Erics Knucklehead mag ein guter Teileträger für seine Handwerkskunst sein, aber nebenbei ist es auch ein richtig geiler Chopper.
Okay, ich bin vorbelastet, denn ich finde, der Knucklehead ist der schönste Motor, den Harley-Davidson jemals gebaut hat. Und daher setzt mein Verstand auch regelmäßig aus, wenn ich eine Knuckle sehe.
Nichts zu meckern
Das war bei Erics Chopper nicht anders. Ich bin mir dann sehr schnell sicher, die muss ins Magazin, weil sowas darf man niemanden vorenthalten. Und ich hoffe natürlich inständig, unsere Leser sehen das genauso.

Aber ganz ehrlich, was will man bei diesem Ding auch meckern? Es könnte direkt einem Seventies-Roadmovie entsprungen sein und nicht einer bayerischen Garage, obwohl Letzteres nun mal Fakt ist.
BASIS VON 1936
Die Suche nach dem passenden Basismotorrad dauert lang. Weil Eric unbedingt und schon lange einen Chopper will, ist ein alter Motor Pflicht, eine Harley muss es sowieso sein, da gibt’s für den Mann aus Graben keine Alternative. Flathead findet er zwar schön, aber passt nicht ins Konzept und würde auch zuviel Wartungsarbeit nötig machen. Und überhaupt, im Kopf hat sich der Knuckle schon festgesetzt.

Irgendwann dann die Erlösung, ein Kunde von Eric bietet die passende Basis an. Rahmen, Motorgehäuse und – ganz wichtig – der entsprechende Title kommen direkt aus den USA. Der Rahmen ist Baujahr 1936, Eric fängt an, die entsprechenden Teile für den geplanten Aufbau zusammenzusuchen.
So viel wie möglich original
»Wobei, es ging mir nicht darum, dass alles exakt 1936 ist, es sollte nur soviel wie möglich original sein«, erklärt Eric, der sein Endergebnis als guten Mix von OEM-Parts der Jahre 36 bis 40 beschreibt, »und dazu baut man ja eh noch einiges komplett selbst oder zumindest selbst um.«

Zunächst steht kein Langgabel-Chopper auf der Wunschliste, sondern eher ein klassischer mit Springergabel und hohem Ape. Aber als Eric auf der Mannheimer Veterama die verbaute OEM-Gabel billig schießt, ist deren Schicksal besiegelt und alle Pläne werden über den Haufen geworfen.

Die Gabel stammt aus dem Jahr 1940 und wurde nach Aussage des Vorbesitzers in den 70er-Jahren verlängert, »und das richtig gut«, wie Eric anerkennend nickt. Die Gabel ist nur ein Teil des Puzzles, das er zusammensucht, der Motor bildet ein weiteres.
DAS MOTORENPUZZLE
Wie alles andere entsteht der Knuckle-Motor quasi als Neuaufbau aus mühsam zusammengetragenen, alten Originalteilen. Das dauert nicht nur lange, sondern es braucht auch einen, der das Puzzle richtig zusammenzusetzen vermag. Eric selbst verfügt nicht über den entsprechenden Maschinenpark, um diese Arbeit zu übernehmen. Und überhaupt sollte man beim Herz des Motorrads keine Kompromisse machen!

Und so baut Iron Pit, anerkannter Motorenexperte aus den Niederlanden, den V2 aus Erics Sammelsurium von Grund auf neu zusammen. Weil Eric keinen Zeitdruck hat, stresst es nicht, dass allein der Weg zum Motor ein langer ist. »In der Ruhe liegt die Kraft«, weiß der Handwerker auch bei allen folgenden Arbeiten.

Schritt für Schritt fügt Eric erstandene Teile zusammen oder baut neu, was nicht passt. Und das ist einiges, was da über zwei Jahre Bauzeit anfällt. Viele Schrauben und Muttern gibt es zum Beispiel nicht mit Zollgewinde, also fertigt er sie selbst an. Und überholt nahezu jedes Teil, das er vorher mühsam gesucht und besorgt hat, »weil doch das Meiste in recht abgefucktem Zustand war.«
PATINA KOMMT VON ALLEIN
Natürlich kommen aber auch die eigenen handwerklichen Fähigkeiten nicht zu kurz. Schaut euch Tankdeckel, diverse Abdeckungen, Shifter oder Numberplate an. Alles selbst gefertigt im eigenen Atelier. Und perfekt passend zu dem Tankgemälde, das Freund und Lackierer Chiko beisteuert.

Am Ende wirkt die Knucklehead, als wäre sie direkt aus einem David-Mann-Poster gesprungen. Die Patina, die Eric sich für sein Projekt gewünscht hat, kommt mit der Zeit außerdem ganz von selbst. Denn das Bike kommt viel rum.
Eine Kiste mit Geschichte
»Ich wohne am Rande von Bayern, nahe Österreich, logisch hat die Kiste da schon einiges gesehen«, erzählt uns Eric. Genauso wie er uns erzählt, warum ihn ein altes Baujahr wie das seiner Basis so fasziniert. »Na ja«, sagt er, »man muss mal bedenken: Dieser Rahmen ist beinahe neunzig Jahre alt. Ist doch schon faszinierend, dass damals Dinge wirklich noch für ein ganzes Leben und länger gebaut wurden.«
Info | Handcraft Choppers
















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