Frau Reuter testet: Was die Gummimatte mit den Speichenfelgen zu schaffen hat

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Frau Reuter fragt sich, was die Gummimatte mit den Speichenfelgen zu schaffen hat – dazu wie immer allerlei Nützliches

Mein Blick ist in den Himmel gerichtet. Ein sanftzarter Herbstsprühregen, kaum fühlbar, legt sich wie ein erfrischendes Taumäntelchen auf meine Züge. Züge, die Schmerz zeigen. Ich hatte vor einer halben Stunde mein Trittgitter vor der Bürotür gereinigt, die darunter befindliche Dreckmulde leer gemacht und das Gitter zum Trocknen an mein Motorrad gelehnt. Dann bin ich wieder ins Büro gegangen und erst wieder rausgestürmt, als mein verzogener Sohn mit seinem Scheißfahrrad vorbeischnürte. Naja – und da war dieses Scheißgitter eben nicht mehr da, wo es eigentlich hingehörte, ich trete knöcheltief ins Leere, flieg auf die Fresse und nun hab ich diesen Sprühregen im Gesicht.

Putzen befohlen!

Ich rolle über meine schmerzende Hüfte und blicke direkt auf mein nur wenige Zentimeter von meiner Nase entferntes Hinterrad, was den anheimelnden Geruch von getrockneter Hundekacke und toten Regenwürmern verströmt. Und ich sehe Rost! Rost an den zwei Jahre alten Speichen! Ich wische mir den Sprühregen aus dem Gesicht und beschließe: Ich werde das erste Mal in meinem Leben mit Hingabe Speichen putzen. Nachdem ich wie ein angeschossener Pavian mein beschissenes Trittgitter wieder an Ort und Stelle eingesetzt habe, packe ich mein Bündel und gehe einkaufen.

Die Lösung für Speichenfelgen

Ich hab natürlich keine Lust, mit Lappen und Chrom-Polish jede Speiche einzeln abzuwienern. Am liebsten wäre mir Backofenspray, einwirken lassen, Gartenschlauch draufhalten, fertig. Das geht natürlich nicht, weiß ich auch. Aber Herr Louis um die Ecke ist wie gewohnt spontan hilfsbereit: Luster Lace sei DIE Lösung zum Speichenputzen. Mit Argwohn packe ich die Dose in mein Körbchen. Natürlich sei Speichenputzen schon deswegen blöd, weil man da ja auf dem Boden knien müsse … er hätte da aber eine prima Unterlegmatte. Die schone die Knie und wäre auch anderweitig universell einsetzbar.

Allerlei Dinge

Also noch die Matte ins Körbchen. Beim Gang zur Kasse fällt mein Blick noch auf ein Instrument, das mich an weit zurückliegende Sitzungen beim Kieferorthopäden erinnert: Ein Bremskolbenrücksteller. Das ist gut. Weil ich ohnehin zum Winter umbereifen will, kann sowas nicht Schaden. Das nervt nämlich, wenn man am nächsten Tag sein frisch bereiftes Rad einsetzen will und dann mit dem Schraubendreher (ganz böse!) die Bremsbacken zurückprökeln muss. Außerdem kann ich dann darüber schreiben und ihr müsst das lesen und alles ist gut. Ich zahle und bringe mein schmerzendes Gehüft heimwärts.

Speichenputzen ist nur was für Speichenputzer. Mit Luster-Lace-Textilstreifen wird der Fummelkram immerhin auf ein erträgliches Minimum reduziert

Was ist nun dieses Luster Lace? Ganz einfach – und fast ein wenig frech: Es handelt sich um 14 (!) Textilstreifen, die mit einer Polierflüssigkeit oder -paste getränkt sind. Die Streifen sind 12 x 390 mm groß und werden ZWEIMAL um die einzelne Speiche gelegt bzw. gewickelt. Und dann werden die beiden Enden mit beiden Händen abwechselnd über die Speiche gezogen. Und das klappt ganz hervorragend! Meine Fresse – so macht Speichenputzen fast Spaß! Wenn man etwas locker lässt, kann man auch bequem über die Speichennippel rutschen. Im Idealfall berühren sich die einzelnen Speichen an den Kreuzungspunkten nicht, und man kann problemlos eine Speiche nach der anderen, ohne abzusetzen, glatt wienern.

Nützliches Hilfsmittel

Nach vollbrachtem Werk (bei 40 Speichen, die zwei Jahre kein Putzmittel gesehen haben, ist eigentlich ein Bier fällig) nimmt man sich einen Streifen Putzlappen und poliert die Speichen sauber nach. Das Putzmittel muss nämlich wieder entfernt werden, es wird sonst nach der nächsten Regenfahrt weiß. Und wer will schon mit weißen Speichen durch die Gegend eiern? Ich stelle fest: Dieses mit um die 30 nicht gerade billige Produkt gehört eindeutig zur Kategorie »nützliche Hilfsmittel«. Ich gelobe trotzdem, das Zeug nur noch zu verwenden.

Knieschoner

Kommen wir zu der Unterlegknieschutzmatte. Natürlich habe ich sie benutzt. Und natürlich ist es eine Wohltat, so ein fettes, drei Zentimeter dickes Moosgummiteil unter den Knien zu haben. Nach dem Auspacken hab ich mich aber erstmal gewundert. Dieses garantiert im hintersten Hinterindien für 30 Cent hergestellte Produkt riecht wie das abgelaufene Intimspray einer überreifen kreolischen Fußpflegerin! Man tut gut daran, die Matte einige Tage im Freien ablüften zu lassen.

Polster statt Estrich: Die altersschwachen Kniescheiben auf eine flauschige Moosgummimatte zu betten, macht den Ölwechsel zum Wellnessprogramm

Gesund ist das sicher nicht, was da an Weichmachern und anderen Sauereien drin ist. Zwei zusammengelegte Matten ergeben eine komfortable Isomatte, falls man angetrunkene Gäste in der Werkstatt übernachten lassen will. Ich würde im Nachhinein wohl eher zur Meterware aus dem Fachhandel greifen, die riecht besser, hat aber natürlich keinen so handlichen Griff. Die »Werkstatt-Arbeitsmatte« ist 50 x 90 cm groß.

Bremskolbenrücksteller

So, und dann hatten wir ja noch den Bremskolbenrücksteller im Einkaufskörbchen. Und der ist – das kann ich guten Gewissens behaupten – erste Sahne. Was auch immer sich hinter dem Markennamen »Rothewald« verbirgt – die Stinkmatte kam ja aus demselben Nest – schlecht ist das nicht, was man mir da angedreht hat.

Bei jedem Reifenwechsel müssen die Bremsbeläge zurückgedrückt werden. Da lohnt die Anschaffung eines Spezialwerkzeugs

Der Rücksteller ist super verarbeitet, komplett zerlegbar und hat dicke Spannbacken für Bremskolben und flache Spannbacken für Bremsbeläge – so lassen sich diese nämlich schonend zurückschieben. Ein gutes Werkzeug! An meiner Sportster und auch an der E-Glide funktioniert das Teil super, der Einkauf hat sich gelohnt.

Vaseline

Eigentlich wäre ich nun am Ende, hätte ich nicht gestern Nachmittag bei Rossman meine geliebte Vaseline gekauft. Richtig gelesen! Nun kann man mit Vaseline natürlich unter anderem seinem verkackten Rottweiler den Arsch einkleistern, bevor man ihm die Rosette vergoldet, aber sowas machen ja nur die Spezialisten unter uns. Ich hingegen fette damit sämtliche beweglichen Kunststoffteile, zum Beispiel meinen Gasgriffmechanismus.

Schmierkram für alle Fälle: Vaseline darf in keiner noch so kümmerlichen Bastelbude fehlen

Kunststoff ersetzt ja heutzutage immer mehr das wunderbare Metall, verträgt aber oftmals nicht die herkömmlichen Schmiermittel und wird davon langfristig spröde. Da gebe ich doch gerne die lächerlichen 1,19 Euro aus. So ein Töpfchen hält in der Regel jahrelang. Wenn man sich mit dem Zeugs vor dem Basteln die Hände einreibt, lassen sie sich nachher besser reinigen, weil sich der Dreck nicht so leicht in Poren und Hautfalten setzt. Selbst auf Wunden ist Vaseline absolut ungefährlich. Auch Leder lässt sich damit prima pflegen. Also eines der unverzichtbaren Mittelchen, die in keiner Werkstatt fehlen dürfen.

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DM 3/26

Ich muss nun leider aufhören. Da ist doch gerade ein Rottweiler am Büro vorbeigelaufen … blond … einsachtzig groß … weiblich …




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Fotos: Frau Reuter
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