Schmaler baut wohl kaum eine Honda Shadow. Bis es soweit war, gab’s ein paar Lehrstunden in Sachen Customizing und Freundschaft
»Ich hatte noch nie einen Lötkolben in der Hand, geschweige denn eine Flex.« Wenn Marcel sich an seine Anfänge beim Mopedbauen erinnert, dann ist da nicht viel. Führerschein mit achtzehn, aber keine Kohle für ein Bike. Irgendwann eine Bandit und eine Garage am anderen Ende der Stadt. Zu kompliziert, zu viel Aufriss, es dauerte, bis ihn Motorräder wirklich kicken sollten.
Aha-Effekt in Hamburg
Der Aha-Effekt kam bei einem Besuch in Hamburg. Chopper und Harleys kreuzten den Weg des Duisburgers und entfachten sowas wie einen zweiten Motorradfrühling. Eine Kawa VN 1500 wurde angeschafft, ein, zwei Jahre fährt Marcel das Ding. Vorab, Harleys sollten auch später nicht das Maß der Dinge werden, als Vertreter der Japanfraktion fühlt er sich pudelwohl, »die kann man doch auch cool machen.«

Die ersten Customversuche an der VN gelingen, neuer Lenker, Heck gechoppt, eine GfK-Sitzplatte, nur an wirkliche Metallarbeit traut sich Marcel nicht. Irgendwann bekommt die Kawa ein neues Zündschloss, springt danach erstmal nicht mehr an, und überhaupt, alles zu schwer, zu klobig. Marcel ist 1,72 Meter groß, das Bike 350 Kilo schwer, »es hat einfach nicht mehr gepasst«, sagt er.
Die Honda Shadow hält Einzug
Es ist 2015, der Mann will was Schmales und die Honda Shadow hält Einzug. »Nur das mit dem Customizing blieb schwierig, letztlich konnte ich da immer noch nix so richtig.« Über das seit Jahren lebhafte Chopperforum im Netz findet Marcel schließlich die endgültige Eintrittskarte in die Welt der Selbstschrauber.

Das goldene Ticket trägt den Namen Markus, ist vom selben Ruhrpottschlag wie Marcel – die Wohnorte der beiden liegen keine Viertelstunde voneinander entfernt – und kann Shadow richtig gut. »Er hat mich an die Hand genommen, alles weitere war Learning by doing«, erinnert sich Marcel, dessen Wesenszug der Ungeduld in der Folge noch eine größere Rolle spielen sollte.
Tank selbst gebaut
Aber erstmal ging es gemächlich los. Das Heck der VT wird auf Einsitzer gekürzt, eine Strebe dazwischengesetzt. Mehr Arbeit macht der Tank. Was du heute hundertfach vor allem aus asiatischer Produktion nachgeschmissen bekommst, müssen Marcel und Markus seinerzeit selbst hinbekommen.

Sie kaufen eine Peanut-Schale, über die der Tank selbst gebaut wird. Vom V-Team gibt es außerdem einen auf Maß angefertigten Lenker und die Jungs gönnen der Honda Shadow ein paar neue Fenderstruts, danach ist wieder ein Jahr Umbaupause … bis es Marcel erneut kitzelt. Und das mit dem Schweißen müsste ja nun auch langsam mal selbst gelernt werden.
Die ersten Schweißversuche
Die Ungeduld, die Ungeduld, Marcel will lernen und nicht darauf warten, dass jemand zu Hilfe kommt. Er kauft ein MAG-Schweißgerät. Es bleibt nur ein kurzer Gast in der Garage und wird schnell wieder verkauft, WIG-Schweißen ist doch die große Kunst. Also entsprechendes Gerät angeschafft und losgelegt. Freilich nicht, ohne sich entsprechende Tipps und Tricks einzuholen.

Max Schneiderbanger, deutschlandbekannter Metalljünger, gibt aus dem fernen Bayern virtuelle Hilfestellung, der erste Tankversuch geht trotzdem voll in die Hose. Also eine neue Tankschale bestellt, »einfach machen und nicht lange überlegen«, Marcels Tipps für Selbermacher sind einfach. Und tatsächlich, der Mann zeigt Talent, schweißt auch seinen Tanktunnel selbst, versiegelt das 5,8-Liter-Gefäß sorgsam.
Honda Shadow mit schmalem Frontend
Was einfach klingt, dauert volle drei Monate, »dann hatte ich es«, erzählt er stolz. Zum schmalen Tank – er ist gerade mal so breit wie die Oberrohre des Rahmens – braucht es auch ein schmales Frontend. Erreicht wird es durch die gekürzte Gabel, die von einer Harley Sportster stammt. Passend die Gabelbrücke, die für den Lanesplitter-Look verantwortlich zeichnet und für die ein passendes Gabeljoch angefertigt werden muss.

Denn immerhin muss hier japanische mit amerikanischer Hardware zurechtkommen. Hilfreich zur Seite stehen dabei die Jungs der TSRR-Crew, die sich als lose Schraubergemeinschaft im Ruhrpott mittlerweile einen Namen gemacht haben. Lauter Moped- und Customverrückte, die mit coolen Karren die Szene beleben.
Shotgun-Auspuff
Gemeinsam entsteht auch der Shotgun-Auspuff, in den Marcel Dämpfer einbaut, »denn ich will ja niemandem auf den Sack gehen.« Dass so auch übereifrige Beamte im Zweifelsfall im Zaum gehalten werden können, ist ein kalkulierter Nebeneffekt. Und auch die Fenderstruts sind ein hübsches Beispiel für gemeinsame Schrauberabende, die 3-in-1-Rücklicht-Kombi wird integriert. Wie übrigens die gesamte Elektrik sauber läuft, Kabel ziehen sich clean durch Schwinge und Lenker, eine Elektronikbox und Tastschalter minimieren zudem Platzaufwand und Kabelsalat.

Übrigens, bevor die Shadow wirklich vorzeigbar für uns in den Sonnenaufgang brettern kann, ist noch ein kleiner Lackjob fällig. Eine ganze Weile fährt Marcel nämlich mit blankem Metall durch die Gegend. In Mo von Seventh Custompainting findet er einen passenden Partner, der die grüne Lackierung gegen eine Auspuffanlage für seine eigene VT tauscht. Cooles Ding, mehr davon bitte!
Info | TSRR Crew






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