt, und dafür gibt’s die XT halt nur im Schrottzustand. Also hieß es, bei der Konkurrenz zu wildern, und hey, auch eine Honda XL 500 ist mittlerweile ein Klassiker. Für 800 Euro schlug Gordon zu, das Bike war als Bastlerfahrzeug deklariert. Super, denn basteln, das wollte Gordon unbedingt.
Honda XL 500 – VON DER ENDURO ZUM FLAT TRACKER
Die Richtung stand von Beginn an fest. Noch während er an einem Cafe-Racer-Projekt schraubte, war klar, dass die Eighties-Enduro ein Flat-Track-Schwänzchen bekommen würde. Ihr seht schon, in Gordons Garage geht’s sportlich zu. »Wobei, die Richtung ja, aber einen echten Plan, den hatte ich dann eher doch nicht. Das entsteht bei mir beim Bauen«, erklärt der Mann aus Lengede.

Durch Zufall bekommt er die Upside-Down-Gabel einer Honda CR 500 angeboten, und siehe da, passt sogar fast genau. Und weil eine Scheibenbremse dann doch mehr Wirkung als eine Trommel entfaltet, war der Punkt auch schnell geklärt, »obwohl eine Scheibe in Kombination mit einer USD-Gabel doch ein kleiner Stilbruch ist«, gibt sich Gordon selbstkritisch. Die großen Herausforderungen sollten da noch vor ihm liegen.
SCHWIERIGE ERSATZTEILBESCHAFFUNG
Was auf Youtube einfach aussieht, ist es nicht immer. »Ein paar Liter Argon dürften in Luft aufgegangen sein«, Gordon schweißte bei seiner Krümmeranlage zum ersten Mal im WIG-Verfahren. Bis die Schweißnähte akzeptabel waren, dauerte es. Noch schlimmer gestaltete sich die Revision des Motors.

Nicht der Mangel an Können, sondern die ungeahnt schwierige Ersatzteilbeschaffung trieben hier dicke Schweißperlen auf die Schrauberstirn. »Egal ob Zubehör oder original, das Angebot ist da echt mager«, weiß Gordon heute. So blieben nur Bestellungen im Ausland übrig, elend lange Lieferzeiten inbegriffen.

Ebenso herausfordernd die neue Verlegung der Elektrik. »Da habe ich mich in der Palette von Axel Joost bedient, mit ein bisschen Sachverstand kommt man damit gut zurecht«, sagt der Hobby-Customizer.
Honda XL 500 – KEIN SHOWBIKE, ABER AUCH KEIN ALLTAGSGERÄT
Neun Monate Bauzeit investierte Gordon in die XL, immer wenn Zeit war eben. Pünktlich zur Custombike-Show im letzten Dezember war der Tracker fertig. »Bei den Gesprächen dort ging es sehr konstruktiv zu. Gerade die Kritikpunkte waren wichtig für mich«, erinnert er sich. Nach der Ausstellung legte er nochmal Hand an, ein paar kleine Veränderungen mussten noch sein. Und eine neue Lackierung hat die Honda auch nochmals bekommen. Aber ansonsten alles bestens in Lengede.

Seine Umbauten nutzt Gordon übrigens nur als Schönwettereisdielenmopeds, wie er offen zugibt. »Ist eigentlich Blödsinn«, sagt er selbst, »aber seien wir doch mal ehrlich: Die Mehrheit der Custombikes sind halt nicht unbedingt für eine 500-Kilometer-Tour gemacht. Mir geht’s da eher um den Spaß am Schrauben, Umbauen und um meine Liebe zu Zweirädern. Und wenn dann doch mal eine Ausfahrt bei gutem Wetter ansteht, dann ist jeder Kilometer ein Hochgenuss.«






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