Yamaha XS 650 – Wenn drei das gleiche tun, muss es noch lange nicht dasselbe sein – und auch nicht das gleiche kosten.
Es begann einst in Faak, beim größten Harley-Treffen Europas. Eberhart, Herbert und Reiner waren berufsbedingt vor Ort, kamen aber leider nur gelegentlich in den Genuss, zweirädrig die Gegend zu erkunden.

Daran war aber nicht – wie man auf den ersten Blick denken könnte – die fehlende Zeit, sondern das fehlende eigene Bike schuld. Und damit sich diese Situation im Folgejahr nicht wiederholen konnte, fassten die drei einen Entschluss: »Irgendwann sie in Faak mit dem eigenen Bike aufkreuzen. Alt und individuell sollte es sein, natürlich auch nicht allzu viel kosten.«
Die Yamaha XS 650 lief seit Jahren nicht mehr
Die Sporty vom Reiner war bereits bekannt, er hatte mit ihr unseren Custombike-Wettbewerb gewonnen. Herbert wählte für sein Vorhaben eine Yamaha XS 650, Baujahr 1978. Diese führte damals ein schnödes Dasein, denn sie stand bereits seit zehn Jahren abgemeldet auf dem Söller einer Schreinerwerkstatt.

Das Teil befand sich nahezu im Originalzustand, lediglich der E-Starter war schon raus, sodass zum Anlassen nur noch der Kicker vorhanden war. Das passte absolut zu Herberts Vorstellungen von einem minimalisierten Bike. Sogar die Anzahl der Sitzplätze war von Anfang an mit nur einem vorgegeben.
Ran an den Rahmen
Dieser wiederum sollte ein Schwingsattel sein, und der Heckfender sollte mitschwingen. Zum Erreichen dieser Vorstellung musste zwangsläufig am Rahmen Hand angelegt werden.

Der gesamte hintere Teil inklusive der Federbeinaufnahmen fiel der Flex zum Opfer. Ein handgedengeltes Blech füllte die Lücke und ermöglichte die Aufnahme von Sattel und Stoßdämpfern. Für den tieferen Sitz wurde die Schwinge um ein gutes Stück verlängert.
Mitschwingendes Schutzblech
Da die alte Kette sowieso fratze war, wurde direkt eine längere geordert, deren Kosten unter »Reparatur« abgelegt werden konnten. Das nun mitschwingende ehemalige Ural-Schutzblech bekam trotz Innenverlegung der Rücklichtzuleitung einen besonders knappen Sitz über dem Reifen verpasst.

Und der ist jetzt so minimal dimensioniert, dass die komplette Einheit beim Spannen der Kette mit versetzt werden muss. Dieserhalb und desterwegen ist die Halterung nicht direkt an die Schwinge geschraubt, sondern geklemmt.
Yamaha XS 650 mit Frästeilen
Bei den weiteren Modifikationen kam Herbert sein Beruf zugute – er kann nämlich prima CNC-Fräsen. Somit war es für ihn sozusagen eine Kleinigkeit, eigens geschriebene Fräsprogramme ablaufen zu lassen.

Zwei Glanzstücke (nicht, weil sie poliert sind) sind zum einen das Tachogehäuse mit Kontroll-LEDs und verdeckter Kabelführung und zum anderen der Lampenhalter mit integriertem Bremsverteiler. Dabei stellte bei Letzterem die Herstellung der eigentlichen Form noch keine so große Anforderung dar.
Löcher über Löcher
Mit einem 20 cm langen 3 mm-Bohrer wurde von der Seite her, durch das Befestigungsloch, die Innenverteilung gebohrt. Um das System abzudichten, folgte ein M4er Gewinde, welches mit zwei Madenschrauben und Loctite verschlossen wurde. Anschließend folgten drei weitere Löcher, die sich mit der 3-mm-Stechbohrung trafen – für die Anschlüsse mit dem entsprechenden M10er Gewinde.

Da er sich den Lenker aus einem 26 mm-Rohr selbst bog, konnte er nicht auf zölliges Zubehör aus dem eigenen Hause zurückgreifen, sondern musste auch an den Risern, den 22 mm-Armaturen und dem Tachogehäuse selbst Hand anlegen. Letzteres bekam das Design einer Hutmutter verpasst, da sich diese zuhauf am Bike befinden.
Yamaha XS 650 – auf nach Faak
Auf den Riserabdeckungen und diversen Deckeln brachte die Fräse dann noch Herberts Initialen als Logo auf. Insgesamt war er dann auch wesentlich früher mit der Karre fertig als Reiner. Egal – der hat es ja bekanntlich auch geschafft, und so konnten sie in Faak jede Menge Kilometer abreißen.















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