Honda Fireblade – Nix Plastik

Beim Neuaufbau seiner Honda Fireblade setzt Marco auf dezente Kampfansagen und ist sich sicher: »Nie wieder Kirmesbude«

»Airbrush, Totenkopf, ein Haufen Plastik, Rahmen und Schwinge poliert – ein echter Geisterbahnfighter«, Marco Kohberger schüttelt sich noch heute, wenn er von seiner Honda erzählt. Original und gebraucht gekauft, hatte er den Supersportler in ein seinerzeit schwer angesagtes Brutalo-Design getaucht. Doch Zeiten ändern sich, die schwer aggressiven Fighter bevölkern die Customszene weit weniger als noch vor einigen Jahren.

Honda Fireblade – Bissiges Understatement

Wie bei Choppern der Trend weg von Breitreifen und Chromorgien ging, setzen auch Freunde von Rennmaschinen vermehrt auf bissiges Understatement. Bei Marco gibt eine kurze Unaufmerksamkeit den Ausschlag zum erneuten Umbau. Nach einem gewagten Bremsmanöver legt er einen sauberen 180 Grad-Stoppie auf die Straße. Mopped und Fahrer werden notdürftig repariert, bringen die Saison gemeinsam zu Ende und entscheiden sich einstimmig zum erneuten Umbau des Krades.

Kleiner Tacho, sauber eingelassen – eine Spezialität von Customizer Wolfgang Bätz, der das Spritgefäß zurechtbaute und den motogadget darin versenkte

»Nix Poliertes mehr«, ist die erste Vorgabe an den neuen Sportler, Marco hat einfach die Schnauze voll vom ewigen Nachpolieren. »Und außerdem bitte kurz, knackig, dezent und ohne Schnickschnack, eine konzentrierte Ausrichtung auf den Bau einer Fahrmaschine«, mit jeder Menge Schwarzpulverei will der Schrauber aus dem bayerischen Cham dem Glanz ein Ende bereiten, von sinnlosem Dranbauen irgendwelcher Teile ganz zu schweigen. Plastik außerdem verboten.

Suzuki-Gabel, Honda-Schwinge

Von einem Kumpel bekommt er die komplette Gabel einer Suzi GSX-R. Als er das Teil abholt, fällt noch was anderes ins Auge. In Freundes Werkstatt schlummert die Schwinge einer Honda VFR … also auch noch mitnehmen, bezahlen, schwarz pulvern. Genauso wie es vorher schon Rahmen und Felgen widerfahren ist.

Sämtliche sichtbaren Fahrwerkskomponenten inklusive der wuchtigen Felgen versanken in schwarzem Pulvernebel

Die neue Schwinge passt bis auf leichtes Abfräsen nahezu problemlos aufs verbreiterte Hinterrad. Den Heckrahmen entfernt Marco komplett und baut einen neuen, kleineren, pulvert ihn ebenfalls. Hinten alles gut. Am Frontend passt er nun die neue Gabel ein und stellt schnell fest, dass die Brücken nicht passen.

Honda Fireblade – Detail vom Profi

Ein Freund fräst welche auf Maß, passt. Neben der Gabel übernimmt der Bayer weitere Teile der Suzuki. An vorderster Front schwingen sich nun Felge, Bremsscheibe und gekürztes Schutzblech zu neuen Missetaten auf. Obwohl Marco einiges selbst fertigen oder von Freunden bauen lassen kann, so setzt er bei einem Detail doch auf einen namhaften Profi.

Die Gabelbrücken sind auf Maß gefräst

Da der Tank nicht nur den Sprit, sondern auch den Tacho aufnehmen soll, muss der Custom-Wolf ran. Er baut das Gefäß mit der cleanen Optik und versenkt die Minimalinstrumente ins Metall. Und während dieser Teil durch Designqualität überzeugt, dübelt Marco eben noch ’nen alten, aufpolierten Zündapp-Scheinwerfer vorne dran. Dazu noch das Lenkschloss auf die Seite verlegt, der Blick auf die Straße ist nun ungetrübt.

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Ab zum Ace Cafe

Für den TÜV verbaut Marco noch kleine Blinker und das Rücklicht, fertig ist die Laube. War noch was? Achso, ja, Farbe. »Hab überlegt, was zu dem ganzen Schwarz passt«, erzählt Marco, und kommt auf die naheliegendste Lösung: »Na klar, Weiß!«. Ab zum Lackierer und dann noch den Ace Cafe-Aufkleber drauf: »Weil ich da schon immer mal hinwollte.«

 

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Technische Daten
Modell Honda CBR 900 RR Fireblade
Baujahr 1999
Erbauer Marco Kohberger

Motor
Typ Vierzylinder-Viertakter, dohc-Vierventiler
Hubraum 929 ccm
Bohrung x Hub 74 x 54 mm
Luftfilter K&N
Vergaser 38er Gleichdruck m. Dynojet-Kit
Auspuff Speed Pro
Getriebe Sechsgang
Sekundärtrieb Kette
Leistung 148 PS bei 11.000/min
Drehmoment 100 Nm bei 9.000/min
Vmax 250 km/h
Fahrwerk
Rahmen Aluminium-Brückenrahmen, Eigenbau-Heckrahmen
Gabel Suzuki GSX-R 1000 K4
Schwinge Honda VFR-Einarm
Räder vo. 3.5 x 17“ mit 120/70-17, hi. 6.25 x 17“ mit 180/55-17
Bremsen vo. Suzuki GSX-R-Doppelscheibe, hi. Honda VFR-Scheibe
Zubehör
Tank Custom-Wolf
Lenker LSL Dragbar
Scheinwerfer Zündapp
Instrumente motogadget
Armaturen Rizoma
Fender Suzuki GSX-R 1000 K4
Metrie
Leergewicht 180 kg
Radstand 1450 mm

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Fotos: Dominik Schall
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