Für unter 1000 Euro Budget brachte Daniel seine zabaione-gelbe Moto Guzzi V65 wieder auf die Straße – als Cafe Racer.
Ein Druck auf den Anlasser. Sie läuft. Klar, sagen die Guzzisti. Eine Guzzi springt immer an und begeistert die Umwelt mit einem tiefen Brabbeln aus den beiden Auspuffrohren. Patsch! Das war’s. Daniel lässt den Anlasser orgeln. Aber sie will nicht mehr. Das ist wohl der berühmte Vorführeffekt, die seltene Ausnahme der Regel.
Schieben, schieben
Die Batterie geht in die Knie. Wir schieben und schieben, und endlich ist er wieder da, der sonore Zweizylindersound aus Mandello. Sag ich doch: Vorführeffekt.

In den 70er Jahren hatte die Traditionsfirma Moto Guzzi das Angebot um eine kleine Baureihe erweitert. Die V 65 ist dabei die hubraumstärkere Schwester der V 35 und V 50. Signifikantes Merkmal ist die Lagerung der Aluminiumschwinge im Getriebe. Die kleinen Signoras aus Mandello konnten nie den Ruf großer Zuverlässigkeit für sich verbuchen.
Elektronik-Überraschungen
Vor allem die Elektrik sorgte immer wieder für unliebsame Überraschungen und den zwangsweisen Aufenthalt in der Werkstatt. Schwamm drüber. Daniel sah diese V 65 bei einem Händler stehen. Ihm gefiel der V2-Motor und das schlanke Design.

Was interessierten ihn die alten Geschichten von damals? Für 1500 Euro holte er sich die Italienerin in die Garage. Der Vorbesitzer wollte sie restaurieren und hatte schon in jede Menge Neuteile investiert, fand nun aber nicht mehr die Zeit dazu. Neue Reifen, neue Batterie und viele Ersatzteile ließen den Kaufpreis dann gleich unter einem anderen Licht erscheinen.
Bitte schlank
Das serienmäßige Outfit entsprach nicht Daniels Vorstellungen. Ihm schwebte ein schlanker Racer vor. Aufgebaut mit den technischen Mitteln, die ihm zur Verfügung standen, und einem möglichst geringen finanziellen Einsatz. »Ich konnte meinen Vater für dieses Motorrad begeistern«, erzählt Daniel.

»Er sagte mir sofort Unterstützung zu. Zuerst bauten wir alle überflüssigen Teile wie Sturzbügel oder Luftfilterkasten ab. Dann überprüften wir Motor, Antriebsstrang und Fahrwerk. Ein paar Dichtungen hier, ein paar neue Schrauben da, eine neue Zündung – die Ersatzteilkosten summierten sich.
Teile für Lau
Den verharzten Vergasern spendierte ich eine Ultraschallreinigung. Mein Budget schmolz wie Butter in der Sonne!« Für die optische Renovierung blieb nicht mehr viel Bares übrig. Aber es gibt tatsächlich noch motorradfahrende Zeitgenossen, die aus der verstaubten Wühlkiste in der Garage etwas verschenken. Die Lampe und den Lenkerstummel hatte er schon für lau ergattert.

Rücklicht und Lichtschalter waren ein Gewinn bei 3, 2, 1 … meins. Die Lampenhalter überließ ihm ein Gönner aus dem Guzzi-Forum für einen Zwanziger. »Die Doppelsitzbank passte überhaupt nicht in meine Vorstellungen, ebenso wenig die biederen Kotflügel. Das vordere Sitzbankunterteil sollte jedoch als Basis für meinen geplanten Solositz dienen«, erklärt Daniel seine weitere Vorgehensweise.
Umbaukosten schonen
Nur nichts wegwerfen. Die originalen Kotflügel taugten für den Umbau. Geflext hier, abgeschnitten da, gebohrt und angepasst. Das kostete nichts außer Arbeitszeit und half, die Umbaukosten zu schonen.

»Lange diskutierten wir über die richtige Platzierung des Hecks. Wo genau soll der Rücklichthalter montiert werden? Wie weit oben darf das Nummernschild sein, ohne dass die schlanke Linie des Bikes gestört wird? Dabei wurde schon die ein oder andere Bierdose geleert«, erklärt Daniel.
Ferrari-Gelb, aha!
Ja, man sieht es deutlich: Die Entlüftungsschläuche des Motors enden in einer Dose Carlsberg. Vor Saisonbeginn erhielt die V65 noch eine neue Lackierung. Gelb. Italienisches Zabaione-Gelb.

Die autofahrende Zunft sagt auch Ferrari-Gelb dazu. »Ich habe die Lackierung selbst vorbereitet. Zuerst grundiert und dann stundenlang geschliffen. Keine schöne Arbeit!«, erinnert sich Daniel.
Budget unterboten, keine tausend Euro
Tank und Kotflügel waren nach dem Farbauftrag schnell montiert. In der Garage stand eine stolze Mannschaft. Alle, die geholfen hatten: Daniels Vater Stefan, Franz, der einen Teil der Blecharbeiten und die Lackierung erledigt hatte, und der König. Er hatte den Lampenhalter poliert. Die Kosten? Der größere Teil des Budgets musste in die technische Renovierung gesteckt werden. Das optische Aufpeppen kostete nur 364,55 Euro. Gesamtkosten: 810,57 Euro. Das ist doch was, besser gesagt nicht viel, um eine V65 mit individuellem Outfit wieder auf die Straße zu bringen.













Hoffentlich hält das Getriebe, das geht nämlich gerne kaputt. Ich hatte auch mal ’ne V65. Über 40000km hatte ich drei Getriebeschäden. Zum Schluss ist auch noch ein Ventil abgerissen. Danach hab ich die Karre in Teilen verkauft. Die Elektrik war das geringste Problem.
Manche Teile von der V65 habe ich an meiner V1000SP noch jahrelang weiter verwendet. Zum Beispiel die Elektrik und die Schalldämpfer, nachdem ich mir passende Halter gemacht habe.