Steht sauber da, ist im Herzen aber ein Dreckspatz – Christophs Honda CB 250 steht sinnbildlich für die Leidenschaft einer ganzen Familie.
Angefangen mit zwölf, MX und Enduro, frühes Fahren vornehmlich im Dreck. Heute ist Christoph ein bisschen was über 50 und hat nicht nur das Glück, dass die Leidenschaft geblieben ist, sondern auch, dass die Familie sich bereitwillig hat infizieren lassen. Seine Frau und die beiden Söhne fahren auch – willkommen bei Familie Dirt!
RÄDER ZUERST
Die Idee für einen Flat-Track-Umbau hatte Christoph schon vor ein paar Jahren. Damals hatte er in einem Autohaus eine CB 250 gesehen. Gekauft hat er sie nicht. »Die war in einem so guten und originalen Zustand, dass ich mich einfach nicht getraut hätte, die Flex anzusetzen.«

Obwohl es nach einem Scrambler-Umbau und der Restauration einer XR 350 mächtig in den Fingern juckte, ließ er eben jene weg vom kleinen Zweizylinder, es würde sich schon noch was ergeben. Tat es auch, in einer Scheune stand ein Pendant, diesmal in desolatem Zustand – gekauft.
Honda CB 250 mit klassischem Profil
Als Projekt-Startschuss baute Christoph den Radsatz auf Trommelbremse mit breiteren Aluminiumfelgen um, die die Dunlop K70-Reifen in der Dimension 4.00 x 18 mit klassischem Profil aufnehmen konnten. Nun konnte er sehen, wieviel Platz er noch zwischen den Tauchrohren hatte.

wo nötig, angepasst
Letztendlich entstand die Gabel dann aus vier verschiedenen Spendern, um das alte Lenkradschloss zu erhalten und mit den längeren Tauchrohren der neueren T-Modelle den Reifen mehr Platz einzuräumen. Durch den Verbau einer anderen Gabelbrücke oben konnten die Standrohre zur Tieferlegung weiter durchgeschoben werden, unerlässlich zur Stilbildung.
LEHRGELD IN ALU
Der Kabelbaum wurde auf ein absolutes Minimum reduziert, da der große Scheinwerfer in dem üblicherweise der ganze Kabelsalat untergebracht ist, einem LED-Scheinwerfer mit E-Prüfzeichen und der geringsten Einbautiefe weichen musste. »Bei Versuchen mit anderen Oldschool-Scheinwerfern hat mir die Seitenansicht nie gefallen, da dieser aus der Numberplate zu sehr herausragte«, erinnert sich Christoph.

Halter, Spacer und diverse andere Teile baute der Privatschrauber selbst. Fast alles davon aus Aluminium, vieles wurde WIG-geschweißt. Da er bis dahin nur Erfahrung mit dem Schweißen von Stahl und gewöhnlichem Blech hatte, musste so manches Teil zwei-, dreimal gebaut werden, »und der örtliche Schotthändler ist während der Zeit mit Vorliebe durch unsere Straße gefahren, um das Lehrgeld einzusammeln«, schmunzelt Christoph.
GRÜSSE AN DIE NACHBARSCHAFT
Entgegen der Optik war der Motor der Honda mit seinen 30 PS innerlich in einem sehr guten Zustand und verfügte über die kleinen Detailverbesserungen der letzten K-Serie wie optimierte Ölbohrungen und Ablaufkanäle. Er wird vermessen und neu abgedichtet. Und Christoph bohrt auf 350 Kubik auf. So wurde die Honda in den USA üblicherweise ausgeliefert. Die 100 Kubik machen tatsächlich einen spürbaren Unterschied, was das Drehmoment betrifft.

Die Kanäle im Zylinderkopf werden angepasst, wo es nötig war. Anstelle des Anlassers, der aus Gewichtsgründen raus musste, verbaute Christoph einen kleinen Zusatzkühler. Christoph tauscht die Unterdruckvergaser gegen Mikunis VM 30. Nun fährt die Honda CB 250 auch mit den offenen Luftfiltern gut. »Mit der einen oder anderen Abstimmungsfahrt habe ich das Guthaben in der Nachbarschaft sicherlich stark belastet oder gar aufgebraucht …. «

Auspuffseitig war der eigentliche Plan, eine hochgelegte 2-in-1-Anlage in Eigenregie aus VA zu schweißen. Für die ersten Einstellarbeiten und Temperaturmessungen der beiden Zylinder montierte Christoph allerdings die Originalanlage. Die leistete eine gute Performance und fügte sich so hübsch in die Linie des Bikes ein, dass am Ende doch kein Handlungsbedarf bestand.
Honda CB 250 – DIE SUCHE NACH DER NUMMER
Fast wären ausgerechnet wir dem Christoph und seiner Honda noch in die Quere gekommen. Auf der Suche nach einer schicken Startnummer, die sich gut an den Scheinwerfer anpasste, kam er auf die optimale Zahl. Die 74 sollte es sein, verbunden mit einem »S«, stehend für Christophs Frau Sabrina, die die Honda fahren würde.

Blöd nur, dass wir just zu diesem Zeitpunkt einen Artikel über die Flat Tracker von Hombrese Bikes veröffentlichten – und die nutzen seit Jahren dieselbe Nummern-Buchstaben-Kombi. Also neu denken und sich für die 71 entscheiden, das angehängte »V« steht für Vintage. Wehe, das macht einer nach!






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