Es gibt keinen Winkel der Welt, in dem Custombiker nicht gedeihen können. Wir stellen Ove, Sofus und die Silberschlange, eine Harley im Starrrahmen, vor
Gleich am Fährhafen, gegenüber der Festung Skansin, die einst gegen Piraten errichtet worden war, befand sich früher »Harley-Davidson Faroe«. Nicht überraschend genug, dass es auf dem kleinen Inselreich überhaupt einen Vertragshändler gab. Nein, Inhaber Ove Ritter bot gleich noch den Bau von individuellen Custombikes an.
Chromhobel im Atlantik
Langgabler und Chromhobel mitten im Atlantik!? Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie konnte er damit nie verdienen, weshalb der Flugzeugfachmann im Hauptjob am Flughafen arbeitet. Doch von den Motorräder die FInger lassen? Keineswegs!

»Von einem mehrjährigen Einsatz auf einer Air Base im Ausland brachte ich mir eine alte Harley mit. Doch die hiesige Zulassung war ein Höllentrip, weil’s keinerlei Unterlagen gab. Alles Nötige hab ich mir vom Kontinent und direkt bei Harley besorgt«, erinnert sich Ove an den Anfang vor vier Jahren.
Ein Schrauber namens Ove
Und weil das eben das erste US-Eisen auf den Färöer-Straßen war, weckte es das Interesse anderer. Also besorgte Ove zunächst weitere Gebrauchte und mietete eine Garage, um sie unterzustellen und auf Wunsch warten zu können. Als die zu klein wurde, mietete er noch das Haus neben der Garage und eröffnete seinen Laden.

Und um die Sache offiziell zu machen, bewarb er sich als Vertragshändler: Die Company stimmte dem Versuchsballon zu. Leider war das Projekt nicht von Erfolg gekrönt, geblieben ist aber der Harley-Club, und der hat gute internationale Kontakte, unter anderem zu Harleyristas auf Kuba – Insulaner unter sich.
Hier schlägt ein S&S-Herz
Nun, einer von Oves ersten Kunden war Sofus, der schon lange begeisterter Biker und auf den Färöern vor allem für seine wilden Karossen bekannt ist. Nichts logischer, als sich in der Autowerkstatt ein Custombike aufzubauen. Auf der Basis von Oves Handel gebar er als erstes die Silver Snake.

In ihr schlägt ein S&S-Herz zwischen ISR-gebremsten Kawa-Rädern, die moderne Gabel stammt aus einer Enduro, das Rücklicht kommt aus dem Club-Fundus und die Lampe aus Deutschland von Hella. Das meiste andere hat der Schlangenmann selbst gezaubert. Seine Fähigkeiten in allen Arten der Metallbearbeitung sind dabei kein Nachteil, sei es die Formgestaltung von Tank, Heck und Schutzblechen, Biegen und Schweißen von Lenker und anderen Rohren oder Drehen und Fräsen diverser Hebel und Gestänge.
Lackierung selfmade
Zunächst einfarbig gehalten, ist das Schlangen-Design der Maschine gerade kurz vor unserer Fotosession fertig geworden. Das hat Sofus natürlich genauso selbst lackiert wie den Wagen im Hintergrund. Der war mal ein Porsche 928 und ist kein Dezibel leiser als die Silberschlange: Die Färöer-Inseln sind ein freies Land, gehören nicht zur EU, und Schallwellen verlieren sich überm Atlantik …

Nummernschildbeleuchtung, Blinker … und ein Helm? »Ja, wir haben Helmpflicht. Aber die Polizei hält uns nicht an. Sie sagt sich: Wer sich die Ohren abfrieren will, ist selber schuld.« Doch hier frieren höchstens Touristen, die Nachfahren der Wikinger bestimmt nicht. Also düst Sofus mit wehendem Haar ab, begleitet von einem Kumpel auf einer nagelneuen Street Bob. Deren Umbau natürlich schon bekommen …











