Wer einmal um die Zuverlässigkeit einer Honda Shadow weiß, greift immer wieder gern darauf zurück. Egal in welche Richtung umgebaut wird.
Die meisten Studenten müssen sich ihr Studium selber finanzieren, nur ein geringer Teil kann sich auf dem von Mama und Papa gestellten Finanzpolster ausruhen. Flaume, so wie Kai von seinen Kollegen genannt wird, gehörte nicht zu der Randgruppe der Sorglosen. Trotzdem wollte er die Uni auf zwei Rädern anfahren.
Honda Shadow als passendes Objekt
Jedoch nicht wie üblich auf einem Vespa-Roller, sondern auf einem richtigen Motorrad. Ein Softchopper sollte es sein, natürlich recht preiswert und möglichst nah am Milwaukee-Original. Mit einer 600er Honda Shadow fand er ein passendes Objekt, das ihn durch das Maschinenbaustudium begleitete.

Danach trennten sich die Wege, die guten Eigenschaften blieben aber in Erinnerung. So kam es, das Flaume viele Jahre später das gleiche Modell in die Hände fiel. Von vorn herein war klar, dass diesmal einige Umbaumaßnahmen anstanden.
Gebraucht schont den Geldbeutel
Aber heute wie damals sollte es keinen finanziellen Ruin bedeuten. So kam es gerade recht, dass bei dem erstandenen Exemplar schon ein paar gravierende Änderungen vollzogen waren. Dazu gehören zum Beispiel die breiten 6º gereckten Gabelbrücken, die wir in unserer Kostenaufstellung einfach unter den Teppich kehren.

Für alle die es interessiert, die Brücken lagen Mitte der 90er bei etwa 1.000 Mark. Bei den Selbstbau-Armaturen hatte der Vorbesitzer bezüglich der Tasterauswahl keine gute Wahl getroffen, sie waren zu groß und ein megadicker Kabelstrang verlief außerhalb des Lenkers. Konnten die Ur-Bobber der 50er auf derartige Bedienungselemente einfach verzichten, sind heutzutage gute Ideen und viel Arbeit notwendig, um zumindest optisch einen gleichwertigen Effekt zu erzielen.
Viel Arbeit an der Elektrik
Conrad hielt passende Alternativen bereit, und da schon eine Steuereinheit existierte, erfuhren auch die Kabel eine Verjüngungskur. So minimiert wurden sie auch den Blicken der Öffentlichkeit entzogen und in den Lenker verbaut. Überhaupt musste die Elektrik einiges über sich ergehen lassen.

Da Flaume eine Plastikallergie hat, schmiss er alle unter dem Sitz befindlichen Halter raus. Wegen dem Monofederbein war kein Platz für die Batterie, deshalb musste sie nach außen verlegt werden. Aus Alublechen wurde hierzu mal eben ein passendes Gehäuse gebogen, aber wohin mit dem Rest? »Pack das ganze Zeugs doch in einen Feuerlöscher und vorne machst du einfach

eine Zündschloss von irgendeinem Auto rein«, lautete der spontane Tipp eines guten Kollegen. Zum Glück stand bei ihm ein passendes Objekt in der Werkstatt rum. Bezüglich des Zündschlosses ging’s zu einer Autoverwertung. Ein ausgemusterter Twingo stand dort zur Entnahme des Spenderorgans bereit.
Farbe egal, hauptsache schwarz
Nun warteten natürlich auch noch weitere optische Maßnahmen auf deren Realisierung, um der Bobberidiologie näher zu kommen. Durch die Verwendung eines Schwingsattels bestand die Möglichkeit, ein mitschwingendes Heck zu verbauen. Der Zubehörhandel lieferte den hierzu erforderlichen Fender, der mittels angeschweißter Eigenbauhalter an der Schwinge montiert wurde. Und dann war da noch die Farbe.

Gut, schwarz war sie ja eigentlich schon, jedoch mit Bronze abgesetzt, und das stieß auf absolute Abneigung. Ideal wäre ein mattes Schwarz gewesen, dazu hätte aber auch der Rahmen lackiert werden müssen, da dieser nun mal vor sich hinglänzt. Um einen optisch sauberen Übergang zu schaffen bekamen Tank und Heckfender an den vorderen Schnittstellen glänzende Scallops aufgenebelt.
Unperfekt als Bobber-Ideal
Die Lackierarbeiten entstanden alle mit der Sprühdose aus dem Kfz-Zubehör. Detailversessene werden somit natürlich immer wieder Kleinigkeiten entdecken, die nicht perfekt sind. Im Prinzip kommt aber genau diese Art der Ausführung dem Bobber-Ur-Ideal am nächsten, denn die Jungs der ersten Stunden hatten noch weniger Möglichkeiten, als die Garagenschrauber von heute.














