Frau Reuter packt sich heute praktische Helfer auf den Prüfstand. Und die findet man zuweilen sogar in der Drogerie
Guten Morgen. Eines mal vorweg: Auch ich kann Scheiße schreiben. Ich bekomme nur keinen Doktortitel dafür. Der aktuelle Fall von Scheiße bezieht sich auf einen Werkstatthocker von Hazet, den ich mal gelobt hatte. Mein Bruder hat sich nämlich prompt einen bestellt und – siehe da – er hat nicht die von mir gelobten Gummirollen, sondern Hartplastikrollen. Und sowas geht natürlich gar nicht, Herr Hazet! Wir haben ja keine Perserteppiche in unseren Werkstätten liegen, sondern harten Estrich oder bestenfalls Holzboden. Da ist Hartplastik denkbar ungeeignet. Ein renommierter Werkzeughersteller sollte das wissen und nicht am falschen Ende sparen. Nun denn – wir haben im Baumarkt fünf gummierte Rollen gekauft und an Stelle der Schrotträder montiert, nun ist Ruhe. Der Spaß hat allerdings 30 Euro gekostet.
Erste-Hilfe-Kästchen
Doch nun zum angenehmen Teil des Tages: Ich stolpere kürzlich durch meinen Drogeriemarkt um die Ecke und bleibe am Billigsensationsregal rechts neben dem Eingang hängen. Da finden sich neben Blumenscheren, LED-Taschenlampen und funkgesteuerten Küchenuhren auch Verbandskästen. Für 6,99 Euro. Ach, denke ich, DAFÜR kann man den ja mal mitnehmen. Mal sehen, was der taugt. Zu Hause angekommen zerpflücke ich das Kästchen erst mal ganz unaufgeregt. Im Internet finde ich schon mal jede Menge dieser »Für-unterwegs-Verbandskästen«. Alle zu Preisen zwischen fünf und zehn Euro, auch unsere beliebten Motorradteileversender wie Louis, Polo und Co. haben sowas im Programm. Mein Kasten bietet reichlich Pflaster, das ich spontan etwas aufstocken würde, denn Pflaster sind nun mal das, was man (Gott sei Dank) häufiger braucht als Fixierbinden oder Dreieckstücher.

Die Schere ist von schlechter Qualität, lässt sich aber im Fachhandel nachkaufen. Dank der beiliegenden Einmalhandschuhe kann man damit auch veterinärmedizinische Untersuchungen im Arsch der Pitbullhündin von nebenan durchführen. Dann ist natürlich jede Menge Mullbindenzeugs und Ähnliches vorhanden, mit dem man damals im Erste-Hilfe-Kurs gekämpft hat. Machen wir uns nichts vor: Ein Verbandskasten kann nützlich sein, und bei dem hier aufgerufenen Preis gibt es schlicht nichts zu meckern. Für unterwegs ist er aber – zumindest für Motorradfahrer – zu groß.
Made in Germany rockt
Für die Garage oder Bastelwerkstatt reicht er jedoch aus und verschwindet unauffällig im Schraubenregal. Seit er hier rumsteht, hab ich mich auch gar nicht mehr verletzt. Es ist wie mit dem Regenschirm: Es regnet nur, wenn man ihn zu Hause vergessen hat. Ich kann ein solches Kästchen empfehlen. Kauft jedoch nur Verbandskästen, die ein aufgedrucktes Mindesthaltbarkeitsdatum tragen. Und am besten – und dies ist kein falscher Patriotismus – ein Produkt aus deutscher Fertigung, denn der Begriff »steril« hat in Hinterindien nicht die gleiche Bedeutung wie in Mitteleuropa.
Pingel-Benzinhahn
Weiter gehts. Ich erinnere mich noch genau. Als ich Anfang der Neunziger meine alte E-Glide mit einem Dell‘Orto-Vergaser ausgestattet habe, weil mir der ausgeleierte Keihin auf den Sack gegangen ist, war die anfängliche Freude groß: sensationelles Startverhalten, kräftiger Durchzug und einfache Wartung. Bei einer Wochenendtour jedoch, ich schnürte gerade mit 120 Sachen und meiner Liebsten durch die Holsteinische Schweiz, ging der Bock plötzlich einfach aus. Ach herrje. Wir also runter von der Kiste, dumm gekuckt, eine geraucht, dann mal wieder angetreten – und läuft. Seltsam.
Nicht genug Benzin
Wir also wieder rauf auf die Kiste und nach zehn Minuten das Gleiche. Dann, beim Durchfahren mehrerer Ortschaften, läuft wieder alles super. Auf dem Rückweg, auf freier Strecke, wieder dieser beschissene Aussetzer mit Liegenbleibeffekt. »Vielleicht kriegt der Motor nicht genug Benzin«, sagt die später mir angetraute Frau. Ja, sie ist klug! Klar: Der Dell‘Orto lässt deutlich mehr Sprit durch – mehr, als der kleine Originalhahn bei »sportlicher« Fahrweise zu liefern vermag. Da ist die Schwimmerkammer schneller leergesaugt, als man denkt.

Zu Hause rufe ich meinen Freund, den Schlagersänger von Speedmonsters an, und der hat natürlich SOFORT nur ein Wort im Mund: Pingel. »Du musst einen Pingel einbauen, dann kommt genug Sprit durch.« Das hätte der Affe mir auch vorher sagen können, denke ich, und bestelle einen passenden Pingel. Damals noch für stolze 120 Mark. Aber was soll ich sagen: Seitdem läuft die Kiste astrein ohne zu mucken. Kleiner Artikel, große Wirkung.
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Nun baue ich an all meine Tanks Pingel-Hähne an. Sie sind leicht zu zerlegen, man kann die Dichtungen auswechseln und es gibt sie mit Adaptern aller Art und reichlich unterschiedlichen Anschlussgewinden und Schlauchanschlusspositionen. Mittlerweile gibt es sogar einen Adapter für Tanks, in denen eigentlich eine Benzinpumpe (wie hier gezeigt) sein sollte. Prima! Mittlerweile liegt der Standard-Pingel bei 150 bis 220 Euro, ist allerdings eine Anschaffung fürs Leben und sollte in keiner Aussteuertruhe fehlen. Bei W&W findet ihr eine schöne Auflistung der Gewinde und Adapter. Mein Schwager hat mittlerweile sogar an seiner schicken W 650 einen Pingel. Eine Aufwertung des Fahrzeuges um 100%, würde ich mal sagen.
Stahlflex-bremsleitungen
Von Hahn komm ich zu Schlauch und von Schlauch direkt zu Britney Spears und von Britney zu Bremsschlauch. Besser kann man die Kurve gar nicht kriegen: Meine Dienstsporty hat noch originale Bremsschläuche. An sich nichts Schlimmes, aber da ich ja nun einen etwas anderen Lenker dran habe, will der originale vordere Schlauch nicht mehr so ganz akkurat passen. Bevor ich da nun blöde rumbastel, mach ich Nägel mit Zöpfen: Ich bin da kürzlich über probrake gestolpert.

Recherchen und ein unverhofftes Treffen auf der Custombike-Messe lassen mich wissen: Es handelt sich um eine höchst seriöse Firma aus Freiburg, die ihr Brot damit verdient, die Republik und alle anderen mit Serien- und Individualbremsschläuchen zu versorgen (ich glaube, ich hab soeben das Wort »Individualbremsschlauch“« erfunden).
Die Hand von Malte
Zwei Dinge gefallen mir an den probrake-Schläuchen besonders: Man kann sich eine Farbe wünschen und das Endteil ist drehbar, d. h. der Schlauch lässt sich vor und NACH der Montage noch ausrichten. Mein Freund Malte hat mit seiner Dreckshand mal Modell gestanden, um euch zu zeigen, wie man das in etwa macht, ist wirklich kinderleicht.

Der Austausch des Bremsschlauchs ist tatsächlich Minutensache, selbst das Entlüften dauert länger. probrake hat fast alle Serienschläuche auf Lager bzw. kann sie blitzschnell anfertigen, der Versand ist ausgesprochen flink. Schrauben und reichlich Unterlagscheiben liegen bei. Die Bremsschrauben von probrake passten an meiner 2011er Sportster nicht, weil Harley gerne mal unverhofft die Gewinde wechselt. Ich hab halt die Originalschrauben wieder verwendet, kein Problem.
Günstige Schläuche
Natürlich ist Stahlflexschlauch deutlich dünner als der originale Gummischlauch – darum sollte man vorhandene Schlauchhalter entsprechend ändern oder austauschen. Bei mir war so ein Ding unter der Gabelbrücke. Zum Glück hatte ich noch einen Halter in der Grabbelkiste liegen. Die Preise sind bei schlichten Bremsschläuchen angenehm niedrig, meiner kostete deutlich unter 40 Euro.

Gebt einfach mal »probrake« im Rechner ein – und schon seid ihr da, wo ihr hinwollt. Für Spezialanfertigungen würde ich aber eher zum Telefonhörer greifen. Eine ABE liegt allen Bremsschlauchsets natürlich auch bei. Mein Fazit: Erstklassige Ware. Kauf ich nur noch.
Ihr wisst: Nach zwei DIN A4 Seiten macht sich bei mir latente Erschöpfung breit. Ich schnapp mir jetzt mal meine Einweghandschuhe und kümmere mich um das Frauchen der Pitbullhündin nebenan. Ich tu ihr aber nix. Ich will ja nur spielen.




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