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Heute testet Frau Reuter Schnellverschlusskupplungen, baut einen Nippelhalter, widmet sich der Kunststoffpflege und zieht mit verbalen Entgleisungen über richtig miese Stiefel her.

Hatte ich euch schon erzählt, dass mein Freund Hippie jetzt Krötenbeauftragter ist? Das hat nix mit Geld zu tun, sondern mit schwanzlosen Lurchen, da ist Hippie also bestens aufgehoben. Das war nämlich so: Hippie war, wie jedes Frühjahr, beim Friseur, um sich die Spitzen schneiden zu lassen.

Der alte Krötenbeauftragte ist vor zwei Jahren gestorben

Und diesmal hat Silke Meister ihm die Spitzen geschnitten, und zwar gehörig. Auf alle Fälle haben die beiden ziemlich rumgeplappert und sie kamen auf die Kröten zu sprechen, die bei uns gerade vom Waldrand auf die Straße hüpfen und reihenweise platt gefahren werden – wegen des milden Winters ziemlich früh dieses Jahr. Es gibt ja keinen Krötenbeauftragten mehr, sagte Silke, der alte ist vor zwei Jahren gestorben. Vielleicht wird auf der nächsten Gemeindeversammlung ein neuer gefunden, und Hippie könne ja mitkommen, das sei ganz interessant da.

Gabelbolzen gibts in allen möglichen Durchmessern und Längen

Kurzes Ende: Hippie, völlig schwanzgesteuert, geht mit Silke zur Gemeindeversammlung, lässt sich spontan zum Krötenbeauftragten ernennen und lässt sich ebenso spontan von Silke zwei Stunden später die Socken von den Füßen vögeln. Nun ist Hippie ständig mit seiner Mobylette unterwegs, immer mit Eimer und Kescher bewaffnet. Bestimmungsbuch, Knipse und Lupe dürfen ebenso wenig fehlen wie eine prall gefüllte Thermoskanne mit Glühwein. Er ist jetzt Silkes Held, ein echter Naturbursche, der Arved Fuchs der Kieler Feuchtgebiete.

Wenn der neue Bremsbowdenzugnippel immer rausrutscht

Vor einigen Tagen kam er aber ziemlich unfröhlich nach Hause, weil ihm nämlich sein neuer Bremsbowdenzugnippel immer rausrutschte. Während wir also seinen Glühwein wegschnasseln, nehmen wir mal die Bremsarmatur unter die Krötenlupe. Und siehe da: Der Zubehörnippelhalter ist zwar im Durchmesser passend, aber die Bohrung sitzt viel zu weit unten, so dass der Bolzen samt Zug beim Bremsen immer nach oben geschoben wird und dann rausspringen will.

Aus einem handelsüblichen Gabelbolzen zimmert die Kieler Schraubergemeinde einen prima Nippelhalter. Taugt auch für andere Gelegenheiten

Ach herrjee …, nun besorg mal einer einen Bowdenzugnippelhaltebolzen für eine Mobylette von 1972! Und dann, nach dem dritten Glühwein und der vierten Kleinkramschachtel liegt die Offenbarung vor uns: ein Gabelbolzen! Warum das Scheißding so heißt, weiß ich auch nicht recht, vielleicht weil es die Gabelköpfe an beweglichen Gestängen (Fußrastenanlagen, Lokomotivpleuel usw.) festhalten soll. Man steckt die irgendwo durch, packt am besten noch ’ne Unterlegscheibe aufs Ende und zieht einen Sicherungssplint durch die Bohrung, fertig.

Frau Reuter – Held der Lurchwelt

Wir aber, Helden der Lurchwelt, schnappen uns kurzerhand einen Acht-Millimeter-Gabelbolzen, durchbohren den GENAU da, wo Hippies Zug aus der Armatur laufen soll, sägen einen Schlitz quer rein und feilen alles schön sauber und haben den besten Bowdenzugnippelhalter aller Zeiten. Mit diesen Bolzen kann man allerlei Sachen befestigen, ist mir später aufgefallen. Es gibt sie in allen möglichen Durchmessern und Längen. Als verzinkte Ware in Normalstahl sind sie astrein zu bearbeiten. Wenn man sie nicht bearbeiten will, kann man auch zu Bolzen in VA greifen, gibts bei uns sogar im Baumarkt.

Das Glück des kleinen Mannes: Schnellverschlusskupplung für lasche 13 Euro. Da sag noch einer, Customizing ist teuer

Tagesordnungspunkt zwei ist meine neue Schnellverschlusskupplung von Riegler. Damit kann ich unter anderem die beiden Tankhälften der Electra Glide verbinden, denn die Kupplung schließt beim Trennen beidseitig. Ich habe auch eine einseitig schließende Variante gekauft, die kann man zwischen Vergaser und Sprithahn packen, wenn man öfter am Vergaserbasteln ist. Mit einem Durchmesser von 14 Millimetern und einer Länge von etwa 50 Millimetern sind diese Kupplungen die Wucht in Tüten.

Die genaue Bezeichnung ist 243.26/S-B – hätte man sich ja denken können

Sowas kostet beidseitig schließend etwa 13 Euro, gibts in Messing und vernickelt. Die genaue Bezeichnung ist 243.26/S-B. Hätte man sich ja denken können. Ich hab die Dinger bei Mordhorst und Bockendahl hier in Kiel gekauft. Hersteller ist die Firma Riegler, die haben eine umfangreiche Produktpalette an Flanschen, Verschlüssen und Kupplungen. Das müsst ihr euch unbedingt mal ansehen: www.riegler.de.

 

Sommerzeit, Mückenzeit: Die Lack- und Kunststoffpflege von Profi Products taugt auch prima dafür, seinen Windshield oder sein Helmvisier zu putzen

Ganz prima hat sich in den letzten Wochen das PDL Fog Up-Polish bewährt. Fog Up und Fuck Up sind so wunderbar sprachverwandt, dass ich das Produkt schon deshalb empfehle. Eigentlich ist es eine Lack- und Kunststoffpolitur oder besser, eine Lack- und Kunststoffpflege. Und eigentlich hab ich mit sowas nix am Hut, aber dieses Jahr bin ich durchgehend mit Windschutzscheibe gefahren und dieses Zeugs hat sich als hervorragendes Scheibenputzmittel bewährt. Zumal es das Mittelchen auch in dieser reizenden 50-ml-Flasche gibt. Man sprüht das Zeugs auf, raucht eine und wischt dann mit einem Microfasertuch alles weg. Fertig! Die kleine Flasche kostet bei www.profi-products.de 4,95 Euro. Es handelt sich hierbei sogar um ein deutsches Produkt, was kein Fehler sein kann.

Frau Reuter mag kein rau-klebrig-haftendes Schweineleder

Anderes Thema: Es gibt wirklich wenig Gründe, eine Mauer zu oder um Mexiko zu bauen. Vor allem, wenn man sich seit Jahrzehnten von Mexikanern billig zuarbeiten lässt. Aber dieser bekackte Stiefel hier, der Mezcalero Tulsa, wäre ein Grund. Er taugt nun wirklich gar nichts. Das Paar war im Internet von knapp 200 Euro auf 119 Euro runtergesetzt und als ich es an den Füßen hatte, wusste ich auch, warum. Die Nieten sind eingeschlagen, als hätte man das von der Alki-Gruppe einer Behindertenwerkstatt machen lassen (obwohl, die hättens wohl besser gemacht), im Leder sind nahe der Sohle zwei Löcher (!) und das Lederfutter ist aus irgendeinem Schweineleder gemacht, das so rau-klebrig-haftend ist, dass man nur mit Mühe seine besockten Füße da rein kriegt.

Nicht alles gut in Mexiko: Der Mezcalero Tulsa ist ein echter Scheißstiefel, braucht kein Mensch – außer für Fasching vielleicht, wenn ihr als Cowboy geht

Mann, ihr peyoterauchenden mexikanischen Schusterfotzen, ein Stiefelfutter muss glatt sein! Gott sei Dank hab ich die Dinger eine Nummer größer bestellt, ich werde die im Sommer tragen, da macht dann auch das ohnehin ziemlich dünne Leder einen schmalen Fuß. Dies ist wirklich der beschissenste Stiefel, den ich je gekauft habe. Finger weg! Ich muss jetzt zu Hippie rüber, wir wollen Kröten einsammeln. Außerdem hat er von Silke ein ganz apartes Glühweinrezept bekommen, das einem die Schuhe auszieht. Soll doch noch mal einer sagen, dass Friseurinnen blöd sind …

In Liebe Euer Martin

 

 

 

Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.