Heute gibt’s bei Frau Reuter eine kleine »Breaking Bad«-Ausrüstung und Lesestoff für die Sommerabende. Das alles passt in ihre »Fossil«-Tasche.
Ich hab Chemie ja immer gehasst. Damals in der Schule. Oder sagen wir besser: Es war eine Hassliebe. Ich fand es immer toll, wenn es da geraucht und gebritzelt hat, wenn einem klar wurde, dass man mit wenig Aufwand Sachen bauen kann, mit denen man astrein den Kartoffelacker von Bauer Schnack in ein Schlachtfeld zu verwandeln imstande ist. Leider führen Krater von der Größe eines Müllcontainers nicht automatisch zu einer guten Note im Schulfach Chemie, es sei denn, man hält ein lupenreines Referat darüber und hat einen sehr aufgeschlossenen Lehrer. Beides war bei mir nicht der Fall, und so versank ich im Sumpf der Chemieversager und musste außerdem zehn Tage unfreiwilligen Dienst in einer Altentagesstätte leisten. Und den Krater musste ich auch wieder zuschaufeln.
Messbecher und Pferdefixe
Trotz alledem finde ich das ganze Geraffel, was damals in den Vitrinen unseres Chemieraumes stand, sehr interessant. Das hatte alles so einen Hauch von Forschung und Abenteuer – von LSD-Labor und Sprengstoffküche. Bei mir um die Ecke ist ein Laden, der hat all diesen Kram, es ist nämlich ein Lehrmittelbedarfgeschäft. Wie ein 15-jähriger Bengel kann ich mich noch heute an den ganzen Mikroskopen, Erlenmeierkolben, Reagenzgläsern und Pinzetten erfreuen. Und so ein Geschäft ist auch voll von Dingen, die man als Motorradschrauber gebrauchen kann. Da gibt es benzin- und säurefeste Kanister in allen Größen, Formen und Farben, Becherchen und Trichter für Altöl, Benzin und Bremsflüssigkeit. Es gibt Spritzen und Schläuche in allen Größen. Ein Dorado für Bastelfritzen wie uns.

Zwei Dinge, die ich da erworben habe, begleiten mich seit langem: Der lange Messbecher für Gabelöl und die Pferdefixe für alle Gelegenheiten. Die genaue Bezeichnung von Ersterem ist »Messzylinder« und die Pferdefixe heißt in Wahrheit – haltet euch fest – »Wund- und Blasenspritze«. Mein Messzylinder hat 250 ml Inhalt und eignet sich hervorragend zum Abmessen und Auffüllen von Gabelöl. Er wird von der Firma Plasti Brand hergestellt und kostet um die vier Euro. Wenn man so ein Teil nach Gebrauch gut reinigt, kann es ewig halten. Sehr schön ist auch die Fixe, deren Hersteller lustigerweise »Omnifix« heißt, was in meinem kranken Hirn sofort die Vorstellung eines schwergewichtigen Heroinabhängigen hervorruft. Das ist sicher meiner schlechten Kindheit anzurechnen.
Praktisch, so eine Spritze
Diese Einmalspritzen halten nicht so lange, weil sich die innenliegende Gummidichtung nach einiger Zeit aufbläht, wenn man sie mit unserem bösen Motoröl oder gar Sprit befüllt hat. Vielleicht kann man auch hier die Lebensdauer verlängern, wenn man die Dinger nach Gebrauch zerlegt und schön sauber macht. So eine Fixe mit 100 ml Fassungsvermögen kostet um einen Euro rum. Natürlich gibt es im Lehrmittelbedarf auch den Schlauch, den ich auf die Fixe gesteckt habe. Damit kann ich nun prima mein Öl – oder was auch immer – da einlaufen lassen, wo ich sonst nicht ohne weiteres hinkomme.

Außerdem kann man mit dem Ding auch astrein Bremsflüssigkeit absaugen, und zwar durch den Bremsnippel. Ihr seht: Diese schönen Sachen laden nicht nur zur Spielerei ein, sie sind auch noch nützlich. Zusammen mit einem Schweizer Taschenmesser könnte man mit den hier gezeigten Gerätschaften sicherlich eine urologische Praxis in Hinterindien eröffnen und sich dumm und dusselig verdienen … Also: Geht doch zur Abwechslung mal im Lehrmittelhandel bummeln. Da arbeiten meistens auch nette junge Damen, die sogar lesen können.
Motorradtasche
Und nun zeige ich euch mein kleines Motorradtäschchen: Im Gegensatz zu der im letzten Jahr vorgestellten Filson-Tasche ist diese hier mit rund 99 Euro relativ günstig. Das Stück heißt »Estate City Bag« und hat genau die richtige Größe für eine kleine Kamera, zwei Dosen Bier, eine Landkarte und ’ne Tafel Schokolade. In das hintere Innenfach passt sogar mein iPad. Das Material ist sympathisches Wachscotton, was schon im Geschäft recht ranzig aussieht und im Gebrauch schnell eine angenehme Patina annimmt.

Die Tasche des Herstellers Fossil ist hervorragend verarbeitet und hat reichlich Innentaschen. Vorne sind zwei Schnappverschlüsse angebracht – die Schnallen sind reine Zierde. Früher hatten einige Fossil-Taschen mal Magnetverschlüsse. Das ist natürlich Mist, sowas hält schon bei 70 km/h nicht mehr dicht. Seid also vorsichtig, wenn ihr so eine Tasche im Internet kaufen wollt. Achtet auf die Schnappverschlüsse.
Praktische Tasche für kurze Fahrten
Die Tasche ist also aus recht wasserdichtem Material, insgesamt aber nicht wirklich dicht, weil ja oben links und rechts ins Tascheninnere gepinkelt werden kann. Für die Gruftis unter uns gibt es sie auch in Schwarz. Für Motorradfahrer, die weder Tankrucksack noch Packtaschen ihr Eigen nennen, ist sie ideal. Die »Estate City Bag« ist 30 x 5 x 24 cm groß, die größere »Estate Messenger« misst 40 x 9 x 30 cm.
Scheiße
Zum Schluss gibt es wieder ein wenig Kultur. Schließlich hat unser Magazin auch so etwas wie einen Bildungsauftrag! Fangen wir mit der Scheiße an: Florian Werner, seines Zeichens Literaturwissenschaftler, hat tatsächlich ein kurzweiliges Standardwerk zur Geschichte der Scheiße geschrieben: »Dunkle Materie – die Geschichte der Scheiße«. Als ich es im Buchladen erspähte, musste ich sofort an euch denken. »Sowas mögen meine Jungs«, dachte ich mir, kaufte es, packte mich mit einem lauwarmen Bier aufs Sofa und begann zu lesen, zu lernen und zu lachen. Nein, es ist kein humoristisches Werk und auch kein Witzbuch. Herr Werner verarbeitet das Material schon sehr ernsthaft, hat jedoch deutlich den Schalk im Nacken.

Für wissenschaftlich interessierte Mitmenschen ist dieses Buch eine unterhaltsame Quelle über eine Materie, die uns täglich begleitet – sei es in körperlicher oder verbaler Form. Anschließend kann man am Tresen oder in der fröhlichen Grillrunde gehörig auf die Kacke hauen und mit seinem neu erworbenen Wissen glänzen. Wissen, von dem man nie geahnt hatte, dass man es gebrauchen kann. Kostet 18,90 Euro, hat über 220 Seiten und darf auf keinem Gabentisch fehlen. Schlussendlich noch was wirklich Albernes: »Grün ist die Hoffnung« von T.C.Boyle: Ein paar Idioten versuchen, im großen Stil Marihuana anzubauen, was natürlich ganz anders verläuft als geplant. Ein wirklich astreines Buch für den Strand oder für unterm Baum im Schatten. 440 Seiten geballter Wahnsinn für nur 9,90 Euro – das ist echt geschenkt.









