Frau Reuter testet sich mal wieder durch. Heute im Programm: Neue vernünftige Stiefel, ein hübscher Ölfilterschlüssel und eine prima Brille

Wenn man zu Hippie sagt, er soll an der nächsten Biegung rechts fahren, biegt er garantiert links ab. Er nimmt sozusagen »das andere Rechts«. Man kann sich daran gewöhnen. Der Haken ist, wenn man mitdenkt und das nächste Mal sagt, er solle hier mal links fahren, macht er das tatsächlich. Und wenn man dann rumquakt und ihm vorhält, er würde hier immer falsch abbiegen, kommt der charmante Hinweis, man habe doch links gesagt und dann würde er auch links abbiegen. Er macht das nicht mit Absicht. Er ist anders. Er macht immer alles anders, als man erwartet.

Frau Reuter

Als ich mal den Desert-Stiefel von Haix vorgestellt habe, war Hippie auch ganz angetan. Jo, geil Alder, muss ich wohl haben, war sein Statement. Einige Tage später, kam er mit völlig anderen Schuhen auf den Hof gelatscht. Die seien ja noch viel geiler, meinte er, und in der Tat passen die schwarzen Schuhe besser zu dem »Gesamtbild Hippie«: lange schwarze Haare, schwarze Achtziger-Lederjacke, schwarze Finger, fast schwarze Zähne, schwarze Jeans und nun auch noch schwarze Schuhe. Deswegen ist er abends auch nicht mehr so lange unterwegs, man würde ihn bei Dunkelheit glatt über den Haufen fahren.

Haix Black Eagle

Ich hab dann mal bei Haix geschaut und festgestellt, dass dieses Modell, der »Black Eagle Tactical Mid« tatsächlich nicht nur an Polizisten und Spezialeinheiten adressiert ist, sondern auch als bequemer Wanderschuh und leichter Arbeitsschuh deklariert wird. Es gibt ihn sogar als Arbeitsschuh mit Stahlkappe, dann heißt er »Safety Mid 50« und ist, man staune, zehn Euro billiger. Wahrscheinlich ist der hier vorgestellte Schuh deutlich leichter und »schneller« als ein echter Sicherheitsschuh, hat also eine etwas ausgeklügeltere Konstruktion.

Die Stiefel von Haix sind nicht nur rutschfest und wasserdicht, sondern auch ganz prima zum Motorradfahren geeignet. Außerdem gibts da drin keine kalte Füße, was für ältere Damen wie Frau Reuter durchaus sonst immer mal ein Thema ist

Hippie war so froh über seine investierten 179 Euro, dass mich das stutzig machte. Ich hab dann auch mal ein Paar besorgt und zuerst den Gartentest gemacht: 50 Meter Kabelschacht ausheben und die Vier-Meter-Hecke ausgraben. Und am Wochenende mit dem Doktor von nebenan ins Gehölz, um »eingewanderte Arten« auszureißen und zu entsorgen. Geht alles, man soll sich wundern. Kein einziges Mal hab ich nasse Füße bekommen und obwohl die Stiefel anfangs etwas sperrig wirken, verwandeln sie sich in kurzer Zeit zu einem sehr angenehm zu tragenden Schuh. Die Verbindungsstelle zwischen Sohle und Oberschuh gehen selbst bei härtester Beanspruchung NICHT kaputt. Der eigentlich von uns angedachte Einsatzbereich war natürlich das Motorradfahren. Hier wird der Stiefel allerdings kaum beansprucht, lässt sich also nur auf Rutschfestigkeit und Wasserdichtigkeit testen. Beides ist hier ohne Fehl und Tadel. 

Frau Reuter und die Schleifchen

Am allerbesten finde ich aber, dass er wirklich sehr schnell angezogen ist. Die Schnürung muss nur einfach hochgezogen werden, dann kommt das Schleifchen dran, fertig. Die Ösen sind extrem gut gleitend, so dass es nicht zu diesem nervigen Schnürsenkelgefummel kommt. Unser schönes Schleifchen verschwindet sogar unter einer Klettlasche, damit die Senkel nicht wild durch die Gegend flattern können. Ganz großartig! Das Ausziehen geht ebenso schnell: Schleifchen auf, Stiefelschaft auseinanderziehen und Schuh vom Fuß rupfen.

Nicht nur gut für Polizeieinsätze, sondern auch beim Arbeitsdienst in Frau Kleinfelds Erdbeerbeet

Voilà! Und ganz nebenbei: Kalte Füße hab ich in den Dingern auch nie. In diesem Fall hat also Hippies Eigenart, immer das Gegenteil von dem zu machen, was man glaubt, einen klaren Vorteil für mich gehabt. Denn ich hätte dieses äußerlich recht bieder anmutenden Stiefelchen nicht so ohne Weiteres gekauft. Nun kann ich dieses Schuhwerk jedoch absolut empfehlen, es sind die robustesten Turnschuhe der Welt, glaube ich.

Ölfilterschlüssel

Als wir letztens schön beieinandersaßen – Köppke hatte eine Flasche Trollinger spendiert – fiel uns auf, dass die lange Gabel von Köppkes Mistchopper eigentlich zu lang ist und die gesamte Linie des Fahrzeuges zerstört. Ich hab das schon immer gesagt. Aber nun war es so weit: Die acht Zentimeter langen Verlängerungsbuchsen sollten rausfliegen und damit der gesamte Bückel vorn etwas flacher gelegt werden. Nun hatten wir die obere Gabelbrücke schon runter und versuchten, das bekackte Buchsenteil abzuschrauben. Ging nicht.

Selten war ein ehrlicher Fünfer besser angelegt: Der Ölfilterschlüssel taugt nämlich nicht nur zum Ölfilter abschrauben, sondern machte auch Köppkes Buchse den Garaus

Mit der Rohrzange versaut man das gute Stück, »kann man ja noch gebrauchen, die Mode ändert sich ständig«. Mit der bloßen Hand geht gar nichts. Bis Hippie dann aus der untersten Schublade diesen unbenutzten Ölfilterschlüssel hervorkramte. Und siehe da: Mit etwas Geschick und einem gemeinsamen Gebet rührte sich die blöde Buchse und ließ sich rausschrauben. Selten hat ein so billiges Werkzeug so viel Freude bereitet! Die Dinger gibt es im Fachhandel für unter fünf Euro. Falls die Nietbefestigung der Zuglasche zu schwach ist, ersetzt man sie einfach durch eine anständige Schaftschraube.

Billige Brille für Frau Reuter

Und zum Schluss kann ich es mir nicht verkneifen, euch meine neue Bastelbrille zu zeigen. Eigentlich habe ich laut Optiker rund 1,5 Dioptrien auf beiden Augen. Aber in seiner Vitrine hab ich sogenannte Lesehilfen gesehen. Auch welche mit fetten 3 Dioptrien. Und weil ich bauernschlau bin, dachte ich mir, müsste eine so überdimensionierte Lesebrille doch eine angenehme Lupenfunktion für frickelige Kleinarbeiten an Vergasern und Elektrik abgeben. Die Idee sei gut, kann man ausprobieren, meinte der alte Augenmann. Ich solle sie nur nicht zu lange tragen, weil das auf Dauer nicht gut für die Äuglein ist. Auf jeden Fall geht die Rechnung auf: Ich kann damit astrein arbeiten, viel besser als mit meiner normalen Lesebrille. Für rund 20 Euro kann man da auch nix verkehrt machen. Nur eine Lesehilfe aus dem Haushaltsgeschäft würde ich nicht nehmen, davon krieg ich Kopfschmerzen. Fachhandel rules!

Ersetzt super die Werkstattlupe: Günstige Lesehilfe vom Optiker – gibt es mitsamt Putztuch-Säckchen für schmale 20 Euro und macht Frickelarbeiten zum Hochgenuss. Apropos Kopfschmerzen: Es ist an der Zeit, die Kehle zu benetzen. Ich bin schon ganz heiser vom Schreiben.

Es grüßt mit lauter guten Neujahrsvorsätzen, Euer Martin

 

Frau Reuter
Frau Reuter bei CUSTOMBIKE

Martin Reuter ist unter seinem Pseudonym »Frau Reuter« inzwischen zweitdienstältester Mitarbeiter der CUSTOMBIKE. Der freischaffende Künstler rezensiert mit spitzer Feder und scharfem Wort Produkte, die seiner Meinung nach etwas Aufmerksamkeit bedürfen. Im wahren Leben ist er als Illustrator, Fotograf und Textautor tätig und spielt ganz nebenbei Bass und Orgel in der zweitschlechtesten Band der Welt. Kulinarisch betrachtet kocht er scharf und trinkt schnell. Als echtes Nordlicht badet er selbstverständlich nur in Salzwasser. Seine Vorlieben sind V8-Motoren und Frauen, die Privatfernsehen verschmähen. Stilecht bewegt er eine 76er Harley, restauriert eine Yamaha SR 500 und bewegt sich politisch korrekt die meiste Zeit mit dem Fahrrad fort.