Hondas Güllepumpe war der Schwarm aller Verächtlichmacher. Dreieinhalb Dekaden später ist die Honda CX 500 zu Customizers Liebling geworden. Sacha Lakic setzte den bisherigen Höhepunkt.
Die Honda CX 500 war ein Unikum. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich hatte eine und musste den Hohn und Spott meiner Umwelt ein paar Jahre lang ertragen. Stichwort Güllepumpe, Comiczeichner Brösel lässt grüßen. Was heute angesichts der steigenden Beliebtheit bei den Customizern fast wie ein Adelstitel rüberkommt, war damals schlicht und ergreifend ein Schimpfwort.
Ein paar Wehwehchen hat die Honda CX 500 doch
Der 80 Grad-Twin gilt zu Recht als Langläufer und war stets Kurierfahrers Liebling, doch ein paar Wehwehchen hat auch die CX. Ich hab sie alle mitgenommen: undichte Wasserpumpe, durchgeblasene Kopfdichtung und eine marode CDI-Einheit. Und doch: Wenn die Sitzbank runter war, blitzte da ansatzweise eine Linie auf, aus der etwas zu machen wäre, wenn man nur wüsste wie.

Sacha Lakic wusste wie. Schweigsam und ehrfürchtig stehen wir vor dem Ergebnis. Nun hat es der Belgier natürlich auch leichter als Otto-Normal-Motorradler. Schließlich ist der Mann Designer und hat schon ein paar Motorradentwürfe auf dem Buckel. Unvergessen die große Voxan Black Magic, zusammen mit der französischen Firma schon länger im Orkus der Geschichte versunken.
Die fast vergessene Güllepumpe wurde als Ablageplatz missbraucht
Einer ganz anderen Kategorie entstammt Bimotas Mantra, die Sacha heute selbst als Jugendsünde sieht (siehe Interview). Der Tiefschlag des Voxan-Scheiterns war hart für Sacha und er konzentrierte sich über Jahre auf andere Designerleidenschaften. Vorbei war sein Motorrad-Dornröschenschlaf, als er bei Freunden auf eine fast vergessene Güllepumpe stieß, die als Ablageplatz missbraucht wurde. Als Fan dieses Motors und – Achtung! – auch dieses Tanks konnte er nicht anders: Er musste Hand anlegen.

In der Auseinandersetzung mit der Honda waren ihm genau diese beiden Bereiche denn auch besonders wichtig, betrachtet er das Ensemble aus Tank, Krümmern und Motor doch als entscheidend für seine Definition eines Cafe Racers. Beim Tank entschied sich Sacha für einen einfachen, im Ergebnis aber sehr wirkungsvollen Trick: Er kippte das Fass um zehn Grad nach vorne. Schon allein dieser Schritt verleiht der CX gestalterische Dynamik. Richtig Fluss in die Motorzone aber bringt der selbst gestaltete Auspuff, dessen Krümmer sich hinterm Vorderrad zu einem Ypsilon vereinen, um dann unterm Motor in eine Dämpferbox mit neckisch kleiner Abgasmündung abzutauchen.
Honda CX mit Monoshock
Weitere Großbaustelle war selbstredend das Heck. Ohne echte Eingriffe in den Heckrahmen würde das gestalterisch nicht auf Linie zu bringen sein, war Sacha von Anfang an klar. Der Einsatz von Flex und Schweißgerät mündete in ein blitzsauberes Ergebnis. Höcker samt Single-Seat nehmen die leicht gekippte Linie des Tanks auf und führen sie nach hinten zu einem attraktiven Ende. Die beiden ollen Federbeine flogen raus, die Schwinge wurde verstärkt und für die Aufnahme eines Monoshocks umgearbeitet.

Allerhand Arbeit machte der Umbau der Räder, die modernen Excel-Felgen wollten mit Naben und Kardan harmonisiert werden. Vorn duckt sich die Honda auf eine stämmige 50-Millimeter-Marzocchi-Gabel, die in fleischig dimensionierten, aber dank der Durchbrüche doch leichten Gabelbrücken steckt. Bei der Farbwahl folgte Sacha der Zurückhaltung, die schon seine Black Magic geziert hatte: Viel mattes Schwarz mit einem Schuss Rot und flächigem Silber. Und der ehedem so geschmähte Twin? Er wird mit seinen polierten Gehäuserippen endgültig zum Model.
Info | lakic.com
















Güllepumpe bleibt Güllepumpe. Ha…….