Mit viel Geduld kämpfte sich Josh zu seinem Traumbike, kostengünstig blieb die Kawasaki ZXR 750 noch dazu.
»Letztlich hat es zehn Jahre gedauert, bis ich endlich einen Umbau in der Garage stehen hatte«, zeigt Josh auf seine Kawasaki ZXR. Dabei belief sich die reine Umbauzeit gerade mal auf vier Monate. Aber bevor es überhaupt ans Basteln gehen konnte, pflasterten einige Steine den Weg des Schraubers.

Motorräder fährt er schon seit er den Lappen hat, meist die Karren von den Kumpels. Zwei Affinitäten kristallisieren sich dabei schnell heraus. Kawasaki heißt der eine Fetisch, Fighter der andere. Und der Wunsch nach was eigenem wird größer.
Nix auf Kredit
Irgendwann finanziert sich Josh eine neue Zephyr, ein paar Wochen nach dem Kauf ein schwerer Unfall, die Karre schrott. Seine Raten muss er trotzdem noch länger abzahlen. Mit dieser Erfahrung entwickelt sich auch seine Prämisse für alles Weitere: »Nur das, was ich bar in der Tasche habe, kann ich ausgeben.« Bevor das funktioniert, muss er wiederum warten.

Eine Dummheit kostet ihn zudem auf ein paar Jahre den Führerschein, er muss den Weg durch alle Behördenräume gehen, bevor er wieder fahren darf. Nun will er es richtig wissen, will sich an einem Umbau probieren. Als Basis wünscht sich der Thüringer eben jene Kawasaki ZXR, und noch bevor er die passende Maschine hat, kauft er sich eine Reparaturanleitung. »Der erste Posten in meiner Kostenliste«, grinst Josh.
Kawasaki ZXR aus dem Internet
Das Bike ersteigert er schließlich im Internet und verkauft gleichzeitig seine alte Honda CBR an einen Typ aus München. Dieser bringt ihm die ZXR, die zufällig auch in München steht, mit, als er die Honda bei Josh abholt. So blieb die Basis für den »neuen« Fighter schonmal ein Null auf Null-Geschäft, Fahrtkosten fielen außerdem nicht an.

Die Ernüchterung folgt, als er das Motorrad das erste Mal sieht. Zwar lief die Kiste wie nix, war aber dermaßen runtergeritten, dass Josh noch heute flucht: »Wenn ich den Kerl irgendwann in die Finger bekomme …« Ein Jahr hatte sie im Freien gestanden, Josh hält gnadenlos mit dem Kärcher drauf und entfernt die dicke Schmutzkruste. Dann gehts ans Umfrickeln.
Hohes Heck, geduckte Front
Zwei Dinge entscheiden die Linie eines Fighters: Das hohe Heck und die geduckte Frontpartie. Für den Hintern seiner Kawasaki ZXR pilgert unser Mann zum Schrottplatz, um sich mit einer Ladung Vierkantrohren zu versorgen. Die brezelt er fröhlich zum neuen Heckrahmen zusammen, über dem ein Höcker seiner alten CBR thront. Zehn Jahre hatte der im Regal geschlummert, zusammen mit einigen weiteren Null Euro-Posten aus dem eigenen Fundus.

Fußrasten zum Beispiel oder alte Yamaha-Schutzbleche. Viele weitere Teile kauft der Erfurter gebraucht, übers Internet oder lokale Second Hand-Teilehändler. So findet er zum Beispiel den hochgezogenen Endtopf oder den Dragbar-Lenker, der praktischerweise schon mit Blinkern und Griffen versehen ist. Auch die Frontpartie ersteht er auf diesem Weg.

Die auffällige Kanzel bereitet dabei mehr Kopfschmerzen, als zunächst angenommen. »Es war Millimeterarbeit, das Teil ans Bike zu bekommen«, stöhnt Josh, der zudem einige Kleinteile in Handarbeit selbst bastelt. Dagegen hat er bei anderen Veränderungen mehr Dusel. Die Lackierung in schimmerndem Toyota-Braun mit dezenten Gold- und Silberflakes erledigt Lackierer und Freund Marco für lau.
Legalize It!
Nach Fertigstellung des Fighters muss der frischgebackene Umbauer nur noch einmal Geduld beweisen. Einen Monat dauert die Auseinandersetzung mit den Prüfern, bis endlich alles legal und eingetragen ist. Sogar der Sigma-Fahrradtacho hat am Ende den behördlichen Segen.

Stolz ist Josh auf seinen Umbau, überheblich nicht: »Mir ist schon klar, dass ihr mein Bike vermutlich nicht gezeigt hättet, wäre es nicht für die Lowbudget-Rubrik in Frage gekommen.« Richtig Josh, aber für diesen finanziellen Minimalismus machen wir dir gerne Platz.













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