Obwohl Sammy nicht auf der Suche nach einem Harley Panhead im Starrrahmen ist, fällt ihm unerwartet ein original Wishbone-Rahmen in die Hände
Von schnellen Bikes zum entspannten Fahren geht es manchmal schneller als erwartet. Sammy hat, wie viele, mehrere Stufen der Motorrad- und Schrauberkarriere durchlaufen. Seit Kindestagen wird alles gefahren, was zwei oder vier Räder hat und entsprechend umgebaut oder modifiziert. Vom Fahrrad über Mofa und Roller zu den Motorrädern. Mit Achtzehn hält er beide Führerscheine in den Händen und fährt fortan zweigleisig.
Erstmal sportlich
Klar, in jungen Jahren kann es nie schnell genug gehen. Ist das erste Motorrad noch eine Suzuki GS 500, folgt kurz darauf die Supersport-Klasse mit einer Yamaha R6. Doch wofür andere Jahre brauchen, erledigt Sammy mit Kumpel Achim im Schnelldurchlauf.

Bald schon ist die Nummer mit den Knieschleifern durch und mit der LS 650 folgen die ersten Schritte bei den Soft-Choppern und somit auch erste Umbauten. Doch Sammy taugt das nicht lange, der Savage fehlt der Bumms, fortan soll’s eine Sportster richten.
ALTER RAHMEN MIT PAPIEREN
Inzwischen sind zehn Jahre vergangen und auch die kleine Harley blieb nicht lange im Serienzustand. Wieder ist der Kumpel die treibende Kraft: »Irgendwann kam Achim plötzlich und meinte, wir müssten jetzt Starrrahmen fahren«, erinnert sich Sammy. »Doch mir war das zu teuer und so war das Thema für mich schnell durch.« Bis ihm eines Tages beim Räumen eines Lagers in einer Kellerecke ein alter Rahmen auffällt.

»Mein Bruder und ich hatten ein Lager mit AMG-Teilen aufgekauft und da ist mir das Teil mehr oder weniger ins Auge gesprungen. Also habe ich den Besitzer gefragt, was damit ist und ob er zu verkaufen sei. Das Problem war aber der Preis, da es ein echter Harley-Davidson Wishbone-Rahmen mit Papieren war.«

Sammy hakt das Thema ab, zu teuer für sein Budget. Doch je länger die Räumung dauert, um so mehr sinkt der Preis. Inzwischen kennt man sich und einigt sich auf die Hälfte. Und so wechselt der ehrwürdige Rahmen den Besitzer. Nackt und ohne ein einziges, weiteres Teil, wohlgemerkt.
Harley Shovel oder Harley Panhead?
Mit Jürgen Bäuerle von JBCB Custom Bikes hat Sammy schon seit Jahren den richtigen Ansprechpartner und Teilelieferanten ander Hand. »Ich hab dann ziemlich schnell bei Jürgen angerufen, ihm kurz geschildert, was ich gekauft habe, und gleich nach einem passenden Motor gefragt. Zur Auswahl standen ein paar alte Shovel-Motoren oder eben ein Panhead.« Der aber steckt in einer alten Harley mit Knick-Rahmen.

Kurzerhand bekommt Sammy das komplette Motorrad überlassen und nimmt sich die Teile, die er für seinen Chopper verwenden will. »Es blieb dann bei Motor und Getriebe sowie ein paar Kleinteilen. Da ich eine Springergabel und die klassische Rad-Kombination mit 21 Zoll vorn und 16 Zoll hinten haben wollte, war der Rest uninteressant.«

Für alle weiteren Teile, die er für den Umbau benötigt, stellt er eine Liste zusammen, die er Jürgen übergibt. »Übers Internet habe ich tatsächlich ganz wenig bestellt«, resümiert Sammy.
LACKIERUNG UND GRAVUREN ALS FINISH
Rund vier Monate nimmt der Umbau in Anspruch. Meist nach Feierabend oder an den Wochenenden wird geschraubt und auch mal geflucht, wenn es wieder nicht so läuft wie geplant. Alle Arbeiten, die er nicht selbst durchführen kann wie das Verchromen, die Lederarbeiten oder die Lackierung, lässt er im Umkreis machen. Das spart Zeit und unnötige Wege.

Gleichzeitig baut er sich so aber auch ein Netzwerk auf, mit dem er heute arbeiten kann. »Chiko liegt bei mir ja fast um die Ecke und ich wollte schon immer eine Lackierung bei ihm machen lassen.« Bei einer amerikanischen Künstlerin holt er sich die Inspiration mit den Farbverläufen, den Rest überlässt er Chiko. »Nur asymmetrisch sollte es sein, mehr Vorgaben gab es nicht, und dann hat er halt gezaubert.«
Harley Panhead – ob er Dreht?
Kurz vor der CUSTOMBIKE-Show 2023 wird sein Chopper fertigt. Allerdings hat er vom Anfang des Projekts bis zur Fertigstellung nicht ein einziges Mal geprüft, ob der Motor überhaupt läuft. Sammy gibt zu: »Ja, das habe ich nicht gemacht. Bis zu dem Zeitpunkt wussten weder ich noch mein Kumpel Achim, ob das Ding überhaupt dreht. Also haben wir das Bike aufgeladen, sind zu Jürgen und der hat den Panhead problemlos gestartet.«

Inzwischen hat Sammys Chopper noch ein paar optische Änderungen erfahren. In Bad Salzuflen lernt er Carsten Estermann kennen, der weitere Gravuren hinzufügt. Damit ist das Umbau-Projekt erst einmal abgeschlossen.
Tank etwas klein
Seit letztem Frühjahr macht Sammy Kilometer mit seinem Bike, fährt zahlreiche Treffen an und hat keine Probleme. Der alte V2 läuft und blubbert – nur nicht sonderlich lange: »Der Tank ist mit knapp acht Litern etwas klein, der Vergaser wohl etwas zu groß. Der säuft halt und mit der geringen Reichweite macht man sich keine Freunde« grinst Sammy.

Folglich wird der Dell’Orto weichen müssen, eine Nummer kleiner wird’s dann auch tun. »Geht ja nicht mehr ums Schnellfahren. Es entschleunigt hardcore-mäßig.« Und ein Umbau ist sowieso nie wirklich beendet.





Schreibe einen Kommentar