»Liberator« nannten die Amis die Harley-WLA- und WLC-Modelle. Noch heute taugt die 750er Flathead als Basis für Rebel-Chopper.
In den Dreißiger- und Vierziger-Jahren zählten die 750-ccm-Seitenventiler weltweit zu den meistgebauten Motorrädern der Marke Harley-Davidson. Denn weil die Flatheads als nahezu unverwüstlich galten, wurde bald auch das Militär auf die Harley mit 45 Cubic Inches aufmerksam. Nach langen Testreihen und anschließenden Verhandlungen bekam die Geschäftsführung in Milwaukee 1939 den Regierungsauftrag, Motorräder an die US Army zu liefern.
Im Krieg überzeugend
Insgesamt 88.000 WLA- und WLC-Modelle wurden geordert, dazu Ersatzteile für weitere 30.000 Motorräder. Kluges Engineering, gründliche Erprobung und die Ausrüstung mit militärischem Zubehör hatten sich gelohnt. Denn im harten Einsatz im Zweiten Weltkrieg legten die Flathead-Modelle eine überzeugende Vorstellung ab.

Selbst nach dem Krieg ließ sich die stabile WL weiter an Privatpersonen verkaufen. Sie diente zudem als Basis für das bis 1973 (!) gebaute Trike mit Namen Servicar. Genau so eine Zivilmaschine aus dem Jahr 1946 bildet die Basis für den zeitgenössischen Chopper von Frank.
Rebel-Bike mit vielen Originalteilen
Zehn lange Jahre hatte die WL zerlegt auf einem Dachstuhl im Stadtteil Strelitz gelegen, bis Frank sie aus dem Dornröschenschlaf befreite. Weitere 18 Monate nahm er sich nun Zeit, die 750er im typischen Stil traditioneller Rebel-Bikes aufzubauen. Über 70 Prozent der verwendeten Teile blieben dabei original.

Allerdings überholte er den 45-Grad-V2-Motor, ersetzte den zickigen Linkert-Vergaser gegen einen modernen Mikuni und rüstete auf 12-Volt-Elektrik um – ein üblicher Umbau bei alten Flathead-Harleys. Die optischen Veränderungen beschränkten sich auf einen flachen Heckfender, einen Buckhorn-Lenker, Trittbretter, Solosattel und Sissybar. Ein wenig Chrom hier, ein 21-Zoll-Vorderrad dort, und fertig war das glaubwürdige Outlaw-Bike der frühen Tage.
Nicht schnell, aber zuverlässig
Jetzt verfügt die alte Flattie wieder über beinahe militärische Tugenden: Sie ist nicht wirklich schnell, aber höchst zuverlässig. Fazit: Weil die WL als Standard-Motorrad der US-Armee im Zweiten Weltkrieg geordert wurde, gilt sie als die meistgebaute Harley überhaupt. Vielleicht findet sich ja irgendwo noch ein bezahlbarer »Liberator« für einen Umbau zum authentischen Old-School-Chopper.













