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Motorradlackierung – History of Flame Painting 

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Erst loderten sie auf Hot Rods und Muscle Cars, später auf Tanks und Schutzblechen der Chopper. Ein Rückblick in die Geschichte der Motorradlackierung.

Flammenlackierungen gehören zu Custombikes wie kaum ein anderes Styling-Element. Flammen gehören zu den ältesten, nicht serienmäßigen Ornamentierungen auf dem Lack. Forscht ihr jedoch nach den Ursprüngen, kann euch niemand genaue Jahreszahlen nennen. Timothy Phelbs, Szenekenner und Autor des Buches »Up in Flames«, führt das darauf zurück, dass Kameras in früheren Zeiten nur von Spezialisten bedient werden konnten. Und darauf, dass nicht einer der frühen amerikanischen Lackakrobaten, die ja ihre Fahrzeuge just for fun lackiert hatten, je einen Gedanken daran verschwendet hätte, seine Arbeit könnte jemals von historischer Bedeutung sein. So fehlt uns schlicht die Dokumentation solcher Lackarbeiten an Fahrzeugen.

Von Dutch als Wegbereiter

Okay, schon auf Bildern von Flugzeugen und einigen Indianapolis-Race-Cars aus den dreißiger Jahren finden sich grob ausgeführte Flame-Paint Jobs. Das sind allerdings Werke, die wir heute eher als Scallops bezeichnen würden: Sie sahen aus, als ob der Fahrtwind eine vorne aufgebrachte Farbe in Streifen nach hinten verteilt hätte. Und logisch – die Schöpfer dieser Lackierungen blieben unerwähnt. Erst als in den fünfziger Jahren die ersten Hot-Rod-Magazine aufkamen, änderte sich das. Hört man sich in der Szene etwas um, so kommt immer wieder der Name „von Dutch“ ins Spiel.

Urknall: Bereits in den Dreißiger Jahren entstanden grob gestaltete Scallops, die Vorläufer der Flammen

Kenny Howard, alias Von Dutch, hatte sich einen Ruf als Pinstriper erworben, weil er die schon in den dreißiger Jahren von den Autofirmen aufgegebene Technik des Handlinierens in den Fünfzigern wieder aufleben ließ. Und – das muss an dieser Stelle explizit herausgehoben werden – er arbeitete bis Mitte des Jahrzehnts zunächst nur an Motorrädern. Howard kombinierte seine von Hand gezogene Streifenarbeit mit Flammen, die er zuvor an offen loderndem Feuer studiert hatte. Er inspirierte mit seinen Verknüpfungen von Feuer und Pinstripes viele aufkommende Künstler. So auch Dean Jeffries, der als der Erste gilt, der einem Fahrzeug ein komplettes Custom Painting verpasste: also von der kompletten Grundlackierung bis zum Flammendekor und dem abschließenden Pinstriping. Einen alles versiegelnden Klarlack gab es allerdings noch nicht, genauso wenig wie Zeitschriften für Custombikes.

Alte Techniken mit neuem Lack

In den späten Fünfzigern traf Kenny Howard auf den deutschstämmigen Edward Roth, den sie später Ed »Big Daddy« Roth nannten. Ed war Möbelschreiner von Beruf und ein begnadeter Allround-Handwerker. Er baute auf genialste Art Fahrzeuge zu Showobjekten um und lackierte sie selbst – natürlich auch geflammt. Aber richtig berühmt wurde Ed durch seine Zeichnungen: Das Monster Rat Fink beispielsweise wurde zu einer der Leitfiguren der Kustom Kulture. Jeffries, Roth und Howard befruchteten sich durch ihre Arbeiten gegenseitig. Und sie wurden zu den starken Vorbildern, welche die Flame-Paint-Jobs in die sechziger Jahre trugen.

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Loderndes Feuer: In den frühen Fünfigern kamen Flammen und handgemalte Outlines

Mitte der Sechziger wandelte sich die Auto-Szene nicht nur in Sachen Flammenlackierungen. Auch die Hot Rods traten mehr und mehr in den Hintergrund. Dafür hatten die Lackierer mit den Perl-Effektlacken und neuen Techniken nun andere Möglichkeiten, was vorübergehend die züngelnden Flammen auf Autos verschwinden ließ. So wie die Flames auf dem Rückzug waren, so drängten durchscheinende Pearls, Eerie-Dess-Lacke, grobmetallisches Metallflake, Airbrush-Gemälde, Cob-Webbing, Lace-Painting und andere Effekt-Techniken auf den Markt. Im Jahre 1967 brachte Big Daddy Roth weltweit das erste Magazin für Custombikes heraus. Und in diesem »Choppers Magazine« waren sie wieder zu sehen: Flammen auf Motorradtanks, auf Schutzblechen, auf den Rahmenrohren.

Blattgold, Schlepper, Pinstriping

Nachdem weitere Publikationen wie Big Bike oder Street Chopper die Szene belebten, wurden gerade an Choppern die alten Flame-Job-Techniken mit neuesten Lacken ausprobiert: Vreeble-Lacke, die nach dem Trocknungsvorgang gezielt Risse bekamen und mit 8–10 Schichten Klarlack versiegelt werden mussten. Oder das Sponge Painting, was nichts anderes war als ein vorsichtiges Betupfen der Lackflächen mittels eines leicht in Farbe getunkten Schwammes. Carl Caiati, Autor, Lackierer und freier Mitarbeiter diverser Chopper- und Custom-Car-Magazine, zeigte in seinem Handbuch, wie es gemacht wird. Wie Flammen aussehen können, wie Blattgold in die Flammen integriert wird und wie man mit den Dagger-Brushes, den Schlepper-Pinseln, ein Pinstriping aufbringt, das zum optischen Einfassen der Flammen dient.

Farbige Übergänge: Nach und nach wurden die Flammen ausgefeilter, komplexer und bunter

Nicht nur Caiati wusste, dass man einen Flame Job“am besten mit dünnem, circa 4 mm breitem Klebeband beginnt, mit dem mit Fantasie und ruhiger Hand die Außenlinien der Flammen direkt auf dem Lack gelegt werden, bevor die nicht zu lackierenden Flächen abgeklebt werden und der Farbauftrag beginnen kann. Herb Martinez, den sie wegen seiner außergewöhnlichen Pinstripe-Fähigkeiten den Line Doctor nennen, weiß noch genau, dass er in den Jahren 1970 bis ’72 überwiegend Chopper mit Flammen veredelte. Herbs Spezialität sind Flames, die er mittels Sponge Painting mit den schillerndsten Farben auffüllt und – was sonst – mit Pinstripes einfasst. Herb war als Teenager beeinflusst von dem Motorradliebhaber und Pinstriper Tommy »The Greek« Hrones, der heute vor lauter Von-Dutch-Verehrung fast vergessen ist. Ende der sechziger Jahre stand Herb – gerade in Bezug auf Flames – ganz extrem unter dem Einfluss von Art Himsl. Art, der eigentlich aus Minnesota stammte, hatte sich 1949 in Kalifornien festgesetzt, wo er seitdem als Lackierer wirkt. In den Siebzigern veranstaltete Himsl auch Custombike-Shows. Art Himsls Spezialität sind heute dreidimensionale, Schatten werfende Flammen.

Flammen sind heute allgegenwärtig

Ein anderer, der auch in Minnesota geboren ist, jedoch immer wieder dorthin zurückkam, ist Dave Bell. Über diesen motorradverrückten Mann werden wir bald mehr zu berichten wissen, denn Bell hat mit seinen Chopper- und Hot-Rod-Karikaturen fast mehr Ruhm geerntet als mit seiner Lackierkunst, die trotzdem nicht unterbewertet sein sollte. Daves Flammen zeichnen sich durch ein geniales Fließverhalten aus – was meinen soll, dass sich seine Kreationen wie echt vom Wind getrieben um das lackierte Objekt schlängeln. Und Dave Bell akzentuiert seine Flammen schon seit Ewigkeiten mit Pinstripes, die in ihrem Verlauf zur Flammenspitze ihre Farbe wechseln.

Stilisierte Flammen und phantasievolle Designs brachten die Seventies

Okay, in unserer Auflistung fehlen noch ganz gewichtige US-Größen wie George Barris, Robert E. Dunn, Pete Finlan, Dennis Ricklefs, Craig Fraser oder Rod Powell. Eine Liste, die natürlich auch mit einigen europäischen Namen zu ergänzen wäre … denn spätestens seit den siebziger Jahren wurde das Blech-Feuer auch bei uns immer beliebter. Und neue Ideen – siehe Celtic- und Tribal-Flames – kommen heute nicht ausschließlich aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten.

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