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Harley-Davidson ULH – Lehrstunde in Pattaya

Diese Harley-Davidson ULH macht einen kleinen historischen Abstecher in die 1940er-Jahre notwendig – ihr Seitenständer war eine Sensation

Das strahlende Gelb unserer Pattaya-Entdeckung – wir sind auf der Burapa Bike Week in Thailand – entspricht ganz sicher nicht der originalen Lackierung. Die war wohl eher Rot oder Schwarz. Aber abgesehen davon ist diese Kiste original und deshalb einen genauen Blick wert, die Nostalgiker unter euch wird’s freuen.

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Wunderlich "Beiträge"

Harley-Davidson ULH mit seitenventil-Flathead

Der seitlich gesteuerte Flathead-Motor wurde seit 1929 bei Harley verbaut, zuerst mit 74 Cubic Inch, ab 1936 auch als Big Twin mit 80 cui, was 1340 ccm entspricht. Die relative Baugleichheit der mit unterschiedlichem Hubraum ausgestatteten Maschinen wurde im typisch verwirrenden H-D-Sprachgebrauch durch den Zusatz immer neuer Buchstaben unterschieden, ob als U für die Solomaschine, UHS für den Seitenwagenbetrieb oder in unserem Fall als ULH mit höherer Verdichtung.

Ausgerechnet in Thailand entdeckten wir dieses Relikt. Das wichtigste Teil an der ULH ist ihr Seitenständer

Während der Flathead-Motor an sich bis 1948 weiter verbaut wurde – in Harleys Servicar gar bis 1973 –, war die Produktion für die ULH-Ausführung schon 1941 zu Ende. Unser gelber Sonnenschein hier stammt im Ursprung aus dem Jahr 1940 und war eine von exakt 672 produzierten Motorrädern dieser Serie. Kostenpunkt damals: Etwas mehr als 400 Dollar.

DER JIFFY-STAND

Für den aus heutiger Sicht unvorstell­baren Anschaffungspreis erhielt der Käufer immerhin eine Trockensumpfschmierung statt der Verlustschmierung und leichtere Alu-Zylinderköpfe standardmäßig bei den 80-cui-Modellen. Standard war mittlerweile auch die seitliche Stützhilfe, die seit 1936 als Neuerung an den Vormodellen VL montiert war. Dieser »Jiffy Stand« ersetzte den bis dahin üblichen und an der hinteren Achse befestigten Haupt- oder Heckständer.

Das meiste an der ULH-Flathead ist original, lediglich den gelben Lack gab es damals – anders als heute – nicht für Serien-Harleys

Der war zwar stabil, aber eben umständlich auszuklappen und dementsprechend beschwerlich zu bedienen. Der neue Seitenständer dagegen war im Nu rausgeklappt, eben »in a jiffy«, wie der Ami sagt. Vor allem für Polizeimotorräder war die Neuerung übrigens ein echter Gewinn, war doch zuvor ein Dieb schon über alle Berge, bevor das Police-Krad ordentlich abgestellt war.

Lustig auch der damalige Preis, für knapp über 400 Dollar wurde das Modell 1940 der Kundschaft angeboten

Nachdem in der Harley-Hauspostille »Enthusiast« ein langer Artikel über diese Effizienzerhöhung der Polizeikräder erschienen war, bot die Company den Jiffy Stand als Nachrüstteil zum Preis von drei Dollar auch für die zivile Kundschaft zum nachträglichen Anbau an, bevor er schließlich zur Standardausstattung der Milwaukee-Modelle avancierte.

Harley-Davidson ULH – ETWAS LABIL, ABER EBEN AUCH ALT

Erstaunlich übrigens auch die nachvollziehbaren Gedankengänge, die sich die Erfinder dieses Stück Metalls machten. Warum befindet sich die Standhilfe nicht auf der rechten Seite? Nun, weil die Tradition des Aufsteigens bis zur berittenen Kavallerie zurückverfolgt wurde.

Der »Jiffy Stand« erhöhte vor allem die Effizienz von ­Polizei-Harleys

Damals erklomm die Mehrzahl der Männer das Pferd von links, und selbst der rechtshändige Soldat trug seinen Säbel an der linken Seite. Außerdem war der linksseitige Ständer hilfreich beim Kicken, denn die Erfindung des elektrischen Starters lag ja noch ein paar Jahre in der Zukunft.

Ein Stückchen Historie

Tatsächlich hinterlässt allein die Stützhilfe bei unserer Thailand-Entdeckung einen etwas labilen Eindruck. Ist halt schon über achtzig Jahre alt, dieses kleine Stückchen Harley-History.

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DM 1/26

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CB 6/25




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Fotos: Harry Trojahn
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