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Fotos: Martin Franitza | Fotos sind urheberrechtlich geschützt

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Harley-Gespann – Die Zeitmaschine

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CB 6/26

Als eine Hommage an die Motorradreisenden der 20er und 30er Jahre entstand das Harley-Gespann »Yesterdays« – eine Sportster im Starrrahmen und mit klassischem Seitenwagen

Wen das Fernweh plagt, der kauft sich in der Regel eine dieser überschweren Pseudo-Enduros. Damit fährt er dann zum Spezialisten und lässt sich zum gleichen Preis der Maschine noch unabdingbares Zubehör aufquatschen. »Das ist nicht meine Welt. Für mich ist ein BUS immer noch ein Fortbewegungsmittel für eine reisefreudige Gruppe von Rentnern«, lacht Martin Franitza. Die drei Buchstaben GPS ordnet der Gespann-Spezialist in die Kategorie unwichtiger Abkürzungen ein.

Zurück in die gute, alte Zeit

Zur Orientierung verwendet er lieber ein gedrucktes Stück Papier. Nun gut. Wir leben zwar in modernern Zeiten. Aber den Bayern interessieren die sogenannten guten, alten Zeiten. Er will das erleben, was unsere Großväter erlebt haben. Ein waschechter Oldtimer wäre dafür sicher das geeignete Fortbewegungsmittel. Aber die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Also versucht er, das Gestern und Heute mit einem Eigenbau zu verbinden.

Großprojekt: Bis aus Harley-Sportster-Motor, Starrrahmen und Seitenwagen-Unikat ein ansehnliches und fahrbereites Retro-Gespann entstand, sollten drei Jahre intensiven Aufbaus vergehen

So entsteht die Idee für das Projekt Yesterdays. Als Vorbild dienen Martin die großen V2-Maschinen aus den 20er Jahren von BSA, Matchless oder Harley-Davidson. Die Entscheidung über die Antriebseinheit des Eigenbaus ist einfach. Ein Harley-Sportster-Motor soll es sein.

Sportster-Motor als Antrieb

Die Sporty-Einheiten sind robust, agil und vor allem preiswerter als die Big Twin-Motoren. Eine gebrauchte 883 muss ihr Herz und jede Menge Kleinteile für das Projekt spenden. Beim Rahmen entscheidet sich der Selberschrauber für die holländische Firma VG. »VG kann bei der Produktion meinen Wunsch nach einem geringeren Nachlauf für den Beiwagenbetrieb berücksichtigen«, erzählt Martin.

Fahrwerksbau: Die maschinenseitigen Anschlüsse werden teilweise direkt mit dem VG-Rahmen verschweißt

Um das kalkulierte Budget für den Eigenbau zu schonen, sucht er auch nach Gebrauchtteilen: Speichenräder für 40 Euro, Tank oder Trittbrettanlage aus der Schrottkiste für umme. Die klassische Optik wird allein schon vom VG-Starrrahmen und der Springergabel bestimmt. Das fette Hinterrad mit der Bereifung 185/65-15 ist ein Zugeständnis an die moderne Zeit. Zudem hat dieser Reifen den Vorteil, dass er mit nur 1,2 bar Luftdruck befüllt einen Teil der fehlenden Hinterradfederung ausgleicht.

Schonend für den Geldbeutel

Die Bandscheiben des Fahrers schont der Oldstyle-Ledersattel, der von einem Bilsteinfederbein gedämpft wird. Elektrik, Armaturen, also die ganze Zubehör-Hardware, wird von der gebrauchten Sportster verwendet. Das schont den Geldbeutel und stimmt den TÜV milde. Jürgen Roth ist sicher ein genialer Blechner, wenn man den fertigen Beiwagen betrachtet.

Boat Trip: Nach exakter Absprache werden sämtliche Ideen zu Boot und Innenausstattung perfekt umgesetzt

An seinen Ausreden über die Lieferverzögerung würde aber jeder Psychologe seine Freude haben. Der Beiwagen ist mit einem Vierpunktanschluss am Motorrad montiert. Mit dem Bezug des Sitzes und der beiden Innenverkleidungen wird die Sattlerei Kirschbaum in Reutlingen beauftragt. Herr Kirschbaum lässt sich von Martins Begeisterung für dieses Projekt anstecken.

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Kleinigkeiten kosten Zeit

Dem Sitz verleiht er die Bequemlichkeit eines Wohnzimmersessels. Die Frontschürze der Beiwagenscheibe und des Leerverdecks versieht er mit Einfassungen aus dem Sitzleder. Ein auf 1200 ccm gebrachter Motor ist schnell in einen Rahmen montiert. Am zeitaufwändigsten sind aber die vielen Kleinigkeiten, die es bei jedem Eigenbau zu tun gibt.

Zugeständnis: In der Springergabel verzögert eine moderne Scheibenbremse

Allein die Anpassung des Bilsteindämpfers für den Sitz dauert mit Hin- und Herschicken verschiedener Federn drei Wochen. Dann hat man von gerade dringend benötigten Schrauben immer zu wenig im Regal. Nach zwei Versuchen mit Magura-Lenkern stellt mich erst der Oldstyle-Lenker von LSL zufrieden. Während des Aufbaus fallen einem immer weitere, verrückte Ideen ein.

Langwieriger Aufbau

Das sind in diesem Fall die Holzleisten für das Boot und die Frontscheibe. Sie haben keine tragende oder verstärkende Funktion, sondern dienen nur der Zierde. Zudem bilde ich mir ein Beiwagentrittbrett mit dem Yesterdays-Logo ein. Das Anfertigen einer Gussform und der anschließende Messingguss bei der Firma Kollinger in Elchingen verschlingt insgesamt sechs Wochen.

Die Seitenwagenscheibe kann zum bequemeren Einstieg nach vorn geklappt werden

Die Monate vergehen wie im Fluge, analog wird der Geldbeutel schmaler. Nun kann das Gespann endlich lackiert werden. Beim Lack entscheidet sich Martin für einen matten PU-2K-Lack, wie er auch für Lastwagenfahrgestelle verwendet wird. Er ist einfach zu handhaben, in allen Farben lieferbar und kostet nur einen Bruchteil eines Fahrzeuglacks.

Used statt Old

Den Begriff Old Style hatte er zuvor schon in »Used Style« abgewandelt. Die Verwendung der vielen Gebrauchtteile beim Aufbau legte diese neue Stilbezeichnung nahe. Unterstützt wird dies dadurch, dass keine einzige Schweißnaht verschliffen oder verspachtelt wird. Nach drei langen Jahren Bauzeit ist das Gespann endlich fertig.

Mittlerweile hat die Harley eine siebenwöchigen Marokko-Tour schadlos überstanden

Während der ersten Frühlingstage unternimmt Martin ausgiebige Probefahrten. Locker erreicht das Gespann auf der Autobahn 120 km/h. Der durchschnittliche Benzinverbrauch liegt bei etwa sieben Litern. »Ein paar Schrauben lockern sich immer wieder. Ab sofort gehört flüssige Schraubensicherung zur Standardausrüstung an Werkzeug und Ersatzteilen.«

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