Frau Reuter testet heute Zahnarztbohrer, Bestseller und viel zu viel böse Worte – Entschuldigung …
Ich sitze also mit Fotze Köppke am Tresen. Ich kann nichts für seinen Vornamen, den haben ihm auch nicht seine Eltern gegeben, sondern seine Freunde. Weil er das Wort immer so oft sagt. Eigentlich spricht er auch alle Leute so an. Wenn er sehr gute Laune hat, nennt er mich (und andere) »Fötzlein«. Wir sitzen also am Tresen und vergleichen die Wirkung von Obstler und Wodka auf einen mit Chili con Carne gefüllten mittelalten menschlichen Körper. Zwischen Schnappatmungsattacken und reinigenden Bierspülungen kommen wir immer wieder auf Motorräder zu sprechen und irgendwann – es mag nach dem fünften Obstler gewesen sein – sagt Andreas, die Tresenschlampe: Ich hab auch noch ´n Motorrad. Sagt er einfach so.

Und Köppke kontert: Du kannst doch nicht mal anständig gehen, was willst du denn mip´m Motorrad? Weiß nich, sagt Andreas, steht ja auch nur rum. 250er Honda. Ich wittere Morgenluft, bin schneller als Köppke und frage nach dem Preis. Für 50 Euro bin ich Besitzer einer Honda CB 250 RS. Das ist doch n Scheißhaufen! RS ist scheiße! Sagt Köppke und schlägt plötzlich Jägermeister vor, den ich ablehne. Wir besiegeln den Kauf mit drei polnischen Wodkas, der Fuffi wandert über den Tresen und am nächsten Tag ziehen wir mit einer Magenfahne, von der die baltische Flotte träumt, die alte Honda aus Andreas Schuppen.
Dr. Dent Reuter
Zu Hause überkommt mich dann ein Flashback: Stimmt, die hatten doch damals immer diese fiesen Kreuzschlitzschrauben, die so wunderbar im Alu festgammeln. Ich zerlege den Bückel also so gut es eben geht und packe mir den Motor auf den Tisch. Schon beim Drehzahlmesserantrieb stolpere ich über die erste unlösbare Schraube. Nun kommt mein Fachwissen aus alten Tagen zum Vorschein! Köppke hat inzwischen ein Sechserpack Pils zum Entschleunigen besorgt und macht es sich bequem, während ich in meinen Schubladen nach Zahnarztbohrern suche. Richtig gelesen: Zahnarztbohrer.
Ja ja, ein Zahnarztbohrer
Diese alten Kreuzschrauben sind nämlich blitzschnell rundgedreht, und man bekommt sie mit keinem Schlagschrauber der Welt mehr los. Wenn man aber mit einem Dremel- oder Proxxon-Minibohrer und einem feinen Zahnarztbohrer (der ja eigentlich ein Fräser ist) aus dem vergniedelten Kreuzschlitz einen gepflegten, fetten Schlitz fräst, kann man mit dem Handschlagschrauber und etwas Glück das Schräublein rausdrehen. Okay – ich habe mal ZWEI Tage an einer Schraube gesessen, denn sowas braucht Fingerspitzengefühl, eine Heißluftpistole und viel WD 40, denn das alte festgegammelte Gewinde will erstmal reanimiert werden. Hat man den Racker aber draußen, ist die Freude groß und das Leben hat wieder einen Sinn.

Nach 20 Minuten habe ich einen satten Schlitz gefräst, Köppke ist beim zweiten Bier. Zwei beherzte Schläge mit Fäustel und Schlagschrauber und schwupps dreht sich mein Patient. Wir fallen uns in die Arme, trinken auf die dänische Königin und machen uns auf den Weg zu Andreas, um ihm zu sagen, dass sein alter Bock ein Haufen Scheiße ist. Aber schöne Scheiße. Zum Kern der Sache: Diese Zahnarztbohrer fallen bei eurem Zahnarzt als Müll an! Wenn der Zahnarzt sie nicht mehr brauchen kann, sind sie für uns immer noch superbrauchbar.
Nicht ohne Schutzbrille
Wer also eine dieser Minibohrmaschinen hat, kann mit alten Zahnarztbohrern entweder a) eine Praxis in Somalia eröffnen oder b) jede Menge festgegammelter Schrauben erledigen. Im Nachhinein hatte die Honda sieben feste Kreuzschlitzschrauben vorzuweisen, die ich allesamt ohne Zahnarztbohrer nicht rausbekommen hätte. Man kann solche Bohrer auch im Internet kaufen, der Zahnarzt um die Ecke hat aber garantiert die bessere Qualität am Start. Fragt mal nach! Sagt ihm, er möge seine Schrottbohrer (egal welche, auch Polierer und was es alles so gibt) für euch aufbewahren. Ihr werdet euch wundern, was da in vier Wochen so zusammenkommt, das langt für ein ganzes Motorradfahrerleben! Die Dingerchen haben in der Regel einen Schaftdurchmesser von zwei bis drei Millimetern und sind nicht länger als drei Zentimeter, das ist also wirklich filigranes Werkzeug. Und immer schön die Schutzbrille aufsetzen.
Lithium-Batterie
Kommen wir zu Punkt zwei der Tagesordnung: die Batterie. Meine Fresse, was hab ich schon an Kohle für Batterien ausgegeben! Früher gab es ja nur die alten Bleiakkus, das waren treue Freunde, wenn man sie pflegte, aber nach zwei, drei Jahren mit Wintereinsatz war eine neue fällig. Dann kamen die Gelbatterien auf den Markt, sündhaft teuer und – das ist meine persönliche Meinung – nur unwesentlich besser, zumindest, was das Preis-Leistungs-Verhältnis angeht. Nach einer richtigen Tiefentladung sind die Dinger für immer tot. Mittlerweile haben sich Batteriefrischhaltegeräte etabliert, muss auch sein, denn die modernen Motorräder haben ja gerne mal ’ne Wegfahrsperre und/oder sogar eine Alarmanlage, die natürlich Strom frisst, auch wenn der Bock in der Scheune steht. Nach vier bis sechs Wochen ist der Akku dann leer. Schlimmstenfalls für immer.

Bei Harley bedeutet das dann: Über 200 Tacken für eine neue Batterie. Nun gibt es – und das ist für uns Customizer ganz spannend – Lithium-Batterien, das ist gerade der letzte Schrei. Die Dinger sind leicht und WIRKLICH stark. Innendrin sind sie furztrocken, keine Säure, kein Gel. Die Einbaulage ist also völlig egal. Ein Yamaha-650-Chopper kommt da sogar mit einem zigarettenschachtelgroßen Batteriechen aus, solange er keinen Anlasser hat. Für meine Sportster hab ich mir von Jamparts eine wundervolle Aliant-Batterie mit 7,5 AH kommen lassen. Die wiegt lächerliche 1,3 Kilo und feuert meinen Anlasser morgens deutlich besser an als der Originalakku, vor allem bei Kälte. Ein Phänomen, dass alle modernen Trockenakkus haben, ist das zaghafte Anlaufen beim ersten Startversuch – sie wollen geweckt werden! Die erste Kurbelwellenumdrehung geht also erstmal fast ins Leere – und dann kommt der Bock. Ich dachte anfangs erst, meine Batterie ist schlapp, stimmt aber nicht. Moderne Batterien sind so, vor allem, wenn große Hubräume bewegt werden müssen.
Teuer, aber klaglos
Bei Motorrädern ohne stromfressende Bordelektronik könnt ihr den Bock ein Vierteljahr rumstehen lassen, ohne euch zu kümmern, danach sollte aber mal geladen werden. Auch die Aliant freut sich bei schlummernd fressender Elektrik nach drei Wochen über ein Frischhaltegerät. Mein Akku für die Sportster kostet stolze 270 Euro. Das ist viel Kohle. Dafür arbeitet er aber klaglos auch bei minus 15 Grad und lässt sich notfalls in zehn Minuten so weit aufladen, dass er das Motorrad starten kann. Als kurzzeitigen Startstrom gibt Aliant stramme 360 Ampere an – damit kann man theoretisch ein 10-Cent-Stück entmaterialisieren. Für den Platzausgleich im Batteriekasten legt Aliant ein paar Moosgummiblöcke bei.
Lithium ist nicht gleich Lithium
Die Schraubverbinder sind von vorbildlicher Qualität und die Garantie auf die Akkus beträgt zwei Jahre. Obacht: Es gibt auch deutlich billigere Lithium-Batterien im Internet – aber Lithium ist nicht immer gleich Lithium! Die Aliant-Batterien sind in den USA hergestellt, es handelt sich um Zellen aus der Nanophosphat-Technologie, was technisch der neueste Stand ist. Ich werde die Batterie nicht zerlegen und präsentiere euch auch keinen Vergleich mit Billigakkus aus dem Internet, ich vertraue blind den Leuten von Jamparts und kann nach einer Saison befriedigt feststellen, dass sich die Investition lohnt. Meine Empfehlung! Schaut mal bei jamparts.com.
Buchtipp
Noch ein Kulturtipp gefällig? Ich wollte meinem Sohn etwas Literatur ans Herz legen – und da die Jungs in der Pubertät ja ohnehin nur vom Ficken und Kacken reden, hab ich ihm Bukowskis »Der Mann mit der Ledertasche« aufs Kissen gepackt. Und was sagt das Arschloch? »Der schreibt ja nur vom Saufen und Ficken!«. Ja, meine Herren, kann denn die Jugend nicht mehr ZWISCHEN den Zeilen lesen?

Menschlich völlig enttäuscht hab ich es mir mit einer Flasche Rotwein gemütlich gemacht und den Schinken mal wieder gelesen. Auch zwischen den Zeilen. Und da fiel mir ein, dass diejenigen unter euch, die das Buch noch nicht kennen, es unbedingt lesen müssen. Es ist großartig! Und das bisschen Geficke und Gesaufe fällt bei der Lektüre kaum auf. So ist das Leben eben …
So, Kinder, ich muss aufhören, Fotze Köppke kommt gerade mit seinem Bonanzarad angerudert. Ein Bild für die Götter …





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