Die Honda CBX 1000 hat längst ihren Platz in der Motorradgeschichte. Auch fünfzig Jahre nach ihrer Präsentation gibt der Sechszylinder ein krasses Custombike ab.
Als Honda 1966 und 1967 mit seinen spektakulären Sechszylinder-Werksrennmaschinen vier Weltmeister-Titel in Folge abräumte, konnte niemand auch nur ahnen, dass der größte Motorradhersteller der Welt zehn Jahre später einen Sechskolben-Motor in ein Serienbike pflanzen würde. Mit der Honda CBX 1000 schuf Honda eine Ikone, deren 105 PS starkes, um 33 Grad nach vorn geneigtes Sixpack über 24 Ventile, zwei obenliegende Nockenwellen und unglaubliche sechs Keihin-Gleichdruck-Vergaser verfügte. Bis heute hat die CBX nichts von ihrem Reiz verloren.

So kommt es denn, dass die Sechszylinder-Bikes auch heute noch immer für Eigenkreationen aller Art hergenommen werden. Auch für Sam aus Ibbenbüren war klar, dass sich selbst unter aktuelleren Motorrädern nichts Vergleichbares finden lässt. Sam neben Bikes aller Art auch Autos um.
Flache Optik für Die Honda CBX
»Das Tuning von Oberklasse-Fahrzeugen ist mein Spezialgebiet. Am meisten Spaß machen uns allerdings Motorräder«, zeigt der gelernte KFZ-Mechaniker und Karosseriebau-Meister auf die von ihm modifizierte Honda CBX von 1980. Stück für Stück verwandelte er die 1000er in ein flaches Dragbike. »Zunächst habe ich die Bremsen umgebaut. Die originalen Scheiben waren einfach zu schlecht«, erinnert sich Sam.

Bald darauf tauschte er die optisch fragwürdigen ComStar-Räder gegen Speichenräder von TTS aus, die den Einsatz moderner Reifen ermöglichten. Hinten sorgt nun ein 200er Metzeler für Bodenkontakt. Um die Schwinge samt Monofederbein einer Suzuki GSX-R 1000 mit dem unten offenen Brückenrahmen zu verbinden, schweißte Sam das Fahrgestell kurzerhand um, fertigte eine Umlenkung und bekam für den aufwendigen Umbau letztendlich den Segen der Graukittel.
Gabel von Suzukis Gixxer
Die serienmäßige »Moped-Gabel« ersetzte Sam gegen eine massiv gekürzte USD-Gabel aus einer Suzuki GSX-R. Eigenbau-Fußrasten, ein motogadget-Cockpit, ein Lenker von V-Team und Motordeckel, die vom rührigen CBX-Club Deutschland (cbxclub.de) angefertigt werden, setzen Akzente. Den Motor ließ Sam serienmäßig.

Lediglich die sechs Vergaser stimmte er penibel auf die Egli-Ansaugtrichter ab. Die selbstgefertigte Underseat-Auspuffanlage schmiegt sich eng unter die Sitzbank und mündet in zwei frechen Öffnungen direkt unter dem modifizierten Kawa-Z-Höcker. »Damit der Höcker über das Rahmenheck passt, habe ich ihn unauffällig ein wenig verbreitert«, erzählt Sam.
Der Motor macht’s
Auch heute noch ist der aufwendig konstruierte Motor ein echtes Brett. Vibrationslos stellt er jede Menge Leistung bereit, dreht willig in die oberen Regionen und klingt dabei sämig aus der Eigenbau-Auspuffanlage. Der viel zitierte Vergleich mit einem Porsche 911 scheint tatsächlich nicht allzu weit hergeholt.

Sportlich gibt sich der Umbau vor allem deshalb, weil er seinen Fahrer nicht mehr mit einem staksigen 35-mm-Gäbelchen, mit keinen zahnlosen Scheibenbremsen und keiner in Kunststoffbuchsen gelagerten Schwinge stresst, sondern willig auf Lenkbefehle reagiert und dank eines Radstandes von fast 1,80 Metern pendelfrei geradeaus stürmt. In Kurven setzt die stark tiefer gelegte CBX allerdings früher auf als das Serienbike. Sanfte Biegungen und lange Geraden liegen dem 2,40 Meter langen Streetbike einfach mehr.
Zweimann-Betrieb kein Problem
Hin und wieder kommt es vor, dass die gekürzte Gabel beim Durcheilen von Schlaglöchern vor den Anschlag hämmert. Allerdings geschieht das geräuschvolle Durchfedern fast ausschließlich dann, wenn sich auf dem Soziusplatz ein Mitfahrer befindet. Was allerdings recht häufig vorkommt, denn mit der bequemen Sitzbank bietet sich das Dragbike geradezu für ausgedehnten Zwei-Personen-Betrieb an.

Auch die umgekrempelte Bremsanlage mit GSX-R-Scheiben am Vorderrad und einer Kombination aus Harley- und Brembo-Teilen im Heck steht einer sportlichen Fahrweise nicht im Wege. Im Gegenteil, sie zögert nicht lange und macht bei Bedarf ernsthaft langsam.
Darfs ein Zylinder mehr sein?
Wer für die lässige Runde über die Hausstrecke gerne den ein oder anderen Zylinder mehr an Bord hat, für den ist die Tuning-CBX also genau das richtige Bike.
















