Hot Dock Custom Cycles ist ein kleiner Laden weit abseits des Trubels in Tokio. Und zählt dennoch zu den ganz großen Customizern in Japan.
Verborgen vor dem Auge der Allgemeinheit und abseits der Hauptstraße, die durch das Viertel Nerima im nördlichen Teil von Tokio verläuft, findet man die Werkstatt von Hot Dock Custom Cycles. In einer verschlafenen Hinterstraße ganz ohne Verkehrszeichen oder Werbetafeln zeigt nur ein kleiner Aufkleber am Türrahmen, dass man am richtigen Ort ist. Auch hier ist es so wie bei vielen anderen Werkstätten, die weltweit in der höchsten Liga spielen – sie sind nur selten hell erleuchtet und leicht zu finden.
Versteckte Werkstatt
Häufig weiß der Nachbar eines japanischen Irezumi-Meisters oder Tätowierers nicht, was eigentlich in seinem Nachbarhaus vor sich geht, und gleichzeitig wird der unbekannte Nachbar in der Szene, in der er aktiv ist, als ein Megastar erachtet. Und in den meisten Fällen sieht sich der Künstler auch selbst als einen ganz normalen Menschen, der keinen Grund dazu hat, der Welt mitzuteilen, wie und wo er seine Zeit verbringt. Dies ist auch bei Keiji Kawakita und den weltbekannten Hot Dock Custom Cycles nicht anders.

Keiji Kawakita, der mittlerweile über 60-jährige Besitzer, Mechaniker und Ideengeber hinter Hot Dock, begründete seinen mittlerweile einzigartigen Motorrad-Stil im Jahr 1984 mit einem Custom Bike Shop ausschließlich für Harley-Davidson. Er machte sich einen Namen als Custom Builder im Racing-Stil, indem er Racing-Teile und Racing-Technologie zum Umbau von Harleys nutzte. In Japan war dies anfangs ein ganz neuer Ansatz.
Wurzeln im Rennsport
Da er in seiner Geschichte schon mit dem Motorrad-Rennsport verbunden war, war es für ihn ein selbstverständlicher Schritt, aus seinem Hobby eine Vollzeitbeschäftigung zu machen. „»Mein jüngerer Bruder Nobusuke Kawakita betreibt den Laden hier gleich um die Ecke. Er ist der Ansprechpartner und nimmt täglich die Bestellungen und Aufträge der Kunden an.

Ich agiere meist im Hintergrund und treffe nur wenige Kunden. Momentan arbeiten hier fünf Mechaniker in der Werkstatt, und uns geht es einfach gut.«
Von Autos zu Motorrädern
»Anfangs arbeitete ich mit Autos«, sagt Keiji und fährt dann fort: »Mein Hobby war aber das Motorradfahren, und ich war der Meinung, dass ich gut im Tunen von Motorrädern war. Bis ich 30 war, fuhr ich fünf Jahre aktiv Motorrad. Und durch meine Erfahrungen im Umbau von Autos dachte ich, dass das Bauen von Custombikes nicht so schwer sein würde.«

Zu dieser Zeit, in den späten 1980ern, wuchs auch die Popularität von Bahnrennen in Japan, da diese Art von Rennen auch in den USA immer populärer wurde. Mode, Musik und andere wichtige Jugendkulturen haben ihre Wurzeln meistens in den USA – und so ist es auch beim Motorsport. »Wir haben hauptsächlich die XR 750 ccm und später auch die 883 ccm Modelle von Harley-Davidson verwendet.«
Battle of the Twins
Das berühmte Rennen wurde auch als Battle Of The Twins bezeichnet. Die japanischen Fahrer fanden diese neue Art des amerikanischen Rennstils großartig und machten diesen somit populär. Meine Kunden sagten mir, dass ich doch in die Racing-Szene mit einem ernsthaften Ansatz einsteigen solle.

Zehn Jahre lang teilten sich Kunden und Freunde die Strecke. Das war eine großartige Zeit mit vielen guten Erinnerungen. Und was macht Hot Dock heute? »Drag auf die Straße! Hochgeschwindigkeitsmotorräder!«, so Keiji. »Eine Harley-Davidson ist nicht gerade dafür bekannt, dass sie hohe Geschwindigkeiten fahren kann.
Street Drag Bikes begründen das Geschäft
Ich habe an diesem Image gearbeitet und konnte das mit dem Bau von Street Drag Racern ändern. Es gibt ja nicht so viele superschnelle Harley-Motoren auf dem Markt, vor allem bei den älteren Modellen. Man muss also tunen und Drag-Race- und Road-Race-Teile für eine Harley nutzen.

Kombiniert mit breiten Hinterreifen und einer guten Vorderradgabel können wir eine Street Drag Racing Harley bauen, die schneller als alles andere ist. Mein Ziel ist es, Motorräder zu bauen, die bei einem Drag Race auf der Straße gegen andere Motorräder nicht verlieren, egal was dafür nötig ist. Wenn die Leute sehen, dass eine Hot Dock-Harley so schnell ist wie eine Suzuki, Kawasaki oder Yamaha, dann sind alle überrascht und beeindruckt – das ist wirklich spaßig!«
Back to the Choppers
Wenn man die Internetseite von Hot Dock betrachtet, dann findet man dort ein Motorrad mit dem Namen »Nacht-Jäger«. Vor einigen Jahren fragte eine Reihe der besten Kunden von Keiji Kawakita nach einem Motorrad im Chopper-Stil. Daraufhin begann er umzudenken.

Es bestand bereits eine große Gemeinschaft von Buildern, die sich auf lange Gabeln und schöne Lackierungen mit vielen Details und Chrom spezialisiert hatten. Er merkte, dass die Kunden, die ihn um dieses »neue« Konzept baten, alle in der Kleidungsbranche tätig waren und dass Schwarz die Farbe war, auf die diese Kunden am meisten ansprachen. Da sich Hot Dock bereits einen Namen innerhalb der Szene mit superaufgeladenen Drag Racing Harleys gemacht hatte, suchte Keiji nach etwas Neuem, um so die Ansprüche der Kunden zu erfüllen.
Deutschland als Ideengeber
Mit dem Konzept von »Schwarz«, »Nacht« und seinem persönlichen Interesse an der Flugtechnik im 2. Weltkrieg kam er auf »Nacht-Jäger« als Markennamen. Keiji Kawakita bekommt die meisten seiner Ideen aus alten Fotobüchern, Magazinen und Romanen. Diese vermischen sich dann mit der lokalen Szene.

»In Europa gibt es viele seltsame Motorräder und für mich auch seltsame Builder. Aber ich würde schon gern nach Europa, insbesondere nach Deutschland gehen. Ich mag die Dinge, die in Deutschland hergestellt wurden und werden – mechanische Dinge wie Züge, Flugzeuge, Autos.«
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Keiji Kawakita – Hot Dock Bikeshow






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