Wir erinnern uns gern an die Harley Evo von Thomas Bader. Sie gewann vor zwei Jahren den Titel »Leserbike des Jahres«.
Aktuell läuft die Votingphase unseres jährlichen CUSTOMBIKE-Wettbewerbs. Thomy Bader kann sich noch gut an 2023 erinnern, als er mit seiner Harley Evo einer der Finalisten war. Und auch an den Anruf, den er damals von uns bekam. »Ha noi, ha noi, des is nedd euer Ernschd, i muss mi jetzt erschdmol setze.« Kollege Carlos hatte Thomy über den Sieg in unserem diesjährigen Umbau-Wettbewerb unterrichtet, da war am Rande der Schwäbischen Alb erstmal durchschnaufen angesagt. Eineinhalb Wochen behielt Thomy die gute Nachricht für sich, weil er sich nicht ganz sicher ist, ob wir ihn nicht doch verarscht hatten.

Hattenen wir nicht, und kurz vorm geplanten Fototermin erzählte er endlich auch seinem Mitstreiter Uli von dem Coup, den ihr Aufbau gelandet hatte. Witzig dabei vor allem, dass Thomy eigentlich nur andere gute Schrauber animieren wollte, bei unserem Contest mitzumachen. Weil die alle zögerten, ging er mit gutem Beispiel voran und meldete seine Softail an. Die anderen folgten nicht, »und dann hab ausgerechnet ich gewonnen.«
DIE ALTE SCHULE
Mit seinen 65 Jahren ist Thomy ein alter Hase, kennt die deutsche Szene und ihre Protagonisten seit über 40 Jahren. Komisch, dass wir uns bis jetzt nicht über den Weg gelaufen waren. Dabei baut Thomy seit Jahrzehnten die schönsten Motorräder, macht aber nicht viel Aufhebens darum und hält alles in einem kleinen Rahmen. Aber er ist bestens vernetzt, kennt viele der Customizer, die schon lange dabei sind, hat zu jedem eigene Geschichten zu erzählen, wie wir schnell feststellen.

Sein Schrauberbuddy und Freund Uli ist der Metaller bei den Jungs von CPO. Thomy kennt den Steve von SSC genauso wie den Udo Sacher und viele der alten Recken mehr. Als wir uns beim Fotoshooting unterhalten, ist das am Ende auch wie ein kleiner Streifzug durch deutsche Custom-Historie.
Harley Evo reduziert
Nicht anders das Motorrad, das vor uns steht und Thomys Credo »je reduzierter, desto besser« nahezu perfekt auf die Straße bringt. Schon seit einigen Zeiten nimmt sich der Gingener gern Evo-Motoren als Basis, die findet er »noch einen Ticken besser als die Twin Cams«.

Und ja, er könnte auch die alten Pans und Shovels neu aufbauen, oft genug hat er es gemacht, aber heute weiß er die moderne Motortechnik ebenso zu schätzen wie ein Mindestmaß an Federung oder einen E-Starter, »denn ich will ja auch ohne Probleme fahren, vor allem fahren.«
DER BLICK AUFS WESENTLICHE
Die Heritage Softail, die er sich in diesem Fall zum Bobber schnitzte, stand als Rohbau in seiner Werkstatt. Eigentlich sollte ein anderer sie bekommen, der wollte aber irgendwann nicht mehr. So beschloss Thomy, das Bike für sich selbst aufzubauen, das Wichtigste war ja bereits vorhanden. »Motor, Getriebe, Primär, Rahmen und dann Schritt für Schritt«, weiß er.

Den Rahmen befreit er von sämtlichen Halterungen und Blechen, der Motor wird überholt und gestrahlt. Akzente setzen der eigens gebaute Nose-Cone-Filter und die Auspuffanlage. Auch letztere selbstgeschnitzt, aber mit einem Thorcat-Innenleben als Dämpfersystem, »im Prinzip so, wie das Harley selbst auch macht«, weiß Thomy und drückt den Starterknopf.
Bitte kein Behördenärger
Der Sound ist sonor, tatsächlich angenehm, »Ärger mit den Behörden brauche ich heute nicht mehr.« Auch einen offenen Antrieb braucht er nicht, »denn sind wir mal ehrlich, das macht permanent massig Geräusch und dir fliegt der Dreck rein.« Dann lieber hübsche Deckel hier und dort, im Rahmen versteckte Kabel, eine winzige Elektrobox im Schwingendreieck, ein ultracleaner Eigenbau-Lenker mit Tastarmaturen, hintere Blinker, die man erstmal suchen muss.

Selbst für einen Rundtacho ist kein Platz, das kleine Motogadget-Instrument muss reichen. Aber tief ist sie doch, die Harley, oder Thomy? »Ja, gute zehn Zentimeter bringt das Müller-Kit.« Vorn behält Thomy die originale Gabel, kürzt aber die Standrohre, verbaut lineare Federn, »progressive Federn lasse ich lieber bei einer so kurzen Gabel, da verschenke ich keinen Millimeter«, erklärt er. Die Gabelbrücken mit dem Sechs-Grad-Rake kommen von Tolle aus Schweden, »beziehungsweise von Warneke und Faust, die hatten die im Programm. Kennt die überhaupt noch einer?«
Harley Evo – DIE ÖKOBILANZ STIMMT
Bliebe noch, über die sexy Trommelbremse im Vorderrad – kombiniert mit einer 18-Zoll-Akrontfelge – zu sprechen. »Yamaha SR-500-Duplextrommel«, schmunzelt Thomy, »die verwende ich sehr gern.« Die alte Trommel aus dem Klassiker dreht er aus, nimmt dazu neue Beläge, »die Duplex bremst wirklich nicht so schlecht und die Beläge halten gut und gerne 25000 Kilometer«, da spricht die Erfahrung. Einziges Manko für Thomy: Die Trommelbremse vorne ist nicht mehr leicht zu bekommen.

Und dann kommt schließlich noch der Schwabe durch, »wir werfen nix weg, alles wird irgendwie verschafft, die Ökobilanz meiner Bikes stimmt«, grinst Thomy, als wir zwischen zwei tiefen Zigarettenzügen auf den Tank zu sprechen kommen. Der stammt von der US-Version der Yamaha XS 650 und hing fast dreißig Jahre an seiner Werkstattwand, bevor er nun ein neues Leben bekam.
Perfekte Modifikation
Die Umänderungsarbeiten am Spritgefäß sind nicht ohne, der Tankboden wird stark modifiziert. »Wenn man ganz genau hinschaut, sieht man, dass die eine Tankhälfte minimal höher ist als die andere. Anders ging es nicht, alles sauber hinzukriegen«, bekommen wir erklärt, als wir ums Motorrad kriechen. Ganz ehrlich, wir sehen nix, so perfekt ist die Modifikation gelungen.

Für das Finish seines Bobbers, was den Lack angeht, setzt Thomy übrigens auf einen genauso alten Sack wie sich selbst, natürlich im besten Sinne des Wortes. Ingo Kruse ist wohl einer der dienstältesten und renommiertesten Lackierer unseres Landes, »und dem Ingo lasse ich auch weitestgehend freie Hand, das wird immer gut«, weiß Thomy, der eine zeitlose Lackierung wie diese immer einem wilden Bemalen vorziehen würde, »denn ich will mich doch in drei Jahren nicht daran sattgesehen haben.«
Keine Trennungsgedanken mehr
Und wie ging es nun weiter mit Thomy und dem Bobber, immerhin wollten die beiden ursprünglich nicht für ewig zusammenbleiben. »Nun«, sagte uns unser Siegertyp zum Abschied, »ihr wisst ja, wie das ist. Wenn du eine Beziehung zu was aufbaust, dann wird’s schräg.« Ihre 10.000 Kilometer pro Jahr spuelen die beiden ab, Trennung kein Thema.
















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