HPU hatte bei der Entwicklung seines Dragstyle-Rahmens sicher ein ganz anderes Endprodukt vor Augen, als in diesem Fall herausgekommen ist.
Immer wieder denken sich professionelle Customizer Kreationen auf Basis von eigens entwickelten Rahmen aus. Dabei gehen sie im Normalfall – jedenfalls in good old Germany – soweit und lassen diese Rohrkonstruktionen auch vom TÜV absegnen. Natürlich präsentieren sie ihre Modelle der Öffentlichkeit dabei in einem ihrem Schönheitsideal entsprungenen Gesamtkonzept.
Zweites Leben für den S&S-Twin
Die dann an Kunden vertriebenen Fahrzeuge weichen dabei meistens nur in Nuancen, wie z. B. Raddesign oder Lackierung, ab. Auch Dirk gefiel der Dragstyle von HPU. Er sollte einem in seiner Werkstatt befindlichen S&S-Motor zu neuen Laufleistungen verhelfen.

Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Eines Abends saß er mit einem Freund zusammen und erzählte ihm von seinem Vorhaben. Anstelle eines großen Staunens kam von seinem Gegenüber: »Hey Dirk, mach doch mal was ganz Neues«. Leicht gesagt. Also fingen die Hirnwindungen an zu rauchen. Rahmen und Motor waren nun einmal da und somit die Basis vorgegeben.
Schwingsattel in der Sitzmulde
Die erste gravierende Änderung bestand darin, die tiefe Sitzmulde nicht zu nutzen und völlig untypisch mit einem Schwingsattel zu bestücken. Genau mit diesem Entschluss nahm der Umbauwahn seinen Lauf. Tief musste es trotz alledem werden, ließ sich aber nun nur noch über die Stoßdämpfer verwirklichen.

Diese Maßnahme wiederum bewirkte, dass der Zahnriemen am Rahmen schliff. Eine Eigenbaukonstruktion mit einer Spannrolle, wie sie auch im Primärkasten Verwendung findet, bildete die Lösung für einen reibungslosen Umweg. Dadurch wurde leider der Plan, mit Fenderstruts einen Beifahrersitz zu installieren, im Keim erstickt, da die Haltepunkte bereits umleitungsbedingt verwendet worden waren.
Der Sinn von alten Feuerlöschern
Die nächste Denksportaufgabe bestand darin, einen geeigneten Platz für die Elektrik zu finden. Der von HPU dafür vorgesehene Platz ist nämlich in der Sitzmulde, die bei diesem Projekt aber bekanntermaßen vollen Einblick gewährt. Bei seinen schrauberischen Tätigkeiten stolperte Dirk gewissermaßen über die Lösung in Form eines alten Feuerlöschers, der in seiner Werkstatt rumlag.

Vor der Funktionsübernahme galt es aber, vernünftige Aufnahmen für die Elektrikkomponenten zu schaffen, denn einfach reinpropfen kam nicht infrage. Um dieses Konzept optisch vernünftig am Rahmen zu befestigen, wurden Aufnahmen an selbigem geschweißt.
Die richtige Lenkerwahl
Auch beim Lenker ging Dirk eigene Wege, denn bei Verwendung einer rahmentypischen Dragbar saß er auf dem Bike wie ein Klappmesser. Bei Volleinschlag befand sich eine Hand sogar in der Luft.

Deshalb steckten diverse Lenker in der Lenkerklemmung, bis sich endlich der Richtige behauptete. Bei so viel Normabweichung wundert es nicht, dass nun auch diverse alte Parts einen Platz bekamen. Zu nennen ist hier primär der Sportster-Tank, und selbst die Ochsenaugen stammen von einem Oldtimermarkt.
Ein glücklicher Zufall
Zwar original verpackt, aber olivgrün lackiert. Und wo wir gerade bei Farbe sind, die Kosten des Airbrush hielten sich durch einen glücklichen Zufall in Grenzen.

Auf einem Event in Iserlohn gewann ein hier nicht näher spezifizierter Besucher eine Lackierung von Kruse im Wert von 2000 Euro. Da dieser Jemand gerade mal ein Fahrrad besaß, war der Gewinn für ihn eigentlich wertlos und er wollte ihn unters Volk bringen. Dirk nutzte die Gelegenheit und erwarb die Airbrushrechte für ein Viertel des Preises.
Echtes Einzelstück
Glück muss man eben haben. Mit dem Endergebnis ist auch Dirks Kollege höchst zufrieden, denn so ein Teil gibt es nun wirklich kein zweites Mal.












