Heute testet Frau Reuter Zwei-Komponenten-Kleber. Und dann noch was, das eher lustig als sinnig ist, aber Freund Hippie erfreut
Dies wird eine unendlich langweilige Kolumne, das sei mal vorweggenommen. Sie wird nämlich teils philosophisch. Wir saßen nämlich letztens am Esstisch. Meine Frau, Sohn Karl, Hippie und ich. Hippie kommt immer vorbei, wenn es Eintopf gibt. Er liebt Eintopf. Wir saßen also am Tisch und schlabberten unsere serbische Bohnensuppe, die ich ganz fantastisch gekocht hatte, und beflügelt durch den ersten Marillenschnaps des Abends und inspiriert durch den Anblick des Paketes, das mir Herr Blanke von Detlev Louis geschickt hatte, hob ich an zu einem Monolog, der den Unsinn des Sinnfreien als Kernpunkt hatte. Sinnfrei im Sinne von unnütz.
Vorprogrammierter Schrott
Weil wir nämlich regelmäßig Zeitungsbeilagen erhalten, in denen Rossmann elektrische Eierkocher, Nasenhaarschneider, Zimmerpflanzenbewässerungsanlagen und anderen Scheiß anbietet. Alles natürlich zu absoluten Tiefpreisen, alles im allerfernsten Osten zu Hungerlöhnen produziert und natürlich alles mit einer garantierten Lebensdauer von fünf Monaten und sieben Tagen. Vorprogrammierter Schrott, der Unmengen von fossilen Brennstoffen bei der Herstellung verbraucht und uns dabei ebenso viel CO2 beschert. Hippie gefiel das sehr und er schenkte mir glatt noch einen ein, meine Frau sagte ihr obligatorisches »nun reg dich doch nicht gleich wieder so auf« und ich setzte noch einen drauf und schloss mit der Erkenntnis, dass dieser ganze Plastikscheiß uns irgendwann den Kopf kosten wird. Und darauf nahm ich noch einen dritten Schnaps.

Als dann der Tisch abgeräumt war, hab ich das Paket ausgepackt. Da war nämlich dieser Stiefeltrockner drin. Hippie meinte gleich, da könnten sich ja zwei Pygmäen gleichzeitig den Enddarm mit erhitzen, wenn sie sich geschickt draufsetzten. Karl meinte, das Teil könnte man sich vielleicht umgekehrt in die Hose stecken, wenn man mal kalte Eier hat. Tatsächlich handelt es sich um ein elektrisches Trockengerät mit (Obacht!) Sterilisierfunktion. Man kann auf die beiden Kunststoffhörner nasse Socken stecken, die dann erst sterilisiert werden – das geschieht mit Ozon – und anschließend mit einem Heizlüfter trocken geblasen werden. Die Zeiten für die Sterilisation und Trocknung lassen sich einstellen. Statt Socken kann man auch Stiefel, Schuhe, Helme oder Mützen nehmen. Und nun kommt ihr. »Man kann die Socken aber auch auf die Heizung legen«, wirft die klügste aller Ehefrauen ein. »Aber bitte nicht die von Papa«, quakt das kleinste aller Arschlöcher. Wir schnappen uns, nicht ohne vorher noch eine wunderbare Gold-Marille von Scheibel getrunken zu haben, meine Handschuhe, halten die unter den Wasserhahn, wringen sie ordentlich aus und packen sie auf die Hörner des Gerätes.
Frau Reuter und der Handschuhtrockner
Das Display schlägt uns fünf Minuten Sterilisierzeit und 20 Minuten Trocknung bei 60 Grad vor. Na ja, mal sehen. Sobald die Infrarotsensoren der Hörnchen von irgendwas bedeckt sind, in diesem Fall von den Handschuhen, geht das Gerät an. Also … es macht Geräusche. Es sterilisiert. Das kann man sogar riechen, Ozon ist sozusagen riechbar. Hippie meinte, das riecht nach frischer Wäsche, dabei hat er sowas seit 20 Jahren nicht mehr gesehen oder gerochen. Die Zeit auf dem Display läuft rückwärts ab und nach fünf Minuten schaltet der Kasten auf »Trocknen« um. Ich verarsch euch hier nicht, das ist keine Science-Fiction-Geschichte, das ist alles wahr. Wir warten also und sind dermaßen gespannt und aufgeregt, dass wir aus Versehen im Wohnzimmer rauchen. Nach 20 Minuten sind Handschuhe und Kehlen etwa gleichermaßen feucht. Die ausführliche Anleitung verrät uns, wie wir den Sterilisiervorgang deaktivieren und noch mal 20 Minuten nachheizen. Nach insgesamt 60 Minuten sind die Schweinslederhandschuhe wirklich trocken, da hätte ich sie auch auf die Heizung legen können. Man fragt sich: »WER BRAUCHT SOWAS?«. Und ob es notwendig ist, für so ein Produkt wertvolle Energien zu verbraten und CO2 in die Luft zu feuern.

Der Abend endet mit einem verqualmten Wohnzimmer, einem angetrunkenen Sohn und einem glücklichen, aber völlig unkritischen Hippie, der mit einem Universaltrockner nach Hause torkelt. Endgültiges Fazit: Das Gerät funktioniert wider Erwarten. Aber ich fürchte, nur Pappnasen wie Hippie können sowas gebrauchen, eure Frau Reuter ist da resistenter.
Hoher Unterhaltungswert
Der Unterhaltungseffekt ist, zumindest in der Gruppe angewendet und unter Zuhilfenahme von Schnaps, nicht zu unterschätzen. Für knapp unter 120 Euro könnt ihr euch diesen Vorläufer einer Elektronutte in die Werkstatt stellen. Herr Louis, Herr Blanke, damit haben Sie einen ganz dicken Bock geschossen. Von solchen Produkten möchte ich gerne mehr testen. Aber ich denke dabei dann nicht an die Ökologie dieser Welt. Das blende ich mit Schnaps aus, den ihr bitte mitschickt. Und wie es so ist: EINEN Tag später kommt die Frau von der Arbeit nach Hause und hat einen verfickten Gartenzwerg mit solarbetriebender Laterne in der Hand. Ich bin sprachlos. Hatte ich nicht überdeutlich das Thema »unnötiger Schrott« behandelt? Stoße ich denn nur auf taube Ohren?
Sinnvoll und gut gibt bei Frau Reuter auch
Nun, sie verteidigt den Scheiß-Zwerg bis aufs Blut und will ihn in den Garten stellen, kommt damit beim Rausgehen gegen den Türrahmen, der Zwerg rutscht aus der Hand, knallt auf den Boden und ist zerbrochen. Tränen. Und schau an, da kommen diese zwei Kleber zum Einsatz, die ich uneingeschränkt empfehlen kann: Clear Weld und Water Weld von J-B Weld. Das eine ist ein Zwei-Komponenten-Kleber, der bereits nach fünf Minuten abbindet (bei mir waren es eher zehn Minuten) und nach 12 Stunden bearbeitbar ist. Das andere ist ein wasser- und benzinresistenter Epoxyd-Knetkram, mit dem sich sogar Benzintanks abdichten lassen. Der 2K-Kleber kostet im Netz um die 20 Euro, ebenso die Knetmasse, die auch mit Feile und Flex nachbearbeitet werden kann und in jede Werkzeugrolle passt. Diese beiden Produkte sind SINNVOLL und GUT. Der Universaltrockner ist eher … lustig. Aber Hippie liebt ihn und benutzt ihn tatsächlich. Und darum geh ich da jetzt rüber und trockne meine Wollmütze bei einem Pils.

Lasst euch keinen Scheiß andrehen, haltet die Augen auf und grüßt eure Frauen von mir!
Euer Martin





Schreibe einen Kommentar