Für gewöhnlich schielen wir mit Wehmut auf Umbauten im Land der aufgehenden -Sonne, wären sie doch hierzulande kaum zulassungsfähig. Bei dieser Honda CB 1100 sieht die Sache anders aus. Und überhaupt: Ein Hoch auf den letzten luftgekühlten Four!
Sie ist einer der großen Klassiker des Motorradbaus, und deshalb auch erste Wahl, wenn es um Honda-Umbauten im Vintage-Style geht. Die CB 750 Four ist selbstverständlich eine Zweirad-Ikone und genau das ist die Krux. Klar, erste Wahl beim Umbauen, aber mittlerweile auch elendig teuer in der Anschaffung, vor allem, wenn man ein gut laufendes und möglichst unverbasteltes Basiskrad erstehen will.
Neuer Wind statt alte Ikone
Und dann die oft maue Teileversorgung und das ganze Zulassungsgelerchs. Und überhaupt muss man auch noch richtig gut schrauben können, will man aus der Menge an wirklich formidablen Umbauten auf 750er-Four-Basis herausstechen.

Das ist in Japan nicht anders, aber Meister Nihira, schlitzohriger Customizer aus Tokio, hat die Lösung. Er setzt bei seinem aktuellen Streich auf die recht moderne Honda CB 1100 EX, die sich immerhin rühmen darf, den letzten der ikonischen luftgekühlten Four-Motoren in sich zu tragen.
Honda CB 1100 – Ein Hübsches Retro-Krad
Merkwürdigerweise wird das hübsche Retro-Krad nicht oft umgebaut, dabei bietet es von Haus aus eine schöne Linie und Optik, gerade bei der hier verwendeten EX-Version mit ihren Drahtspeichenrädern. Folglich sah auch Nihira, Chef von Wedge Motorcycle, keine Notwendigkeit, die Honda auf neue Räder zu stellen.

Wie er überhaupt wenig Notwendigkeit für ganz große Eingriffe sah. So folgt hier ausnahmsweise mal wirklich einer strikt dem Weniger-ist-Mehr-Motto, und das bekommt Custombikes oft besser als wahlloses Dranschrauben.
DIE WAHL DER RICHTIGEN REIFEN
»Einen Vierzylinder-Reihenmotor in ein passendes Kleid zu packen, ist nicht einfach«, weiß Customizer Nihira, der die CB im Kundenauftrag fertigte. »Die Motoren sind groß und schwer, die Rahmen sehr robust und ebenfalls keine leichte Kost. Dazu kommt hier auch noch die moderne Elektrik samt ABS und ihren komplexen Systemen, das schränkt die Umbau-Freiheit schon ein.«

So verabschiedet er sich schnell davon, alles umzustricken, sondern setzt vor allem durch die Verwendung ausgesuchter Details auf eine optische Aufwertung. Tatsächlich spielen dabei die Reifen eine wichtige Rolle. Nihira entscheidet sich für Firestone-Pneus mit hohem Querschnitt und Längsprofil.

Sie erzeugen einen Stil, den er normalerweise vor allem europäischen Customizern zuschreibt. »Wir Japaner sind oft eher filigran unterwegs, die wuchtigere Bobber-Optik liegt uns dagegen nicht so im Blut wie euch«, grinst er.
Honda CB 1100 schlank und kompakt
Um eine kompakte Linie zu erhalten, die auch für seinen eher schmächtigen Kunden gut zu händeln ist, legt er die Originalgabel ein Stück tiefer. Um die Linie insgesamt schlanker zu bekommen, behält Nihira den Hauptrahmen bei, baut aber einen komplett neuen Heckrahmen. Ein probates Mittel, auch hierzulande.

Eine wesentliche Rolle im neuen Set-Up wird dem Tank zuteil. Das Spritfass entsteht auf Basis des Alten, wobei nur die Oberseite wiederverwendet wird. In seiner Breite dagegen wird der Tank verschmälert. Auch die Gesamthöhe des Tanks wird gesenkt, zudem wird er niedriger als das Original montiert. Obwohl das Gefäß mit allen Modifikationen fast als Eigenbau durchgehen kann, behält er den Charakter des Originaltanks bei.

Zusammen mit der Sitzbank-Heck-Einheit erzielt Nihira durch den Umbau die kerzengerade Linie, die er angestrebt hat. »Wobei, dafür ist auch die Position des Scheinwerfers – sowohl in seiner Höhe, als auch in der Entfernung zur Gabel – entscheidend, das vergessen manche bei solch einem Konzept.« Japanisch gründlich wird die Funzel exakt auf die Linie abgestimmt.
DIE TECHNIK BLEIBT WEITESTGEHEND ORIGINAL
Wichtig für die Optik, da denkt Nihira nicht anders als wir, ist eine Verschlankung der Elektrik, was allerdings bei einem modernen Motorrad ungleich schwieriger als bei einem alten ist. So verzichtet der Customizer zwar auf Änderungen an Motor oder Luftfilterkasten, verdrahtet aber sämtliche Kabel neu, kürzt und verbessert, wo es sinnvoll erscheint, um möglichst wenig sichtbare Kabelei hervorlugen zu lassen.

Und natürlich baut Nihira einen neue Auspuffanlage. Wo beim Basisbike je eine Tüte pro Seite verbaut ist, gibt es bei seiner Interpretation zwei schwarze Endrohre, die übereinander auf der rechten Seite verbaut sind.

Der serienmäßige CO2-Sensor wird ebenfalls ohne Modifikation verwendet, so dass keine FI-Anpassung erforderlich ist und der Motor im gewohnten Bereich arbeitet. Ebenso sind Einspritzung und ABS voll serienmäßig, »auch um keine Probleme bei der alle zwei Jahre fälligen Vorführung des Motorrades zu haben – die haben wir analog zum deutschen TÜV nämlich auch«, erklärt der Customizer.
Honda CB 1100 – EINE ECHTE ALTERNATIVE
Wer die Wedge-CB mit dem Original vergleicht, dem fällt die neue, flache und kompakte Linie sofort auf. Trotz der Änderungen ist das Bike aber immer noch als das zu erkennen, was es ist. Eine Honda CB, die nun noch ein bisschen mehr retro daherkommt, als sie es schon von Haus aus ist.

Und ganz ehrlich, bei diesem Bike müssen wir gar nicht mehr auf die berühmte Großmutter CB 750 schielen. Das hier geht vollkommen klar. Eine moderne, problemlose Technik gibt’s obendrauf – mehr als eine echte Alternative zum sündteuren Klassiker.
Info | wedge-motorcycle.tokyo






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