Wer Schottland sagt, der denkt an Nebel, Regen und Männer in Röcken. Wer einmal da war, der kennt wunderschöne Motorradtouren, urige Kneipen, gutes Essen und gastfreundliche Menschen.
Als Bike für die anstehende Schottland-Tour soll mir eine 2007er Harley-Davidson E-Glide mit Vollausstattung und dem neuen 96cui Motor dienen. Meine Begleitung will die Highlands auf einer Honda CBF 1000 unter die Räder nehmen. Uns Schottland-Neulingen verspricht die geplante Tour das volle Programm. Von den Whisky-Destillerien über Schlösser, Seen und die Hauptstadt Edinburgh haben wir alles auf dem Plan, was Schottlandreisende sehen müssen.
Erstmal Von Hamburg nach Belgien
Die Anreise erfolgt mit den Bikes von Hamburg nach Zeebrügge in Belgien, wo die Fähre von Superfast Ferries schon auf uns wartet. Nach einem problemlosen Check-In und einer kurzen Zollkontrolle geht es an Bord. Die Bikes sicher verzurrt, können wir unsere Kabine beziehen und ganz entspannt die Nacht verbringen. Nach einem kräftigen Frühstück treffen wir in Rosyth, nahe Edinburgh, ein.

Linksverkehr heißt das Stichwort ab hier, doch die Umgewöhnung klappt erstaunlich schnell. Schon nach wenigen Kilometern Autobahn verlassen wir die Schnellstraße in Richtung unseres ersten Zieles, Blair Atholl. Über Dunfermline geht es bei bestem Wetter über herrlich kurvenreiche Strecken in die Wildnis, bis plötzlich die Tankanzeige Alarm anzeigt und sich leichte Panik breitmacht. Wo nun mitten in den Bergen Benzin bekommen?
Zapfsäule much needed
Doch das Navi hat glücklicherweise ein Verzeichnis mit Tankstellen. Die Blechkiste führt uns über immer coolere Strecken mit Ziegen und Schafen auf der Fahrbahn in Richtung Kinloch Rannoch. Ich habe keine Ahnung, was die Harley auf den letzten Kilometern verbrennt, doch Benzin kann es kaum noch gewesen sein. In einem kleinen Dorf dann die Erlösung: zwei Zapfsäulen.

Doch wie kann man tanken und wo bezahlen? Nach kurzer Überlegung sehen wir ein kleines Schild »Bezahlen beim Kiosk«, der auch gleichzeitig Post, Supermarkt und wahrscheinlich auch noch Standesamt war. Zum Glück finden wir diesen Weg, denn die weitere Strecke über Aberfeldy, Weem und Tummel Bridge zum Dalgreine Guest House in Blair Atholl ist ein echter Traum und schließt mit einer netten Begrüßung des Inhabers unserer B&B-Unterkunft. Früh aufstehen und Gas geben ist am zweiten Tag angesagt, denn auch der ist vollgepackt mit Attraktionen und wie die ganze Tour unglaublich schöner Natur, vielen Kurven und überall netten Menschen. Wir machen einen kurzen Besuch beim Schloss in Blair Atholl und ab geht’s Richtung Laggan und Newtonmore, wo Teile der populären Fernsehserie »Monarch of the Glen« gedreht werden.
Schottischer Charme
Kleine Dörfer mit dem typischen schottischen Charme und … Tankstellen liegen auf dem Weg. Trotzdem haben wir zur Sicherheit voll getankt, bevor wir uns das Highland Folk Museum ansehen, in dem auf einem großen Außengelände das altertümliche Leben und Gebäude aufwendig rekonstruiert wurden. Nach so viel Kultur finden wir es an der Zeit, uns das Ganze von oben anzuschauen und fahren Richtung Aviemore. Kurz vor der Stadtgrenze drehen wir ab in Richtung Coylumbridge, um mit der Cairn Gorm Mountain Railway zum höchsten Restaurant Schottlands zu fahren.

Nach einer spektakulären Aussicht auf der Fahrt zur Bahn haben wir das Glück, bei bester Sicht über 100 Kilometer weit sehen zu können. Mit unserem Tag drei kommen wir zur Abteilung »wer nicht hören will, muss Vollgas geben«. Wir starten unsere Tour in Richtung Loch Ness. Vorbei am Laggan Damm über Roybridge, fahren wir über recht zugig zu befahrende Straßen bis nach Laggan, wo der Great Laggan Waterpark zu den Attraktionen gehört.
Die Harley pfeift aus dem letzten Loch
Unsere Tour sollte uns ursprünglich nicht zum Eilean Donan Castle führen, wo der Film Highlander gedreht wurde, doch da müssen wir hin, ist unsere einhellige Meinung. Das Schloss ist ein echtes Erlebnis. Nach einem kurzen Snack zurren wir das Gepäck besonders fest und geben den Bikes die Sporen. Die E-Glide pfeift auf dem letzten Loch, Auspuffanlage und Trittbretter immer in beängstigender Bodennähe, während die Honda voll in ihrem Element ist.

Lange Kurven, übergehend in Spitzkehren und immer wieder kurze gerade Strecken, um die vierrädrigen Bremsklötze zu überholen, das ist Motorradfahren pur. Bei einem kurzen Zwischenstopp, für den man sich mehr Zeit nehmen sollte, stehen wir gegen 18 Uhr beim Urquhart Castle fast vor verschlossenen Türen. Mit viel Überredungskunst können wir noch ein paar Fotos schießen und den Blick über das legendäre Loch Ness genießen; ohne jedoch das Ungeheuer zu sehen. Nachdem die Bikes und wir uns von der Vollgastour zum Eilean Donan Castle erholt haben, sollte der Tag etwas gemächlicher gestartet werden, schließlich ist man ja keine 20 mehr.
Der Whisky-Trail in Schottland
Von Inverness fahren wir zunächst zum »Culloden Battlefield«, wo die verlorene Schlacht von 1746 das Ende der Clan-Dynastien bedeutete. Die Strecke führt uns am Ufer des Moray Firth, einer tiefen Bucht, entlang. In der Nähe von Nairn, nahe dem Battlefield, liegt das Cawdor Castle, das zu den wohl schönsten seiner Art gehört. Mit einem wunderschönen Garten und sehr gut erhaltener Substanz ist es sehr empfehlenswert.

Nicht weit entfernt in Burghead befinden sich die Strände und kleinen Häfen, von denen man mit etwas Glück Delfine beobachten kann. Ein gutes Stück der Strecke nach Craigellachie führt uns entlang des berühmten Whisky Trails zur Hochburg der Whisky-Destillerien bis Dufftown, wo sich die Glenfiddich Destillerie befindet. Hier sollte man auch die Übernachtung einplanen, denn ein Whisky Tasting gehört einfach dazu. Die nächste Etappe führt uns ins nahe gelegene Arbroath zu einem Stopp an einem kleinen Wasserfall, bevor es weiter in die Hafenstadt Arbroath geht.
Check in in Edinburgh
Hier entdecken wir unzählige Fischräuchereien und Restaurants, in denen man die kleinen Räucherfische und andere Spezialitäten auf jeden Fall probieren sollte. Auf dem weiteren Weg nach Crail befindet sich der Bunker, der jahrelang Schottlands best gehütetes Geheimnis war. Dieser ist zugänglich und zeigt mehrere Stockwerke unter der Erde die Zufluchtsstätte hoher Beamter, für den Fall einer Bedrohung von außen. Wenige Minuten weiter übernachten wir im verschlafenen Küstenstädtchen Crail mit einem sehenswerten kleinen Hafen und Kunsthandwerksbetrieben.

Als Alternative empfiehlt sich zehn Meilen südlich Kilrenny, wo das Schottische Fischereimuseum steht. Auf der Route zurück nach Edinburgh machen wir einen Abstecher an die Rennstrecke »Knockhill Racing Circuit«. Hier finden viele Rennveranstaltungen statt, und an rennfreien Tagen kann man selbst mit einem gemieteten Formelauto und anderen Fahrzeugen die Strecke testen. Am Nachmittag checken wir im Bed and Breakfast in Edinburgh ein und erkunden die Stadt.
Stadtrundfahrt, ausnahmsweise mit dem Bus
Anzuschauen gibt es hier genug. Das Schloss, das »Whisky Heritage Center«, die Einkaufsmeile Princes Street oder die »Royal Mile« mit seinen mittelalterlichen Gebäuden. Am letzten Morgen in Schottland schließlich noch das obligatorische Pflichtprogramm für jeden Edinburgh-Besucher. Eine Stadtrundfahrt mit einem der zahlreichen Busse gibt einen Eindruck von den Gegensätzen zwischen der historischen und modernen Architektur der Stadt. Die Rückfahrt zum nördlich von Edinburgh gelegenen Hafen Rosyth ist schnell erledigt. Schon an der Fähre treffen wir einige Biker. Unsere letzte Nacht vor der Heimfahrt sollte kurz werden …

















