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Oberste Hausbauregel für Männer: Vergiss dein eigenes Zimmer nicht – selbst wenn es am Ende im Keller liegt. Heute also »Show me your Kellerzimmer« statt »Show me your Garage«.

Chris hat mal Bauzeichner gelernt, sein Schwager ist Architekt – das hat zwar zunächst gar nichts mit Motorrädern zu tun, ist aber elementar wichtig, wenn es um diese Garage geht. Wobei, eine Garage ist es nicht mal direkt, sondern vielmehr ein Raum im Keller des Eigenheimes. »Ein Zimmer durfte ich allein für mich haben«, schmunzelt Chris, als er an die Planungen zu seinem Haus zurückdenkt. Tatsächlich, einen Raum hatte ihm die Allerliebste zugestanden, eine »Man Cave« nur für sich allein. Chris, schlau, wie er ist, dachte und plante ordentlich. Das »Zimmer« befindet sich nun im Keller des Hauses, mitsamt Tiefgarage.

Show me your Garage – Chris werkelt gerne im Keller

Und weil Chris Freunde hat, wurde groß genug gedacht, um alle unterzubringen. Jens, der beste Freund, ist hier schraubertechnisch genauso zu Hause wie Bilal, den Chris übers Motorradfahren kennengelernt hatte. Dazu springt Sohn Tony herum und bastelt an der eigenen kleinen Werkbank, »der ist da einfach so mit reingewachsen, da musste ich gar nichts weiter machen«, aus Chris spricht der Vaterstolz. Schon früher hatte Chris in einem alten Keller gewerkelt, Motorräder begleiten ihn ein Leben lang. Vor allem die schnellen Karren, Rennstreckenerfahrung gibt es genauso wie Stuntrides, seinerzeit sogar im Fernsehen gesendet.

Die Honda CX soll, mit Turbo versehen, hart angreifen

Durch Chris ist schließlich auch Jens zu den Motorrädern gekommen, hat Blut geleckt und arbeitet hinten in der Werkstattecke an seinem FlatTracker. Ein Sofa mitten im Raum muss für die Gemütlichkeit ausreichen, ansonsten ist alles wohlsortiert und aufgeräumt. Kein unnötiger Krempel an den Wänden, keine Berge von Kitsch und Devotionalien, »wir machen die meisten Arbeiten an den Bikes selbst, da braucht es Ordnung, so viel Platz ist ja dann auch nicht.« Pulvern, schweißen, bohren, hohnen – das sind Dinge, die sie hier nicht leisten können. Dafür reichen weder Platz noch Maschinen.  

»Gerade fürs Schweißen haben wir einen Glückstreffer gelandet«

Aber sie haben gute Leute gefunden, die genauso angefressen sind wie sie und die Experten in diesen Arbeiten sind. »Gerade fürs Schweißen haben wir einen Glückstreffer gelandet«, erzählt Chris, »einer, der es richtig kann und nicht weit weg wohnt. Überhaupt ist es wichtig, coole Leute zu finden«, schrauben im Einzelkampf ist nicht sein Ding. Tatsächlich hatten die Freunde auch mal kurz überlegt, Mopeds für andere zu bauen, die Idee aber schnell wieder verworfen. »Für Freunde, das ist okay, aber ansonsten wollen wir doch lieber nur unser Ding machen.« Dafür gibt es eine große Auswahl an Werkzeugen, eine ordentliche Werkbank, Kompressor, Pflegemittel. »Und einen Fernseher, wenn wir doch mal auf dem Sofa versacken.«

Keine Nachwuchssorgen. Zwischen Bilal, Chris und Jens springt dauerhaft auch Tony herum, interessiert sich für alles, was zwei Räder hat und macht die Jungs verrückt. Wenn dann doch mal Ruhe ist, darf über neue Projekte sinniert werden

Tatsächlich fällt aber ein Gerät in der Werkstatt sofort auf, der 3-D-Drucker. Was in großen Teilemanufakturen längst Standard ist, sorgt in Chris’ Werkstatt für richtig Spaß. Die Iron-Man-Masken zeugen von der Comic-Affinität des Schraubers, im Motorradbereich können die modernen Drucker aber noch viel mehr. »Im Prinzip können wir uns hier kostengünstige Prototypen schaffen. Wenn was mal nicht funktioniert, designt man es eben neu. Theoretisch könnten wir die so geschaffenen Teile dann aus Alu oder was auch immer fräsen lassen«, erklärt er.

Show me your Garage – Prototypen aus dem 3D-Drucker

Ob Sitzhöcker oder Tachohalterung, vieles ist mit den modernen Geräten möglich, »Sowas mit traditioneller Schrauberei und Handwerk zu verbinden, find ich einfach spannend.« Für Jens’ Flat-Tracker ist schon ein bisschen was in die Richtung geplant.« Und dann entdecken wir da noch was auf einer der zwei Hebebühnen in der Männerhöhle: Honda CX und Turbo verraten die Notizen, die auf der großen weißen Tafel stehen. »Aber das ist eine andere, neue Geschichte«, schmunzelt Chris.

 

Arbeitet seit 1996 für den Mannheimer Huber Verlag, gehört seit 2005 zum festen CUSTOMBIKE-Magazin-Team und steuert seit 2013 das ansonsten männerbevölkerte CUSTOMBIKE-Schiff als Chefredakteurin. Beruflich hat sie jeden großen und kleinen Customtrend der letzten zwanzig Jahre mitgemacht, glaubt aber letztlich an den Erfolg von Bodenständigkeit und Konstanz – auch die Maxime für die Arbeit an Deutschlands ältestetem Magazin für umgebaute Motorräder. Sie selbst pflegt beste Kontakte in die Umbau- und Schrauberszene, nicht nur in Deutschland, weiß meistens genau, wer gerade an was baut, und berichtet mit Vorliebe über die Geschichten hinter den Motorrädern und über echte Petrolheads, die das Customizing von ganzem Herzen leben. Fürs private Zweiradglück genügt ihr eine Honda CB 400 Four, mit Baujahr 1977 gerade mal ein Jahr älter als die Chefin. Aktuell steht die Honda allerdings auf der heimischen Hebebühne und soll bald in neuem Glanz erstrahlen – a bikers work is never done.