Teilefabrikant mit Bike-Builder-Genen. Satya Kraus überzeigt mit innovativen, technischen Lösungen an seiner Harley Panhead
Einen echten Zungenbrecher gab uns Satya mit auf den Weg, als wir seine Harley auf dem Laughlin River Run entdeckten und sofort für uns und euch auf die Speicherkarte brannten. Als »Kyrgyz« bezeichnete Satya seine Panhead und brachte uns damit in die Verlegenheit, nicht zu wissen, was er meint. Während wir knobelten, ob wir hier einem neuen Design-Stil mit befremdlichem Namen gegenüberstanden, erlöste uns der Nordkalifornier. »Kyrgyz ist der Name eines mongolischen Reitervolkes. Meine Großmutter stammt von dort.«
Kriegerische Vergangenheit
Und es gibt weitere Bedeutungen des Wortes. Eine davon wird mit »unsterblich« angegeben und bezieht sich auf die kriegerische Vergangenheit des asiatischen Reitervolks. Etwas von der rebellischen Natur seiner Vorfahren scheint auch Satya geerbt zu haben. Sein Name stammt übrigens aus dem Sanskrit und bedeutet Wahrheit oder Treue.

Kein Wunder also, dass bei so vielen Bezügen zum Fernen Osten auch die Motorräder des Weltbürgers Satya Kraus diesen Weg einschlagen. Geboren wurde er in Brasilien, wuchs aber im Norden Kaliforniens auf. Schon als junger Bursche entdeckte er seine Liebe zu Motorrädern. Im Alter von zehn Jahren bekam er sein erstes Dirtbike und verbrachte darauf mehr Zeit als mit den Füßen auf dem Boden.
Mechanik als Grundstein
Doch nicht nur das Fahren machte ihm Spaß. Auch die ganze Mechanik und Technik faszinierten ihn. Zwei Jahre später baute er bereits seinen ersten Motor neu auf. So legte Satya den Grundstein für seine spätere Profession.

Nach einer Ausbildung zum Grafikdesigner und der Arbeit als Baumaschinist vereinte er seine technischen und künstlerischen Talente und gründete seinen eigenen Shop: Kraus Motor Co. Wer hier allerdings zur Inspektion oder zum Ölwechsel antreten will, ist schief gewickelt. Satya bietet nur eigene Parts und Bikes an. Die Kyrgyz ist sein bisher auffälligstes Werk.
Ungewöhnliche Details
Bereits auf den ersten Blick zeigt die Panhead ungewöhnliche Details, so fehlen zum Beispiel die Gabelbrücken. Das Design des Frontends hat Satya von Fahrrädern abgeschaut. Die Springergabel wird am unteren Lenkkopfende geführt. Der kurze Apehanger im BMX-Style sitzt dafür am oberen Ende desselben.

Alle Leitungen sind in den Rohren verlegt und eine weitere Eigenentwicklung sorgt für die cleane Optik. Sowohl Kupplung als auch die vordere Bremse funktionieren über Drehgriffe. Zum Kuppeln wird der linke nach vorn gedreht, zum Bremsen der rechte. Das Gasgeben funktioniert aber weiterhin nach althergebrachter Weise.
Eigene Lösungen
Beide Varianten der Twist Clutch und Twist Brake genannten Eigenentwicklungen sind übrigens sowohl hydraulisch als auch mechanisch erhältlich. Die Flüssigkeitsbehälter am Lenker der Kyrgyz verraten: Hier hat Satya die hydraulischen Versionen verbaut. Die kurz und knackig ausgeführten Auspuffrohre, die den Beltdrive umschlingen, waren für den Spezialisten dagegen nur eine Fingerübung. Der Tank über dem Panhead-Motor dient als Reservoir für das Öl, der eigentliche Benzintank befindet sich dafür am regulären Platz des Öltanks.

Über ihm sitzt der Fahrer auf einer gefederten Stahlplatte, die nur einen dünnen Lederüberzug erhielt. Zum Glück ist das aber nicht der einzige Komfort. Denn obwohl der Rahmen starr aussieht, ist er doch gefedert. Die »Roller Rocker« genannte Suspension verfügt über 2,5 Zoll Federweg und ist, wie der ganze Rahmen, ebenfalls eine Entwicklung des Schraubers.
Inspiration aus Fernost
Als Inspiration dienten Satya unverkennbar Bikes im japanischen Stil. Aus dem Willen, dem fernöstlichen Design seinen Tribut zu zollen, wurde aber doch noch etwas mehr. »Das Erbe meiner Vorfahren kam in mir durch. So wurden die Formen stärker und ich schuf die Kyrgyz. Wild und stark wie die Pferde der Mongolen.«, zeigt sich Kraus patriotisch. Die Fußrasten im Bärenfallen-Outfit sind aus Edelstahl und verzichten wie der polierte Benzintank und der Lenker auf Farbe.

Der Rahmen bekam einen Nickelüberzug und nur der Öltank sowie der ehemalige Sportster-Fender am Heck tragen konventionellen Lack. Sowohl vorn als auch hinten rotieren Avon-Gummis auf 40-Speichen-Felgen in 16 Zoll. Vorn im 140er-, hinten im 160er-Format. Den Panhead-Motor von 1965 hat der Erbauer mit Ersatzteilen von STD, Jims und S&S neu aufgebaut.
Bremse von Exile Cycles
Das Aggregat verfügt über ordentlich Vorschub, der von einem RevTech-Vierganggetriebe per Kette ans hintere Ritzel abgegeben wird. Genau dort greift auch die Bremse an, die von Exile stammt. Für weitere Sicherheit sorgt eine Vierkolbenzange von Tokico am Vorderrad. Zur Erleuchtung dient ein 4,5-Zoll-Scheinwerfer, der auf der Gabel thront.

Das Rücklicht ist wieder eine Spezialität von Kraus, die LEDs sitzen in einem selbst gedrehten Messinggehäuse. Diese beiden Komponenten sind die einzigen Vertreter ihrer Art am Bike. Auch hier gilt: Weniger ist mehr. Fast alle Fragen konnten wir nun klären.
Das Ringe-Rätsel
Als Bonus verraten wir euch noch, was die fünf Ringe auf dem Öltank bedeuten. Sie stammen ebenfalls aus der fernöstlichen Kultur und repräsentieren die in fünf Teile gegliederte Basis des Schwertkampfes. Erde, Wasser, Feuer, Wind und Leere stehen in diesem Fall für die Beziehungen des Fahrers zu seiner Umgebung.
Fazit: Heiliger Mongole! Alte Schule gepaart mit High-End-Komponenten machen die Pan zum Hingucker mit ungeahnten Fahrqualitäten.
Info | krausmotorco.com



















