Schwarz, breit, böse – eine Harley-Davidson FX nagelt im Dreizylinder-Diesel-Rhythmus.
Dieser Mann hatte einfach überhaupt keinen Respekt vor klassischen Motoren. Wenn es darum geht, originale Motorrad-Aggregate gegen Diesel-Stationärmotoren zu tauschen, dann machte Heiko Fleck nicht einmal vor einer ehrenwerten Harley-Davidson halt. »Warum denn auch? Gerade zu einem Cruiser passt die Charakteristik von einem Diesel sehr gut«, erklärt der Spezialist, der bereits E-Glides, FXR und Superglides mit Selbstzünder-Aggregaten versehen hat.
Harley-Davidson, aber auf Diesel
»Eine Diesel-Harley fährt sich, wie eben eine Harley fährt. Bequem, bullig, zum Wohlfühlen, nur ein wenig langsamer«, beschreibt Heiko das Fahrgefühl. Um welches Triebwerk es sich handelt, liegt dabei ganz im Ermessen des Auftraggebers. Optisch perfekt sieht ein 812 Kipor-V2-Motor aus.

Ebenfalls hübsch und darüber hinaus deutlich kräftiger ist auch das 1000-ccm-Dreizylinder-Triebwerk der italienischen Motorenbauer von Lombardini. Genau diesen Triple hat Heiko in seiner eigenen Superglide verbaut. Doch dazu später mehr.
Viele Eigenanfertigungen
Denn angefangen hatte der umbauwütige Bayer mit dem Kauf eines Harley-Rahmens. Alle weiteren Komponenten – etwa der sechs Gallonen-Tank, die vorverlegte Fußrastenanlage oder die Harley-Scheibenbremsanlage – kamen nach und nach zusammen. Breitreifenschwinge, Heckfender und andere Details hat Heiko in seiner Werkstatt gleich selbst angefertigt.

In die Schwinge stopfte er einen 200er Reifen, vorn sollte sich ein 100 Millimeter schmaler 19-Zöller drehen. Doch der eigentliche Grund dieser Um- und Anbauten war es, einen würdigen Platz für den wassergekühlten Lombardini-Diesel-Motor zu schaffen. Heiko verband den 85-Kilo-Klotz über einen 3-Zoll-Belt mit einem Ultima-Sechsgang-Overdrive-Getriebe.
Von Anfang an Vollgas
So passt der neue Motor ohne Schweißarbeiten und größere Veränderungen in den Harley-Schwingenrahmen. Dank des Kurbelwellenversatzes von 120° halten sich die Vibrationen des mit 22,8:1 hoch verdichteten Vorkammer-Diesels in erträglichen Grenzen. Und da der Motor zudem konsequent auf Langlebigkeit ausgelegt wurde, sind bei der Dauerhaltbarkeit im Motorrad keine Kapriolen zu erwarten: »Normalerweise treibt der Lombardini-Diesel Minibagger und so was an. Und ein Bagger muss halt von Anfang an Vollgas vertragen können.«

Niedertourige 30 PS leistet das kompakte Einbauaggregat und treibt die 300-Kilo-Harley damit auf immerhin 140 km/h. »Das dauert ein bisschen. Aber wer mehr will, kann auch einen Turbo-Motor mit 45 PS bekommen«, weiß der 41-Jährige. Der Verbrauch liegt bei etwa drei Litern, »der Turbo nimmt etwa einen Liter mehr«, ist Heiko stolz auf die Genügsamkeit seiner Konstruktionen.
Unbequemer Tourendampfer
Damit bietet sich die Diesel-Harley als genügsame, zuverlässige und ausreichend flotte Tourenmaschine an: »Das Einzige, was mich stört, sind die vorverlegten Fußrasten«, stöhnte Heiko, »man sitzt da für meinen Geschmack einfach verdammt unbequem drauf.« Sicher wird er die Rastenanlage schon bald in die Fahrzeugmitte basteln. Denn wenn jemand ohne zu zögern den altehrwürdigen V-Twin gegen einen Diesel ersetzt, dann hat er schon mal gar keinen Respekt vor der angestammten Lage profaner Fußrasten …

Info | Dieselfleck’s Blog














