Der geistige Vater aller Blings heißt Bill Dodge. Customizer Andy Bergin tritt mit seiner rattigen Harley-Davidson Ironhead-Sportster voll in die Fußstapfen des kultigen Originals.
Alte Harley-Davidsons oder Triumphs, schmal und reduziert, grottig, verranzt, aber doch so cool, so lässig, so ganz ohne Attitude – der Amerikaner Bill Dodge ist der unangefochtene Meister des Bling-Style. Er beamte sich und uns mit seinen Umbauten zurück in eine Zeit weit vor der Teutul-Mania, als Motorräder noch gebaut wurden, um Spaß zu haben und nicht, um ein überzogenes Ego zu streicheln. Und zum Glück hatte er damit den Erfolg, den es brauchte, um die alte Schule wieder in die vordersten Reihen der Bikeshows zu spülen.
Bill Dodge, das Vorbild
»Back to Basic« war plötzlich das Schlagwort für Amerikas Custom-Gilde im Angesicht der kriselnden Wirtschaft. Teure Moppeds standen eh wie Blei in den Regalen, also zurück auf Null. Reich wurde Dodge damit nicht.

Wie auch, wenn man Motorräder für normal arbeitende Menschen baut, die sich ein Bike jenseits der eigenen, geringen finanziellen Schmerzgrenze niemals leisten können? Und weil der Großteil der Menschheit eben nicht über das große Geld verfügt, entstehen auch in immer mehr privaten Garagen Motorräder nach dem Vorbild von Blingmaster Dodge – wie bei einem seiner größten Bewunderer, Andy Bergin.
Cooler Mischmasch
Extra-Punch für die Sporty – Hotchpotch nennen die Amis ein Bike, wie das von Andy. Übersetzt heißt das sowas wie Mischmasch. Es scheint, als passen die Teile von zahllosen Firmen nicht zusammen, aber wie bei einem guten Eintopf machen die wild durcheinander gewürfelten Zutaten die Sache rund.

Um geldsparend zu bauen, entschied sich Andy bei der Planung seines Umbaus für einen Sportster-Motor als Antriebseinheit. Kultig ist der Ironhead allemal, dazu noch um einiges günstiger als die von Dodge bevorzugten Knuckles. Andy kaufte das Bike im Originalzustand und änderte den Rahmen nur minimal ab.
Harley-Davidson mit Extra-Punch
Dem Motor genügten ein paar neue Settings. Modernere Kolben zum Beispiel, neue Nocken und Zylinderköpfe oder der Keihin-Vergaser, den Kumpel Joe erst einmal überholte. Die Dyna-Zündung gibt der Sporty sogar ein bisschen Extra-Punch, und wäre nicht das schäbige Äußere, wir würden angesichts dieser Maßnahmen von getrimmter Sportlichkeit ausgehen.

»Eine alte Sporty braucht in dem Bereich jede Hilfe die sie kriegen kann«, erklärt Andy. Klar, so eine Sportster wurde 1974 mit überschaubaren 63 PS ausgeliefert, da schadet ein bisschen modernes Tuning fürs Alltagsbike kaum.
Teile vom Swap Meet
Da der Rest der Karre komplett selfmade und aus Gebrauchtteilen entstand, hielten sich die Gesamtkosten trotzdem in einem günstigen Rahmen. »Ist in jedem Fall Low Budget«, erklärt Andy, der sich während des Baus seiner Sporty bevorzugt auf Flohmärkten in ganz Florida rumtrieb. Dort fand er allerlei nützliches, einen Heckfender zum Beispiel, den Cross-Lenker oder den Luftfilter.

Und natürlich stammt auch sein persönliches Highlight aus der Krabbelkiste des örtlichen Swap Meets: »Der Tank einer schwedischen 70er Jahre Husqvarna, und das hier in Amerika.«, schluchzt er noch heute vor Rührung. Bearbeitet hat er den Behälter kaum, auch nicht lackiert oder gebrusht, lediglich ein bisschen aufpoliert. »Einfach wie er war, perfekt, taugt.«, der Umbauer braucht nicht viele Worte.
Eine Stahlplatte als Sattel
Und wie der getapte Auspuff keine Schnelligkeit suggeriert, erzählt die Stahlplatte, die als Sattel dient, auch nix von Bequemlichkeit. Und die Trommelbremse hinten nix von ansprechender Verzögerung und die Stollenreifen schon mal gar nix von einer Trailer Queen. Im Gegenteil, ein bisschen Sand und Salz auf die Oberflächen gerieben, und Andy hatte nochmal mehr dieses unvergleichlichen Looks, den sein geistiger Mentor Bill Dodge Bling nennt, der aber soweit davon weg ist, wie ein Vegetarier vom Wiener Schnitzel.

Und noch während dieses Portrait entstand, erklärte Familie Teutul, dass ihre Reality Biker Show »American Chopper« eingestellt ist. Aber ehrlich, das war ja auch nicht wirklich Reality. Die echte seht ihr nämlich hier: Mit erdigen Motorrädern, zu vernünftigen Preisen, gebaut für den Spaß am Anschauen und zum Verstehen ihrer Technik.
Reicht: Spaß und Fahren
Und zum Glück ist dieser Trend bis heute ungebrochen: Moppeds, die einfach nur Spaß machen und keinem anderen Zweck dienen als dem Fahren.



















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